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Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

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Taylor 214 CE

Mihai Curteanu

Erfunden 1994 von Bob Taylor ist die Grand Auditorium-Bauweise mittlerweile ein moderner Klassiker geworden und wurde von zahlreichen Herstellern mit mehr oder weniger großem Erfolg „übernommen”. Taylor kennen aber das Rezept wie kein anderer und werden weiterhin mit dieser Form assoziiert – zu Recht, sie bauen schließlich das Original. Die Korpusgröße einer Grand Auditorium liegt zwischen der einer OM (Orchestra Model) und einer Dreadnought. Bob Taylors Ziel war, einen neuen, frischen Sound zu entwickeln, der laut wie eine Dreadnought, aber nicht ganz so basslastig sein sollte. Die GA sollte eine klare, ausgewogene Stimme haben, die sowohl Fingerpicking- als auch Flatpicking-Gitarristen entgegen kommt. Aus dieser Idee ist eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte geworden, und Taylor-Gitarren gehören heute nicht umsonst zu den begehrtesten auf dem Markt.

Ausstattung

Unsere Testgitarre, die Taylor 214 CE, ist eine Grand Auditorium mit Cutaway und Tonabnehmer. Taylors Ruf von ultimativer Vielseitigkeit dürfte also zu erwarten sein, obwohl wir es hier mit einer „entry level“-Taylor zu tun haben. So seltsam, wie sich das anhören mag, wird hier für einen stolzen, vierstelligen Preis „nur” eine in Mexiko hergestellte Gitarre angeboten, die von manchen voreingenommenen Gitarristen schnell als „keine richtige Taylor“ eingestuft werden könnte. Bis man den ersten Akkord spielt – dann wird einem sofort klar, dass die 214CE wirklich das komplette Programm abliefert.

Die Features lauten: massive Sitka-Fichtendecke (hochglanzlackiert), laminierter Palisander-Korpus (matt lackiert), Mahagoni-Hals (matte Rückseite), Ebenholz-Griffbrett und -Steg, Tusq-Stegeinlage und Tusq-Sattel. Für das Geld also eher unspektakuläre Eigenschaften, könnte man meinen. Eine Prestige-Marke auf der Kopfplatte kostet immer extra, aber hier kommt man auf jeden Fall auf seine Kosten, wie wir später sehen werden. Die 214CE ist außerdem mit einem Piezo-Pickup ausgestattet, der über die Taylor-typischen Regler an der Zarge bedient werden kann: Bass, Höhen und Lautstärke können bequem und fast unauffällig eingestellt werden.

Handling und Bespielbarkeit

In diesem Kapitel gibt es viel zu erzählen, denn die Taylor hebt sich nicht nur durch ihre Konstruktion von der Masse ab. Der Korpus ist zwar insgesamt nicht viel kleiner als der einer Dreadnought, aber fühlt sich beim Spielen deutlich anders an – etwas bequemer, meiner Meinung nach. Der Hals macht sofort einen eher breiten Eindruck, weshalb ich etwas verwundert war zu lesen, dass die Sattelbreite normale 43mm beträgt. Das Geheimnis der Taylor ist das String-Spacing: die Abstände zwischen den Saiten sind messbar größer als bei den meisten Western-Gitarren. Auch wegen des angenehmen, nicht zu dicken Halsprofils bekommt man hier den Eindruck, etwas mehr Platz als üblich auf dem Griffbrett zu haben, ohne dass das typische Spielgefühl einer Westerngitarre beeinflusst wird.

Taylor hat über die Jahre einen hervorragenden Ruf erworben, was die Bespielbarkeit seiner Gitarren betrifft. Das konnte ich selbst fast jedes Mal bestätigen, wenn ich eine Taylor in der Hand hatte. Natürlich gibt es auch Abweichungen von der Norm, wie bei allen anderen Holzinstrumenten, aber in puncto Playability bleiben Taylor-Gitarren sehr beständig. Die 214CE ist keine Ausnahme – eine bessere Bespielbarkeit kann ich mir bei einer Western-Gitarre schwer vorstellen. Sogar mit 12er-Saiten sind alle Arten von Barré-Akkorden mühelos machbar und das Solo-Spiel in den hohen Bünden ist ein Genuss. Es läuft sehr rund für unsere Testgitarre, ich habe bisher keinerlei Kritik, und wenn ich ehrlich bin, würde ich jetzt lieber einfach weiter darauf spielen, als diesen Bericht schreiben.

Sound

Wenn Martin-Gitarren die Quintessenz des traditionellen Gitarrensounds darstellen, dann ist Taylor der wahrscheinlich wichtigste Vertreter moderner Akustikklänge. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor vielen Jahren die erste Taylor im Musikladen angespielt habe: im ersten Moment war ich etwas verwirrt – etwas Ähnliches hatte ich noch nie gehört – und doch war ich nach wenigen Minuten schon danach süchtig und konnte die Gitarre nicht mehr aus der Hand lassen. Bob Taylor hat seinen Gitarren einen höhenreichen, dennoch vollmundigen Signatur-Klang beschert, den man sofort erkennt. Die 214CE bringt diesen Taylor-Sound mehr als überzeugend rüber: das Klangbild wird leicht von Höhen dominiert, ohne dass die Gitarre dünn klingt. Bass und Mitten fehlen überhaupt nicht, und die Lautstärke- und Dynamikreserven sind enorm – dagegen wirken so manche Dreadnoughts fast leise.

