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Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Filtering by Category: Effekte

Wampler Pinnacle Distortion

Mihai Curteanu

Man nehme den Clean-Kanal eines beliebigen Amps und schalte ein Distortion-Pedal davor. Das Ergebnis ist ein authentischer Hard-Rock-Sound, der einem britischen Amp mit ordentlichem Gain extrem nahe kommt. Um welches Effektgerät handelt es sich? Diese Aufgabe scheint unlösbar zu sein, weil ein Distortion-Pedal die komplexe, warme und obertonreiche Zerre eines Röhrenamps theoretisch nicht reproduzieren kann. Theoretisch.

In der Praxis sieht es oft ein wenig anders aus. Richtig gute Rock-Sounds werden nicht nur mit alten Marshalls erzeugt, sondern manchmal auch mit Effektgeräten. Und so gute Distortion-Boxes wie heutzutage hat es noch nie gegeben. Manche von ihnen schaffen sogar das Unmögliche: einen Röhrenamp so realistisch zu simulieren, dass man im Blindtest kaum noch einen Unterschied hört. Im Grunde handelt es sich nicht mehr um herkömmliche Distortions, sondern eher um Gitarren-Preamps, oder sogenannte „Amp-in-a-Box”-Geräte. Der Wampler Pinnacle Distortion ist ein perfektes Beispiel dafür.

Angeblich wurde der Pinnacle mit Eddie Van Halens „Brown Sound” als klanglichem Vorbild gebaut. Das mag zwar ein überambitionierter Maßstab sein, doch tatsächlich verspricht Herr Wampler nicht zu viel. Egal ob vor einem Röhren-, Transistor- oder digitalen Verstärker: aus jedem Clean-Channel zaubert der Wampler Pinnacle einen Drive-Sound, der einfach verblüffend authentisch nach Röhren-Amp klingt. Von dem oft dünnen, Fuzz-artigen Klang vieler Distortion-Pedale ist hier keine Spur. Eine klare Ähnlichkeit mit manchen Van Halen-Klassikern ist definitiv vorhanden, doch für mich ist der Wampler Pinnacle viel mehr als „Runnin‘ with the Devil”, „Panama” oder „Eruption” aus der Konserve. Es bringt den Charakter eines aufgedrehten oder stark geboosteten Plexi sehr überzeugend rüber, sodass man genau so schnell das Led Zeppelin-, ZZ Top- oder Whitesnake-Territorium betreten kann.

Und damit ist lange noch nicht alles gesagt. Der Pinnacle verfügt über aufwendige klangformende Features wie den Tone-Regler, den Contour Regler (parametrischer Mitten-Equalizer) und einen Vintage/Modern-Schalter, der eigentlich ähnlich wie ein Bright-Switch reagiert. Dazu kommen Volume, Gain und ein Boost-Schalter, der für zusätzliche Zerre sorgt – so viel, dass es im Boost-Modus mit Gain über 3 Uhr sogar für Heavy-Metal reichen müsste. Und das auf der Basis eines vollkommen cleanen Sounds!

Man muss nicht lange an den Knöpfen drehen, um festzustellen, dass das glänzend rote Kästchen jede Menge weiterer Überraschungen parat hat. Ohne Probleme sind fette, singende Lead-Sounds à la Joe Bonamassa oder Eric Johnson hinzubekommen. Obwohl der Wampler Pinnacle einen eher rohen Klangcharakter besitzt, lassen sich dank effektiver Tone- und Contour-Regler auch cremige Gary Moore- oder Slash-ähnliche Töne locker herauskitzeln. Classic Rock geht sowieso, obwohl mich z.B. die AC/DC-Crunch-Sounds nicht so sehr überzeugen wie die o.g. Lead-Sounds.

Als Clean-Booster kann man dieses Gerät getrost vergessen, dafür ist der Wampler einfach nicht gedacht. Auch um bereits verzerrte Soli zu boosten ist der Pinnacle meistens ein Overkill – er zerrt zu stark und verfärbt den Amp-Sound deutlich. Seine Daseinsberechtigung und gleichzeitig größte Stärke sind die Anwendungen vor dem Clean-Channel. Wer einen toll klingenden ein-kanaligen Amp besitzt und gerne einen zweiten Marshall-esquen Drive-Channel hätte, dürfte hier sein Glück finden. Und für diese überragende Leistung geht der Preis des Pedals auch in Ordnung.