Hier wird tatsächlich noch mal bestätigt, wie vielseitig eine Grand Auditorium sein kann. Die Taylor fühlt sich bei leisem, gefühlvollem Zupfen genauso wohl wie beim Plektrumspiel mit hartem Anschlag. Ihr Fingerpicking-Sound könnte zwar ein wenig detailreicher sein, aber wirklich vermissen tue ich hier nichts. Besonders begeistert bin ich von den Solo-Qualitäten der 214CE. Wenn Akkorde so „strahlen”, dann könnte man erwarten, dass einzelne Töne in den hohen Bünden etwas dünn werden. Hier passiert genau das Gegenteil! Einzeltöne bleiben laut und fett auf dem ganzen Fretboard. Unterstützt von der ausgezeichneten Bespielbarkeit macht das Solospiel so viel Spass, wie man es selten bei Westerngitarren erlebt.

Alles schön und gut, aber wie machen sie das? Nun kenne ich leider nicht alle Geheimnisse, die in den Taylor-Sound hineinfließen, aber ein paar davon liegen wohl in den speziellen Eigenschaften dieser Gitarren. Die Brillanz wird z.B. von der Bolt-On-Bauweise gefördert, denn alle Taylor-Gitarren haben angeschraubte, nicht angeleimte Hälse. Wieder ein Punkt, bei dem Bob Taylor ein Pionier war. Einen besonderen Einfluss auf den Klang dürften auch das Ebenholzgriffbrett und der Ebenholzsteg haben. Auffällig ist noch der außergewöhnlich stark gewölbte Boden, der zu der beeindruckenden Lautstärke der Taylor beitragen dürfte.

Zum verstärkten Sound werde ich nicht viel berichten, da dieser bei Elektro-Akustikgitarren stark von der jeweiligen PA-Anlage bzw. dem Akustikverstärker abhängig ist. Die Taylor besitzt wohl nicht unbedingt den vielseitigsten Preamp (eine Mittenregelung kann man oft gut gebrauchen), sie wird aber garantiert auf jeder Bühne eine gute Figur machen.

Verarbeitung

Dieses Review werde ich wohl durchweg positiv beenden. Auch bei sehr kritischer Untersuchung kann ich keine Verarbeitungsmängel finden. Wenn man Perfektion erwartet, dann wird man vielleicht den Halswinkel des vorliegenden Exemplars als nicht zu 100% kerzengerade einstufen, dennoch ist auch hier alles im grünen Bereich. Das Batteriefach ist zwar etwas schwergängig, jedoch robust.

Über die Bauweise der Taylor kann man natürlich lange diskutieren, und Klang ist sowieso immer Geschmackssache, aber sie besitzt die vielleicht wichtigste Eigenschaft, die ein Musikinstrument haben kann: sie inspiriert den Spieler. Und bevor man es merkt, traut man sich sogar etwas verrücktere Sachen zu spielen, denn die Bespielbarkeit macht es einfach möglich – das ist bei Westerngitarren alles andere als selbstverständlich.

Fazit

Noch vor ein paar Jahren fand ich die Auswahl an wirklich guten Akustikgitarren in dieser Preisklasse ziemlich groß. Das sehe ich zur Zeit definitiv anders. Vielleicht ist einfach alles teurer geworden. Vermutlich betreiben viele Hersteller eine ähnliche Marketing-Strategie: die High-End-Modelle sollen recht teuer sein, und bei erschwinglichen Serien wird entweder gespart oder weniger angeboten. Gitarren werden sozusagen nicht unbedingt besser, aber trotzdem immer teurer. Und doch gibt es noch Hoffnung: die Taylor 214 CE bietet für einen fairen Preis einen Klang und eine Bespielbarkeit, die ohnehin schwer zu toppen sind.

Squier Vintage Modified Stratocaster HSS

Mihai Curteanu

Wer kauft sich normalerweise ein Instrument wie die Squier Stratocaster HSS? Eine zwar sehr allgemeine, aber ehrliche Antwort lautet: Gitarrenanfänger. Natürlich kann man diese Squier nicht einfach als Anfängergitarre etikettieren, aber ich werde sie trotzdem aus dieser Perspektive heraus betrachten. Der Vergleich mit einer „top of the range” Fender American Deluxe Strat wäre für die Leser, die sich tatsächlich für die Squier interessieren, höchstwahrscheinlich wenig relevant.

Warum sollte man sich ausgerechnet für das HSS-Modell entscheiden? Diese Tonabnehmer-Konfiguration (Humbucker - Single Coil - Single Coil) ist unter Gitarristen – egal ob Profi oder Anfänger – wegen ihrer Vielseitigkeit zu Recht sehr beliebt. Man bekommt also ein Instrument, das sowohl authentische Fender-Klänge durch die beiden Single-Coil-Pickups bietet, als auch einen kraftvollen, fetten, Gibson-ähnlichen Humbuckersound zur Verfügung stellt. Nachdem Eddie van Halen seine Fender durch den Einbau eines Bridge-Humbuckers modifiziert hatte, erreichten solche Gitarren in den 80ern Kultstatus. Viele Spieler und Hersteller treibten das Super-Strat-Konzept weiter, indem sie zusätzlich Floyd-Rose-Tremolosysteme oder dünne Hälse mit flachem Griffbrett einbauten, um Fingerakrobatik und den agressiven Sound dieser Ära zu unterstützen.

In der Vintage-orientierten Gitarrenwelt von heute sind die extravaganten „Hair-Metal”-Super Strats eher selten geworden. Dafür erfreuen sich sowohl Vintage- als auch moderne Stratocaster HSS-Modelle weiterhin großer Popularität.