Voodoo Lab Sparkle Drive

Mihai Curteanu

Nachdem wir neulich den Maxon OD808 gründlich unter die Lupe genommen haben, ist heute schon der nächste Tubescreamer-artige Overdrive am Start: der Voodoo Lab Sparkle Drive.

Neben den Standard-Reglern (Gain, Tone, Volume) hat der Sparkle Drive ein ganz besonderes Feature: über den Clean-Poti kann man das ursprüngliche Signal dem angezerrten hinzufügen. Ist der Clean-Regler auf Null, so hört man nur den vom Pedal verarbeiteten Gitarrenton. Je weiter man aufdreht, umso mehr vom Original-Sound wird dazu gemischt. Gleichzeitig wird der Overdrive-Sound leiser, so dass bei voll aufgedrehtem Regler lediglich das ursprüngliche Signal weitergeleitet wird. Das funktioniert wunderbar als Clean-Booster, denn bei einer solchen Einstellung zerrt der Sparkle Drive überhaupt nicht. Die Lautstärke-Reserven des Gerätes sind ebenfalls beachtlich.

Wir betrachten als nächstes den Grundsound dieses Overdrives, und dafür drehe ich erstmal den Clean-Regler auf Null, d.h. das Input-Signal wird immer zu 100% vom Pedal bearbeitet. Hier gibt es wenige Überraschungen, denn das Gerät tut genau das, was ein guter Tubescreamer tun sollte: es hebt die Mitten etwas an und treibt den Amp auf eine sehr musikalische, unaufdringliche Art in die Sättigung. Vor einem Clean-Amp kann man mit dem Voodoo Lab wunderbare Blues-Klänge à la Stevie Ray Vaughan erzeugen. Dabei verfärbt das Gerät den Ton mehr als andere Overdrives. Im Vergleich zu meinem Maxon OD808 klingt der Sparkle Drive ein wenig mittiger und direkter, mehr „in your face”. Manche werden das nicht unbedingt mögen, andere werden diesen Klangcharakter für seine Durchsetzungskraft im Bandkontext schätzen.

Die wahre Stärke dieses Overdrives kommt jedoch zur Geltung, wenn man mit dem Clean-Regler arbeitet. Indem man das trockene mit dem vom Pedal angezerrten Gitarrensignal kombiniert, kann man sehr dynamische, dichte Klänge erzeugen, die teilweise zwei gleichzeitig laufende Amps vermuten lassen. Dadurch wird der Sparkle Drive nicht nur extrem vielseitig, sondern er bietet die Möglichkeit, individuelle Klänge zu kreieren. Ganz toll klingt es z.B., wenn man das Gerät vor dem Clean-Kanal einschaltet, mit Gain- und Clean-Regler jeweils auf 12 Uhr. So hört man recht deutlich sowohl den Clean- als auch den Overdrive-Sound. Angezerrte Akkorde à la Tom Petty oder The Eagles klingen hiermit breit, lebendig und einfach inspirierend.

Diese Herangehensweise kann ebenfalls von Vorteil sein, wenn man gerne einen Overdrive vor dem Drive-Kanal einsetzt. Der Sparkle Drive bringt die Extra-Portion Crunch und Lautstärke mit, und dabei bleiben die Klarheit und die Dynamik des vorhandenen Sounds erhalten.

Mein Fazit: für die üblichen Tubescreamer-Anwendungen gibt es transparenter klingende Geräte auf dem Markt (manche davon sind sogar günstiger). Das stärkste Verkaufsargument des Voodoo Lab ist allerdings sein Feature, die Dry- und Wet-Signale zu mischen. Das macht den Sparkle Drive zu einem vielseitigen Tool für kreative Gitarrenarbeit.