Ausstattung

Wie der Name „Vintage Modified” suggeriert, handelt es sich bei der Bauweise dieser Squier um eine Mischung aus altmodischen und zeitgemäßen Features. Die große Kopfplatte und das schmale, runde Halsprofil erinnern z.B. an die Fender Stratocaster der 70er Jahre. Mit der Bespielbarkeit einer 70er Strat hat die Squier Vintage Modified allerdings nicht viel gemeinsam: der Ahorn-Hals hat ein Palisander-Griffbrett mit eher flacher Wölbung (9,5 Zoll-Radius) und 21 Medium-Jumbo-Bünden für angenehmes Bending- und Legato-Spiel. Wie bei den meisten modernen Gitarren lässt sich der Truss-Rod vom Kopfplattenende einstellen, ohne dass man dafür den ganzen Gitarrenhals abschrauben muss, wie bei Vintage- oder Vintage Reissue Fender-Modellen.

Weiter geht es mit dem Korpus: dieser besteht bei diesem Exemplar aus dreiteiligem Lindenholz und ist in einem wirklich schönen 3-Tone-Sunburst lackiert. Das Vintage Style Synchronized Tremolo ist durch 6 Schrauben mit dem Korpus verbunden und ab Werk aufliegend eingestellt. Das heißt genauer: die 3 Tremolo-Federn sind so stramm justiert, dass der ganze Mechanismus auf dem Gitarrenkorpus aufliegt und sich beim Saitenziehen nicht mehr bewegt. Das Tremolieren mit dem Hebel braucht dann so viel Kraft, dass es kaum noch funktioniert, aber das ist auch nicht Sinn der Sache. Das Ziel eines solchen Setups ist, quasi eine feste Brücke zu erhalten. Das ist für die meisten Spieler – vor allem für Anfänger, aber nicht nur – definitiv sinnvoll, denn solche Tremolosysteme sind leider selten verstimmungsfrei.

Handling und Bespielbarkeit

Sobald ich eine neue Gitarre in der Hand habe, fahre ich zunächst fast reflexartig mit den Fingern über die Griffbrettkanten, um zu prüfen, ob die Bundenden ordentlich abgerundet wurden. Was mir im Fall unserer Testgitarre dabei auffällt, ist nicht als besonders geschmeidig zu bezeichnen: die Bundenden fühlen sich ziemlich rau an. Nicht übertrieben, aber eben auch nicht so, dass man nichts spürt. Möglicherweise ist das Palisander-Griffbrett zu trocken bzw. leicht geschrumpft, also könnte hier ein wenig Lemon Oil Abhilfe schaffen.

Und trotzdem macht die Squier beim ersten Anspielen eine gute Figur: sie ist nämlich ab Werk vernünftig eingestellt (bis auf die Intonation). Saitenlage und Halskrümmung passen, also kann man nach dem Stimmen direkt loslegen. Apropos Halskrümmung: bei diesem Exemplar haben wir es leider mit einer etwas ungünstigen Situation zu tun. Der Hals ist leicht in sich verdreht („warped”), und zwar so, dass unter den Diskantsaiten etwas mehr Krümmung besteht als unter den Basssaiten. Dieses Problem lässt sich durch den Halsstab nicht beheben und könnte theoretisch zu übertriebenem Saitenscheppern führen. Zum Glück spürt man in unserem Fall kaum etwas davon. Im Gegenteil sogar: die Gitarre lässt sich fast schepperfrei bespielen.

Gut so, jetzt kann ich mich endlich ein bisschen entspannen und auf das Wichtigste konzentrieren: Spielgefühl und Klang. Wie bereits erwähnt, gibt es beim erstgenannten Aspekt schon einen Minus-Punkt: die scharfen Bundkanten. Wenn man daran nicht mehr denkt, dann stören sie nicht wirklich, und man merkt schnell, dass diese Stratocaster beim Spielen richtig Spaß macht. Ebenfalls dürfte jeder mit dem Hals klarkommen – für meine kleinen Finger ist er auf jeden Fall sehr angenehm.

Sound

Eine große Überraschung liefert die Squier doch noch! Man erwartet normalerweise von einer Gitarre in dieser Preisklasse nichts Spektakuläres aus der Gitarrenbox. Okay, spektakulär klingt sie auch nicht, aber auf jeden Fall hochwertig. Die Duncan Designed Single Coils liefern einen sehr authentischen und drahtigen Sound, ohne zu dünn oder leise zu sein. Das passt super zum Humbucker, der einen eher moderaten Output hat, und wiederum nicht zu „dumpf“ klingt. Nach minimaler Höhenjustierung harmonieren alle drei Pickups wunderbar miteinander.

Ohne ganz so heiß wie z.B. die Fender Texas Specials zu sein, geben die beiden Duncan Designed-Einspuler der Squier über den Amp gesunde Lautstärke und einen Stratocaster-typischen Twang. Der mittlere Tonabnehmer ist so brauchbar, dass man einen weiteren Single-Coil am Steg gar nicht vermisst. Die zwei Single-Coils und deren Parallelschaltung erwecken problemlos Hendrix-artige, Gilmouresque oder Knopflerische Klänge zum Leben. Mit also mehr als genug Strat-Sounds an Bord kann man sich über die deutlich lautere und mittigere Abwechslung des Humbuckers freuen. Dieser überrascht mit ordentlicher Saitentrennung und Anschlagsdynamik, die man eher von hochwertigeren Pickups kennt. Obwohl wir es hier mit keinem High-Output-Tonabnehmer zu tun haben, sind Hard & Heavy-Sounds locker machbar. Am wohlsten fühlt sich der Duncan Designed-Doppelspuler allerdings bei Einstellungen mit weniger Gain, womit man z.B. einen überzeugenden AC/DC-Marshall-Crunch hinbekommen kann. Trotz nicht brummfreier Single-Coils ist die Gitarre insgesamt relativ geräuscharm, was auf saubere Lötarbeit und vernünftige elektronische Komponenten (Potis, Schalter, Buchse) hinweist.

Eine weitere gute Nachricht: in der Parallelschaltung 2 (zwischen Humbucker und mittlerem Single-Coil) erhält man einen unerwartet Single-Coil-artigen Out-of-Phase-Sound (ähnlich wie Zwischenstellung 4), also verfügt man bei dieser Gitarre in der Praxis über 4 Stratocaster- und eine Humbucker-Schaltung. Das müsste auch für das abwechslungsreichste Cover-Programm reichen.

Ich habe es fast vergessen: der Sustain! Aus Gründen, die ich nicht identifizieren bzw. isolieren kann, beeindruckt die Squier mit einem unerwartet langen und musikalischen Sustain. Hier hat man noch einmal den Beweis, dass eine Gitarre ein unendlich komplexer Apparat ist, bei dem das Endergebnis je nach Situation größer oder kleiner als die Summe aller Komponenten sein kann. In unserem Fall deutlich größer, zumindest in puncto Sustain.

Verarbeitung

Im Großen und Ganzen habe ich sowohl die Mängel als auch die positiven Eigenschaften der Squier HSS schon erwähnt. Vielleicht noch ein paar Worte zur Hardware: die Mechaniken arbeiten einwandfrei, die Bridge ist allerdings höchstens in Ordnung. Die Madenschrauben sitzen teilweise ein bisschen schräg und die Saddles weisen nicht die beste Passgenauigkeit zur Bridge-Plate auf. Trotz allem funktioniert die ganze Bridge tadellos und die Saitenreiter neigen nicht zum Scheppern.

Plus-Punkte

  • Gute Bespielbarkeit
  • Vielseitige Sound-Palette
  • Guter Sustain
  • Ordentliches Werkssetup

Minus-Punkte

  • Hals nicht zu 100% gerade
  • Leicht scharfe Bundkanten
  • Suboptimale Passgenauigkeit der Bridge-Saddles

Fazit

Kurz und knackig würde ich zusammenfassen: trotz einiger Qualitätsdefizite stimmt bei dieser Squier Stratocaster die Substanz voll und ganz. Damit meine ich die leichte Bespielbarkeit, den unerwartet hochwertigen Sound und den guten Sustain. Auch nicht unwichtig heutzutage: starkes Preis-Leisungsverhältnis!

Squier Vintage Modified Cabronita Telecaster

Mihai Curteanu

So langsam komme ich in Erklärungsnot: wie bringe ich meine Begeisterung für diese neuen Squier-Modelle rüber, ohne dass man gleich denkt, ich würde dafür Werbung machen? Keine leichte Aufgabe, obwohl die Realität doch ganz einfach ist: ich lasse mich gerne von richtig guten Gitarren begeistern, und je günstiger diese sind, umso froher bin ich, darüber berichten zu können. Ob es Lob oder Kritik sein muss, ist weniger wichtig. Hauptsache, man bekommt von jeder getesteten Gitarre einen möglichst realistischen Eindruck.

Der Postbote kam heute viel früher als sonst und brachte das Paket mit der Squier Cabronita. Gut so, ich war ja viel zu gespannt, um noch einen halben Tag zu warten. Schnell also die Verpackung aufreißen und erstmal staunen: was für ein schöner Flammenahorn-Hals! Weiter geht es mit der Begutachtung, oder soll ich sagen... mit dem Staunen. Alles scheint mehr als in Ordnung zu sein. Ich kann kein Zeichen finden, was auch nur ansatzweise darauf hinweisen könnte, dass diese Squier im unteren Preissegment liegt. Dieses merkwürdige Gefühl, dass es einfach nicht wahr sein kann, hatte ich zuletzt bei der Squier Classic Vibe Stratocaster, die allerdings schon etwas teurer ist.

Da: ich habe eine kleine Macke gefunden! Die Gitarre ist also doch nicht makellos (mehr dazu später), und somit macht die Welt wieder ein bisschen mehr Sinn. Aber dass die Squier Cabronita wohl besser als eine mehr als doppelt so teure Fender Cabronita aus Mexiko ist, steht für mich jetzt schon fest.

Ausstattung

Die Cabronita ist seit ein paar Jahren die Trend-Tele schechthin. Fenders Erfolg mit diesem Konzept ist so riesig, dass es inzwischen in jeder Preisklasse ein Cabronita-Modell gibt. Die Squier ist die neueste und günstigste Variante von allen. Im Grunde ist sie wie eine ganz normale Telecaster gebaut, aber mit zwei Gretsch-ähnlichen Humbuckern ausgestattet. Diese Ehe funktioniert richtig gut und macht aus der Cabronita so etwas wie eine „zickige” Tele mit rockigem Sound und fettem Twang.

Zurück zur Ausstattung: der Hals ist aus einem Stück Ahorn und komplett hochglanzlackiert. Das sieht zwar gut aus, aber das Spielgefühl ist natürlich Geschmackssache. Ich finde die Lackierung nicht so schlimm, auch bei schwitzigen Händen stört sie nicht unbedingt. Etwas unüblich für eine Telecaster ist der Korpus aus Linde. Dieses Tonholz wird manchmal zu Unrecht als zweite Wahl eingestuft, doch Linde ist leicht und resonant, wenn auch akustisch etwas zurückhaltend.