Maxon OD808 Overdrive

Mihai Curteanu

Ich stehe mal wieder vor einer schweren Aufgabe: ich muss den Maxon OD808 reviewen, und in einem solchen Testbericht darf ein Vergleich mit ähnlichen Effektgeräten nicht fehlen. Doch genau das ist mein Problem: der Maxon OD808 ist ein Overdrive-Effekt aus der sogennanten „Tubescreamer”-Kategorie, und Tubescreamer-Klone gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Noch schlimmer: auch Originale gibt es nicht wenige.

Ein wenig Geschichte

Die Tubescreamer-Story beginnt Ende der 70er Jahre, als Ibanez den legendären TS808 Overdrive auf den Markt bringt. Über die nächsten Jahre und Jahrzehnte kamen zahlreiche Ibanez TS808-Variationen sowie einige mehr oder weniger erfolgreiche Nachfolger wie der TS9, STL, ST-9, TS10, TS5 oder der TS7. Manche Original-Tubescreamer, vor allem die TS808 und TS9 aus den 70ern und 80ern, werden heute für wahnsinnig viel Geld gehandelt. Um die Sehnsucht nach den grünen Vintage-Kästchen zu stillen, bietet Ibanez sogenannte Reissues an, also Repliken der eigenen, alten Produkte. Jeder Gitarrist kann heute ein Ibanez TS808, TS9 oder TS9DX erwerben und einen authentischen Tubescreamer-Sound genießen.

Soviel zu den Originalen. Oder gibt es noch was zu sagen? Wenn man sich im Netz nach einem solchen Overdrive umschaut, wird man sicherlich ein Produkt nicht übersehen können, das auch den ursprünglichen Tubescreamer-Sound verspricht: der Maxon OD808.

Maxon OD808: Original oder Kopie?

Ist der Maxon ein Tubescreamer-Imitat? Ja und Nein. Ja, weil letztendlich auf den Originalen „Ibanez“ steht. Nein, weil gerade die alten Tubescreamer eigentlich von der japanischen Firma Maxon im Auftrag von Ibanez hergestellt wurden. Außerdem munkelt man, dass die Schaltungen und Bauteile des Maxon OD808 und des fast doppelt so teuren Ibanez TS808 Reissue fast identisch seien. Jeder darf also seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen, aber für mich ist die Sache klar: der Maxon OD808 gehört zu der Familie der Original-Tubescreamer. Angesichts seines günstigen Preises dürfte er sogar zu einer Standard-Referenz in dieser Klasse werden.

Und endlich kommen wir zum Gerät selbst. Der OD808 macht sowohl beim Auspacken als auch im Einsatz einen hochwertigen Eindruck: Potis, Buchsen und Schalter wirken robust und arbeiten tadellos. Das Batteriefach ist ebenfalls sehr durchdacht und die Lackierung des Gehäuses makellos. Nichts wackelt und nichts rappelt. Super, also ran an die Gitarre!

Überflüssig, wie es sein mag, werde ich die Funktionsweise dieses Overdrives trotzdem kurz erklären. Der Zweck eines Tubescreamers ist es, den Amp etwas mehr in die Sättigung zu bringen, ohne seinen Sound deutlich zu verändern. Er simuliert also u.a. eine aufgedrehte Röhrenendstufe, aber ohne die hohe Lautstärke. Außerdem kann er – ähnlich wie ein Distortion- oder Fuzz-Effekt – einem Amp mehr Zerre entlocken. Der entscheidende Unterschied ist, dass ein Overdrive i.d.R. neutraler, natürlicher und weicher klingt. Er fügt dem vorhandenen Amp sozusagen keine fremde Distortion hinzu, sondern pusht lediglich den Sound auf eine sehr musikalische Art nach vorne.

Was kann der OD808?

Es gibt ein paar typische Overdrive-Anwendungen, die der Maxon als erstes absolvieren muss. Ich stelle also zunächst meinen Amp völlig clean ein und den OD808 mit Drive auf Null und Balance (also Lautstärke) über 12 Uhr. Der Tone-Regler darf auf 12 Uhr bleiben. Somit hätte ich sozusagen einen Clean-Booster, doch ganz clean bleibt mein Ton nicht. Sobald der Tubescreamer eingeschaltet wird, bekomme ich einen Clean-Sound, der bei härterem Anschlag einen feinen, Röhren-ähnlichen „Break-Up“ aufweist. Dieser Sound erinnert nicht ganz zufällig an Stevie Ray Vaughan und macht sofort süchtig. Der Bass wird ein wenig schlanker, die Mitten präsenter und der Attack überrascht ständig mit wunderbaren „Clicks” und „Plops”, so dass man einfach lauter und dynamischer spielen möchte. Wenn man einen Clean-Booster sucht, der den Ton überhaupt nicht anzerrt, dann wird man hier wahrscheinlich nicht fündig. Wer allerdings auf Texas-Blues steht, kann mit dem Maxon glücklich werden.