Das Hauptmerkmal der Cabronita sind ohne Zweifel ihre Tonabnehmer: diese Fideli’tron-Pickups sind nichts anderes als Fenders Interpretation der guten alten TV Jones Filter’trons, die man vor allem mit Gretsch verbindet. Schon rein optisch machen sie neugierig, und klanglich sind sie auch mit keinen anderen Fabrikaten zu vergleichen (außer natürlich ihren Vorbildern). Darüber hinaus hat die Gitarre nur einen Volume-Poti, einen Toggle-Switch, eine Hardtail-Brücke und sonst nichts. Schaut man sich das kleine Schlagbrett genauer an und die Art, wie die Pickups direkt im Holz angeschraubt wurden, so wird man wieder daran erinnert, wie einfach eine E-Gitarre eigentlich sein kann. Und zwar ohne jegliche Kompromisse eingehen zu müssen.

Handling und Bespielbarkeit

Auf Papier haben der Hals und das Griffbrett zwar moderne Features (9,5 inch-Radius und Medium-Jumbo-Bünde), jedoch in der Praxis erlebt man bei der Cabronita ein eher altmodisches Spielgefühl. Das hat einen eigenen Charme, und dazu muss man sagen: der Hals ist so angenehm geformt und so kerzengerade, dass die Bespielbarkeit alles andere als mühsam ist, auch wenn ich mir persönlich etwas höhere Bünde gewünscht hätte.

Obwohl die Gitarre so minimalistisch gebaut ist, erweist sich ihr Handling und ihre Ergonomie als ausgezeichnet. Den Tone-Poti vermisst man nicht wirklich, denn die Cabronita klingt nie zu bissig, und der 3-Wege-Schalter ist so gut platziert und im optimalen Winkel installiert, dass man ihn immer blind findet. Man hat also alles, was man braucht, und nichts, was man „vielleicht doch gebrauchen könnte”.

Sound

Den Sound der Fideli’tron-Pickups zu beschreiben, wird mir höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Am liebsten würde ich das gar nicht versuchen und dazu nur einen einzigen Satz schreiben: diesen Klang muss man einfach hören!

Wenn ich unbedingt in Worte fassen müsste, was aus dem Verstärker kommt, dann würde ich mich erstmal grob für die Humbucker-Richtung entscheiden. Ja, die Fideli’trons klingen nicht nach Single-Coils und auch nicht wirklich nach P90-Tonabnehmern, sondern doch eher nach Humbuckern. Aber nach den speziellsten Humbuckern, die man sich vorstellen kann: sehr twangy, aber niemals schrill; mittig, aber doch sehr ausgewogen; fett, aber nie „matschig”. Wie ihr merkt, ich drehe mich im Kreis. Ich versuche es anders: was kann man mit so einer Gitarre wie der Squier Cabronita alles spielen?

Die Cabronita fühlt sich irgendwo zwischen Rock’n’Roll und Blues-Rock zu Hause. Etwas Country geht schon und ein wenig Hard-Rock mag sie auch. Man darf ja nicht vergessen, dass die berühmten Verwandten (nämlich die Gretsch-Gitarren) aus dem Rockabilly-Genre nicht wegzudenken sind. Und ein gewisser Malcom Young trägt mit seiner Filtertron-loaded-Gretsch sogar zu einem der markantesten Rock-Sounds aller Zeiten bei.

Egal, ob man sie clean oder angezerrt spielt, die Cabronita klingt einfach überzeugend und überhaupt nicht „billig”. Die beiden Tonabnehmer ergänzen sich wunderbar, und es gibt kaum einen Lautstärkeunterschied zwischen Bridge- und Hals-PU. Das Fundament des Tons und der Sustain sind mehr als vernünftig, und Dead-Spots kann ich auch nicht finden. Im Clean-Kanal hätte ich vielleicht etwas detailliertere Höhen erwartet, aber sobald ich den Tubescreamer davor schalte, bin ich wieder glücklich. Alles in allem: die Cabronita-Tele hat einen solch charmanten, Gretsch-ähnlichen und gleichzeitig Tele-angehauchten Sound, dass sie allein dafür von mir die volle Punktzahl bekommt.

Verarbeitung

Soweit ist offensichtlich alles super, doch bei der Verarbeitung gibt es sowohl weitere gute als auch ein paar schlechte Nachrichten. Ich fasse diese einfach mal kurz zusammen.

Plus-Punkte

  • Die Bundierung des Halses ist makellos, und insgesamt ist die Lackierung sehr sauber.
  • Die Mechaniken laufen ohne Beschwerde.
  • Die Pickups sehen hochwertig aus (und klingen auch so) – kein Wunder, denn mit genau diesen wird auch die Fender Cabronita-Serie (Made in Mexico) bestückt. Sie sind in der Höhe konstruktionsbedingt zwar nicht justierbar, aber die Werkseinstellung ist optimal.
  • Der Poti und der Schalter wirken robust und laufen geräuschfrei; die inneren Lötstellen sind sauber ausgeführt, und das Elektronik-Fach ist sogar abgeschirmt.

Minus-Punkte

  • Das einzig wirklich gravierende Problem bei der Gitarre sind die Saitenreiter: sie passen einfach nicht zu dieser Bridge. Vermutlich waren sie ursprünglich für andere, etwas breitere Stege gedacht, denn hier haben sie offensichtlich nicht genug Platz und sitzen teilweise ganz schief. Das erschwert die Einstellung der Saitenlage und verursacht manchmal ein Klirren der Madenschrauben. Gut aussehen tut diese Unordnung nun wirklich auch nicht.
  • Der Sattel ist nicht präzise genug gekerbt, und in Folge ist die Gitarre nicht besonders stimmstabil.
  • Die Werkseinstellung der Saitenlage und der Intonation ist eine Katastrophe bzw. gar nicht vorhanden.

Fazit

Wenn man sich allerdings in den Cabronita-Look und/oder -Sound verliebt hat, dann ist man mit dieser Squier – trotz erwähnenswerter Defizite – definitiv besser aufgehoben als z.B. mit einer mexikanischen Fender Cabronita (die letzteren haben nämlich viel größere Qualitätsschwankungen). Und wenn man noch den Preis bedenkt, dann ist die Squier Cabronita Telecaster ein Hit! Das muss gesagt werden.

Squier Standard Telecaster

Mihai Curteanu

Squier (oder genauer gesagt: Fender) baut ohne Zweifel sehr gute und preiswerte Anfängergitarren. Doch die Squier Standard Telecaster hat ein kleines Problem: die Konkurrenz. In ihrer Preisklasse muss diese Tele gegen jede Menge anderer Instrumente antreten und es drohen sogar Rivalen aus dem eigenen Hause, wie z.B. die günstigere Affinity Series oder die etwas teurere, aber extrem gut bewertete Classic Vibe Reihe. Kann die Squier Standard mithalten? Das werden wir heute versuchen herauszufinden.

Ausstattung

In der guten alten Telecaster-Tradition der 60er Jahre weist die Squier einen Ahorn-Hals mit Palisander-Griffbrett auf. Dieser ist allerdings mit 22 modernen Medium-Jumbo-Bünden ausgestattet und hat ein ebenfalls zeitgemäßes, nicht zu dickes C-Profil. Beim Korpus treffen wir auf eine unerwartete Zutat: Agathis. Dieses weiche Koniferenholz ist nicht sehr verbreitet im traditionellen Gitarrenbau, und manche werden jetzt bestimmt schon schräg gucken und denken: „Das kann nicht klingen, und erst recht nicht in einer Tele!”. Solche Vorurteile kann diese Telecaster problemlos widerlegen, wie wir später sehen werden.

Eine erste positive Überraschung ist die Bridge, die hochwertig aussieht und einwandfrei verarbeitet ist. Hier hat die Squier Standard die Nase deutlich vorne im Vergleich zur günstigeren Affinity Telecaster. Auffällig ist auch die leicht transparente Lackierung, die die Holzmaserung schön zur Geltung bringt. Schade, dass der Lack nicht ganz sauber aufgetragen wurde und die Gitarre direkt aus dem Karton ein paar sichtbare Kratzer hatte. Ich weiß, sie war nicht teuer, aber so etwas sollte trotzdem nicht sein.

Handling & Bespielbarkeit

Nun haut mich diese Gitarre nach dem Auspacken zwar nicht vom Hocker, aber mein Eindruck wird nach kurzem Einspielen immer besser. Die matte Halsrückseite fühlt sich sehr angenehm an und der Hals selbst liegt bestens in der Hand. Ich untersuche zunächst die Bünde: deren Kanten sind schön abgerundet und fühlen sich nicht zu kratzig an – OK, es ginge zwar noch besser, aber für diese Preisklasse ist die Bundierung auf überdurchschnittlichem Niveau.

Insgesamt ist die Bespielbarkeit gut bis sehr gut, und das Saitenscheppern hält sich auch in Grenzen. Die relativ hohen Bünde zusammen mit den ab Werk aufgezogenen 9er-Saiten sorgen für ein müheloses Spielgefühl, was vor allem für Anfänger sicherlich ein willkommener Bonus sein dürfte. Gerade, wenn man sich mit Bending oder Legato-Spiel auseinandersetzt, ist es extrem wichtig, dass das Instrument den Spieler nicht bremst. Ein solches Problem wird man mit dieser Squier wohl nicht haben.

Sound

Jetzt gibt es noch eine schöne zweite Überraschung auf die Ohren: diese Tele „twangt”! Und das ist nicht selbstverständlich. Um einen überzeugenden Telecaster-typischen Sound zu produzieren, muss an einer Gitarre so einiges stimmen. Es darf vor allem bei der Hardware und der Elektronik keine Schwachstellen geben, und das ist bei günstigen Instrumenten eher selten der Fall. Im Clean-Kanal macht die Squier ohne Zweifel eine sehr gute Figur. Die beiden Pickups sind außerdem klasse aufeinander abgestimmt, und sogar in der Hals-Position mangelt es nicht an Brillanz. Der Bridge-PU ist überraschend ausgewogen und klingt offen, ohne zu bissig zu werden. Den ultimativen Nashville-Contry-Sound kann diese Tele natürlich nicht bieten, aber damit dürfte auch keiner rechnen.

Dass die Pickups eine unerwartete Klarheit vorweisen, hat natürlich nur Vorteile. Angezerrte und verzerrte Sounds „matschen“ nicht, und man kann sogar Effekt-beladene Sounds kreieren, ohne dass die Höhen oder die Obertöne schnell verloren gehen. Obwohl sie nicht wirklich rockig klingt, besitzt die Squier einfach dieses raue Klangpotenzial, das mit ein wenig Overdrive oder Fuzz sofort zum Leben erweckt wird. Und das reicht von Funk-Rock à la Red Hot Chili Peppers bis Brit-Pop und sogar Classic Rock. Für Hard & Heavy-Rock sind die Tonabnehmer dann aber doch zu schwach und rauschen unter High-Gain recht stark.

Verarbeitung

Wie bereits erwähnt, die nicht ganz sorgfältige Lackierung sorgt für den ersten Minus-Punkt. Außerdem muss es gesagt werden: die Mechaniken sind wirklich mies (sie arbeiten unpräzise, haben Spiel und fühlen sich manchmal so an, als würden sie gleich auseinanderfallen). Viel mehr habe ich allerdings nicht zu kritisieren, denn die Potis und der Schalter sind zwar nicht vom Feinsten, aber bei diesem Preis leider die Norm. Natürlich muss die Squier auch gelobt werden, und zwar für die hochwertige Bridge und die gute Bundierungsarbeit. Und nicht zuletzt dafür, dass es eigentlich insgesamt doch wenige Mängel gibt.