Wir sind immer noch im Clean-Kanal und drehen etwas mehr Drive vom Tubescreamer auf. Das klingt je nach Amp vor allem ab 12 Uhr nicht mehr so überzeugend. Wenn der Amp sehr clean ist und viel Headroom hat, dann kann zu viel Overdrive ein wenig dünn und „fuzzy” klingen. Für den Clean-Kanal empfehlen sich also Settings mit Drive unter 12 Uhr und Lautstärke nach Bedarf.

Zweite wichtige Prüfung für den OD808: der Einsatz als Solo-Booster im Drive-Kanal. Das ist bekannterweise eine Tubescreamer-Spezialität, und der Maxon punktet bei diesem Kapitel voll und ganz. Sobald er sich an eine vorhandene Amp-Zerre „anhängen” kann, produziert er das weiche, „cremige” Overdrive, das man von solchen Geräten kennt und liebt. Wer gerne Humbucker-Gitarren spielt und einen Sound à la Gary Moore oder Joe Bonamassa anstrebt, ist mit dem Maxon bestens bedient. Sogar Heavy-Metal Sounds können von diesem Overdrive profitieren, und das sowohl im Riffing- als auch Solo-Bereich. Vor dem Drive-Kanal scheint der OD808 immer gut zu klingen, egal, wie man Gain und Balance einstellt. Der Tone-Regler funktioniert auch sehr effektiv, um dem Sound je nach Spielsituation mehr Wärme oder mehr Biss zu verleihen.

Manchen Tubescreamer-Repliken (und sogar Originalen) werden zwei Dinge vorgeworfen: sie reduzieren oft den Bass zu stark oder heben die Mitten so sehr hervor, dass der Ton etwas „nasal“ wird. Diese Kritik trifft auf den Maxon OD808 jedoch nicht zu. Das Gerät klingt zwar nie Bass-lastig (was eigentlich von Vorteil ist) und bringt die Mitten definitiv nach vorne, aber nur soweit, dass es immer ausgewogen klingt. Wenn ich ehrlich bin, gehört der OD808 für mich zu den am neutralsten klingenden Tubescreamers überhaupt. Er verfälscht den Sound des Amps nicht, sondern gibt dem Spieler einfach mehr davon. Und zwar genau das, was der Amp alleine nicht schafft.

T-Rex Comp-Nova

Mihai Curteanu

Dynamisch = gut?

Egal ob es um Gitarren, Amps, Effektgeräte oder sogar Saiten und Plektren geht, das absolute Gitarristen-Lieblingswort scheint zur Zeit „Dynamik” zu sein. Das darf natürlich in keinem Testbericht fehlen, und je öfter man „dynamisch” in Verbindung mit Gitarrenequipment liest oder hört, umso besser dürfte dieses Equipment sein. Spaß beiseite: es ist vollkommen legitim, einen möglichst dynamischen Gitarrensound zu schätzen. Und darüber zu berichten ist meistens sogar ziemlich wichtig. Wo ist also das Problem? Nun, wir haben es hier – wie so oft – mit einem Gitarrenmythos zu tun: „Je dynamischer der Sound, umso besser“... das stimmt eigentlich nicht.