Ich darf die ursprüngliche Fragestellung nicht vergessen: wie schneidet die Squier Standard Tele im Vergleich zur Konkurrenz ab? Ganz ehrliche Antwort: etwas besser als die Affinity-Serie, aber definitiv nicht so gut wie die Classic Vibe Telecaster. Aus meiner Sicht ist die Squier Standard qualitativ näher an der Affinity Serie. Der Preisunterschied ist allerdings durch die bessere Bridge und die offener klingenden Pickups m.E. nur bedingt gerechtfertigt.

Fazit

Trotzdem keine Frage: die Squier Standard Telecaster ist ein spürbares Upgrade gegenüber der Squier Affinity Tele. Ob dieses Upgrade sich finanziell auch lohnt, muss jeder selbst beurteilen. Und wenn man sich doch entscheidet, länger zu sparen, dann sollte man sich unbedingt auch die Squier Classic Vibe Modelle anschauen – das ist eine weitere Steigerung, die sich höchstwahrscheinlich auszahlen würde.

Squier Classic Vibe Telecaster 50’s

Mihai Curteanu

Diejenigen, die auf der Suche nach einer authentischen Telecaster in diesem Preissegment sind, dürfen sich zurecht fragen, wie gut eine Squier Classic Vibe Telecaster bspw. mit einer Fender Standard Telecaster aus mexikanischer Fertigung mithalten kann. Letztere wäre mit einem relativ geringen Aufpreis zu bekommen. Doch in Wirklichkeit braucht die Squier Classic Vibe Telecaster 50s den durchaus reizvolleren Fender-Namen auf der Kopfplatte überhaupt nicht zu fürchten. Eher im Gegenteil.

Ausstattung

Gleich nach dem Auspacken begrüßt die Squier ihren neuen Besitzer bzw. Tester mit einem auffällig authentischen ʼ52-Blackguard-Look. Die wunderbare durchsichtige Maserung des Korpusholzes, die gelungene Butterscotch Blonde Farbe sowie der dunkle Ahorn-Hals dürften die meisten Telecaster-Fans zufriedenstellen. Klar wird der eine oder andere Vintage-Connoisseur viele kleine Details entlarven, die nicht zu 100% Vintage sind, aber letztendlich haben wir es hier nicht mit einer Sammlergitarre zu tun. Ich für meinen Teil finde die Optik absolut ansprechend.

Die technische Ausstattung ist hier ebenfalls Telecaster-gerecht. Dafür sprechen der hochglanzlackierte Ahornhals, der Kiefer-Body, eine Vintage-Brücke mit drei unkompensierten Messing-Saddles, Vintage-Mechaniken und natürlich die zwei Single-Coil-Pickups. Ein Korpus aus „Pine“ (Kiefernholz) soll gut für eine Tele sein?... fragt ihr. Natürlich! Diese Holzwahl ist mittlerweile bei Teles sehr beliebt, wahrscheinlich weil Leo Fender in seinen ersten Esquire-Prototyp Kiefer verbaute. Obwohl Kiefer normalerweise recht leicht ist, liegt unsere Squier mit etwa 3,8 Kilo eher am schweren Ende des Spektrums. Dieses Gewicht ist für eine Telecaster wiederum doch relativ normal. Nach näherer Betrachtung habe ich bei dem vorliegenden Korpus nicht weniger als fünf zusammengeleimte Holzstücke gezählt. Die schöne Maserung verdeckt die mehrteilige Konstruktion sehr geschickt.

Zum Thema Features muss noch ein wichtiger Aspekt erwähnt werden: die Squier Classic Vibe Telecaster 50s wird in zwei Farben angeboten: Vintage Blonde und Butterscotch Blonde (wie die vorliegende Testgitarre). Obwohl die Modellbezeichnungen im Grunde identisch sind, wird die Vintage-Blonde-Variante mit Alnico-3-Pickups bestückt, während die Butterscotch-Version über etwas stärkere Alnico-5-Tonabnehmer verfügt.

Handling & Bespielbarkeit

Wie bereits erwähnt, verrät der erste Kontakt mit der Squier 50s Tele ein ordentliches, aber bei weitem nicht unangenehmes Gewicht. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass unter der Classic Vibe Reihe oft auch sehr leichte Exemplare zu finden sind. Wer also eine solche Gitarre bevorzugt, muss wohl selbst „handselektieren”. Noch bevor man die Squier am Verstärker hört, macht sich die Spielfreude deutlich bemerkbar. Der schlanke Hals ist vor allem für kleine Hände super geeignet und allgemein sehr angenehm geformt. Die harte Hochglanzlackierung ist makellos und fühlt sich m.E. eher glatt als „klebrig” an – das ist aber Geschmackssache. Wer eine solche Gitarre bestellt, muss sich also im Vorfeld mit dem Thema Griffbretter und deren Einfluss auf den Klang und die Bespielbarkeit beschäftigen. In Zusammenhang mit den niedrigen Bünden ergibt sich bei der Classic Vibe Telecaster ein ziemlich „altmodisches” Spielgefühl. Das könnte für viele Gitarristen genau das Richtige sein, während manch anderer sich vielleicht ein flacheres Griffbrett mit höheren Bünden für leichteres Bending oder Legato-Spiel wünschen wird.