Je nachdem, in welchem Genre man sich als Gitarrist bewegt, ist es oft vorteilhaft, einen etwas weniger dynamischen Sound einzusetzen. Gerade im Clean-Kanal produzieren gute Röhrenamps sehr hohe Lautstärkepegel, die sich mit der Gitarre allein manchmal schwer kontrollieren lassen, vor allem, wenn man in einer lauten Band mit vielen anderen Instrumenten spielt. Hier kann ein Kompressor Abhilfe schaffen. Solche Effektgeräte reduzieren die Dynamik des Gitarrensignals, indem laute Pegel abgemildert und leise Pegel angehoben werden. Insbesondere Clean-Sounds (aber nicht nur) werden dadurch i.d.R. gleichmäßiger, präsenter und musikalischer. Und die guten Nachrichten hören hier nicht auf, denn ein Kompressor kann noch andere unerwartete Vorteile mit sich bringen. Mehr dazu später.

Der Comp-Nova Compressor

Wir fangen mit der beliebtesten Anwendung eines solchen Effektgerätes an: dem Clean-Kanal. Hier tut der T-Rex Comp-Nova genau das, was man von ihm erwartet: er „glättet” die Clean-Sounds ab, ohne diese zu stark zu verändern. Über den Comp-Regler lässt sich der Kompressionsgrad verändern. Spielt man z.B. Funk, Reggae oder Soul, dann wird man von einer milden Kompressionseinstellung (unter 12 Uhr) profitieren. Für Country-Musik oder einen Nashville „Chicken Picking”-Sound kann man den Regler auch weiter aufdrehen. Das hebt den Pick-Attack hervor und lässt laute, perkussive Töne deutlich kontrollierter klingen. Ganz unaufdringlich ist der Comp-Nova bei extremen Settings nicht mehr: er verändert auch den Ton, sodass insbesondere die Höhen präsenter wirken – das muss man natürlich mögen.

Der Level-Poti ist für die Lautstärke verantwortlich, und der Attack-Regler für … Attack! Um genauer zu sein: je mehr Attack man reindreht, umso höher der Anschlagspegel, ab dem das Gerät überhaupt eingreift. Ist der Attack-Regler auf Null, wird praktisch jeder noch so leise Ton komprimiert. Dreht man den Regler voll auf, so wird die Dynamik des ursprünglichen Signals fast unverändert durchkommen. Damit kann man also den Kompressionseffekt „feintunen”.

Nicht nur im Clean-Kanal ist der T-Rex gut zu gebrauchen. Viele Gitarristen setzen einen Kompressor vor einem bereits zerrenden Amp ein, um Einzeltöne etwas definierter und mit mehr Sustain rüberzubringen. Das ist allerdings oft problematisch, denn so gut wie jeder Kompressor wird auch das Rauschen des Amps verstärken. Außerdem sind Zerrsounds meistens von Natur aus recht komprimiert, so dass Gefahr besteht, einen „leblosen“ Gitarrensound zu bekommen. So lauten zumindest die landläufigen Vorurteile, und in diesen liegt leider ein gutes Stück Wahrheit. Auf den T-Rex treffen diese Vorurteile allerdings nicht zu. Ja, das Rauschen wird unvermeidlicherweise minimal lauter, aber der Unterschied ist unerheblich. Entsprechend würde ich sagen, dass der Comp-Nova zu den „ruhigsten” Kompressoren überhaupt gehört. Und gute, dynamische Gitarrensounds tötet er auch nicht, wenn man vernünftig mit den Reglern umgeht. Im Drive-Kanal empfiehlt sich also eher wenig Kompression und viel Attack.

Und am Ende noch eine letzte Möglichkeit, einen Kompressor sinnvoll einzusetzen: als sogenannten „Sound Enhancer“. Ein guter Kompressor mit relativ unaufdringlichen Settings (niedrige Kompressionsrate, hoher Attack) kann im Prinzip immer eingeschaltet bleiben, vorausgesetzt, man findet eine gute Kompromisseinstellung für alle Amp-Channels. Dadurch werden die vorhandenen Sounds von der Lautstärke her besser aneinander angepasst und insgesamt etwas Sustain-reicher und „knackiger”. Wegen seiner besonders rauscharmen und nuancierten Funktionsweise eignet sich der Comp-Nova wunderbar als Sound-Enhancer.