Trocken gespielt liefert die Squier einen brillanten und drahtigen Klang, der fast überall auf dem Fretboard Sustain-reich und angenehm bleibt. Unterstützt wird die vielversprechende akustische Tonentfaltung von einer insgesamt sehr guten und gleichmäßigen Bespielbarkeit. Saitenscheppern ist hier einfach nicht vorhanden. Lediglich in den hohen Bünden, etwa ab dem 15. Bund, erklingen Bendings etwas „metallisch” und leblos. Dieses Verhalten ist über den Amp viel weniger wahrzunehmen, wie wir später sehen werden. Und es trübt den Spaß am Spielen in keinster Weise – man hat es letztendlich mit einer Tele zu tun.

Apropos Tele: die drei Messing-Saddles sind bei diesem Gitarrentyp weiterhin sehr populär und haben wohl ihre klanglichen Vorteile. Eine optimale Bundreinheit können sie allerdings nicht gewährleisten. Wer also empfindliche Ohren hat, sollte diese gegen kompensierte Saddles austauschen. Damit ist das Problem schnell und unkompliziert gelöst.

Sound

Bereits nach wenigen Akkorden wird dem Spieler deutlich, dass die Squier ihrem Vorbild vollkommen gewachsen ist und einen authentischen Twang abliefert. Nicht ganz so überraschend eigentlich, denn hier stimmt einfach alles: Hölzer, Hardware, Konstruktion und Playability arbeiten zusammen für den crispen, glockigen Ton, den die Telecaster so beliebt macht. Die „Spaßverderber“ in dieser Preisklasse sind allerdings meist die Pickups und die Elektronik – aber nicht hier.

Zum Glück wurden für diese Gitarre ab Werk Alnico 5 Single Coils gewählt, die den vorhandenen akustischen Klang sehr gut am Amp umsetzen. Der Bridge-Pickup erweist sich als „Muskelpaket”, das nicht nur Country-Twang, Rock’n’Roll oder Rhythm & Blues, sondern auch verzerrte Klänge à la Led Zeppelin meistert. Viele Telecaster-Fans werden dabei wahrscheinlich an den ursprünglichen Nocaster-Sound denken: „loud & proud“, bissig und gleichzeitig fett, mittig und trotzem unschlagbar klar und aufgeräumt. So, genug Klischees für heute. Negative Aspekte? Nun hat der gute Twang auch einen meistens unvermeidlichen Nachteil: Der Ton wird je nach Amp-Setting in den hohen Lagen recht hell. Nicht wirklich „harsch“, aber nah dran.

Schalten wir mal auf den Hals-Pickup: die Power ist erstmal weg, soviel ist sicher. Der Neck-PU der Squier Classic Vibe ist auffällig leiser und wärmer als ihr Bridge-Pickup. Ob man das mag, ist Geschmackssache, aber typisch Tele ist es allemal. Trotzdem hat man hier keine „Decke über den Speakers”, sondern einen süßen, transparenten und dynamischen Blues-Sound. Zugegeben, es gibt Pickup-Sets für Telecaster, die in puncto Lautstärke und Höhen-Anteil besser aufeinander abgestimmt sind. Die Squier geht klanglich eher in eine Traditions-orientierte Richtung: warmer Hals-Tonabnehmer für Rhythmus und lauter, durchsetzungsfähiger Steg-Pickup für Solo. Im „historisch korrekten“ Sinne ist diese Squier in ihrer Preisklasse kaum zu schlagen.

Verarbeitung

Der Vollständigkeit dieses Reviews halber muss ich zunächst erwähnen, dass unser Testmodell eine von zwei identischen Gitarren ist, die ich gleichzeitig bekommen hatte. Die zweite Squier Classic Vibe Telecaster wies einen schief montierten Hals auf und ging am nächsten Tag zurück. Die hier getestete Gitarre ist dagegen ein wahrer Glücksgriff. Sie hat einen vollkommen geraden, perfekt in der Halstasche angeschraubten Hals, eine schöne Holzmaserung und eine insgesamt erstaunlich gute Verarbeitung. Die Hardware ist zuverlässig und die Tonabnehmer hochwertig. Die Elektronik wirkt zwar robust, aber die Knöpfe dürften etwas griffiger und die Potis etwas leichtgängiger sein. Über den Sattel darf man auch ein wenig meckern, denn die Kerben sind nicht besonders sauber und doch ein wenig hoch gemacht worden – das lässt sich zur Not jedoch problemlos optimieren.

Fazit

Wer eine möglichst authentisch klingende Telecaster-artige Gitarre sucht und nicht unbedingt ein vierstelliges Budget zur Verfügung hat, braucht nicht weiter als bis zur Squier Classic Vibe 50’s zu schauen. Und das ist wortwörtlich gemeint, denn sogar für ein paar Hundert Euro Aufpreis wird man nicht unbedingt mehr Twang bekommen. Natürlich gibt es auf dem Markt bessere Teles, vor allem was Ausgewogenheit und Dynamikumfang des Sounds, aber auch Optik oder Verarbeitung betrifft – diese können sich die meisten Gitarristen, die sich für eine Squier interessieren, jedoch einfach nicht leisten.

An diejenigen mit ernsthaften Kaufabsichten richte ich meinen letzten Rat des Tages: sucht euch die Gitarre persönlich aus! Nicht etwa, weil man der Squier Classic Vibe nicht blind vertrauen kann, ganz im Gegenteil. Von einer definitiv vorhandenen Streuung ausgehend kann man behaupten, dass in dieser Serie richtig gute bis großartige Telecasters für relativ wenig Geld zu finden sind. Eine der letzteren Sorte will man haben.