Wampler Plexi Drive

Mihai Curteanu

In meinem Kopf besteht kein Zweifel, dass Wampler fantastische Effektgeräte baut, die zu den besten auf dem heutigen Markt gehören. Ob sie allerdings immer den „Boutique”-Status und somit derart hohe Preise verdient haben, ist eine andere Frage mit m.E. nicht ganz so deutlicher Antwort. Brian Wampler haut zur Zeit neue Produkte raus, als gäbe es kein Morgen, und so darf man sich zurecht fragen: können wirklich alle davon so gut sein? Denn teuer sind sie auf alle Fälle, unter 200€ ist bei Wampler nichts zu bekommen. Wir schauen uns den Wampler Plexi Drive an und versuchen herauszufinden, warum dieses Overdrive etwa zwei bis drei mal soviel wie andere ähnliche Geräte kostet.

Die Verpackung ist nett und der Plexi Drive ist definitiv sehr gut verarbeitet. Doch in aller Ehrlichkeit: ein Boss-Pedal steht dem Wampler in puncto Qualität und Robustheit in nichts nach. Ok, der Plexi Drive hat einen True Bypass, aber dieses Feature bekommt man inzwischen auch häufig bei Geräten unter 50€. Außerdem: wer etwas tiefer in die Materie eintaucht, wird früher oder später feststellen, dass ein True Bypass nicht immer einen Vorteil mit sich bringen muss.

Bisher sieht es nicht unbedingt gut aus für den Wampler. Es bleibt aber die Hoffnung, dass der Plexi Drive mit seinem Sound das Spiel für sich entscheidet. Mit wenig Gain und aufgedrehtem Volume-Poti eignet sich das Gerät schon mal wunderbar als Booster: es bleibt clean, wenn es clean bleiben muss, oder es zwingt den Clean-Channel zu einem Röhren-ähnlichen „Break-Up”, wenn man lieber einen solchen Sound erzeugen möchte. Der detaillierte, Röhren-ähnliche Klang des Wamplers im Low-Gain Bereich ist wahrscheinlich auch seine größte Stärke. Mit dem Bass-Schalter können dünn klingende Amps etwas „angefettet” werden. Der Tone-Regler arbeitet äußerst effektiv, um den Sound optimal anzupassen. Dreht man etwas mehr Gain rein, so kommt tatsächlich eine deutliche Ähnlichkeit mit früheren Marshalls zum Vorschein. Man kann z.B. einem Fender oder Fender-mäßigen Clean-Kanal einen recht authentischen, dynamischen Hendrix-Ton à la „Little Wing” oder „Hey Joe“ entlocken. Das ist wirklich klasse, obwohl der ein oder andere Gitarrist für eine solche Anwendung wahrscheinlich direkt einen Marshall-Amp bevorzugen würde. Ein echter Plexi ist aber teuer und schmerzhaft laut, also ist der Wampler Plexi Drive in Kombination mit einem bereits vorhandenen, cleanen Amp eine praktische Alternative.

Schade nur, dass das Gerät außer Booster-Qualitäten und Hendrix-Sounds nicht viel mehr zu bieten hat. Mit dem Gain-Regler über 12 Uhr wird der Klang etwas „fuzzy” und die Zerre nicht mehr ganz „Amp-like”, sondern ziemlich Effektgerät-artig. Auch im Zusammenspiel mit einem Marshall liefert der Plexi Drive nicht immer die besten Ergebnisse: zwei mal „britisch” hintereinander kann eben zu viel des Guten sein. Als Overdrive vor einem bereits verzerrten Amp macht der Wampler wieder eine sehr gute Figur – ob er für diesen Zweck allerdings besser geeignet ist als ein Tubescreamer, das ist Geschmackssache und darüber lässt sich lange streiten.

Ich möchte ungern die Firma Wampler schlecht reden, denn sicherlich sind viele, vielleicht sogar die meisten Wampler-Produkte ihren Preis wert. Von der Vielseitigkeit und dem Preis-Leistungsverhältnis des Plexi Drive bin ich jedoch nicht überzeugt. Hier ist tatsächlich eine wichtige Lehre zu ziehen: Gegenleistung hin oder her, teuer verkauft sich! Für viele Gitarristen (mich diesmal inklusive) gilt unterbewusst: das teuerste müsste das beste sein. Man kauft sozusagen mitunter das Preisschild und nicht das Produkt für seinen echten Nutzen. Dass diese Sichtweise niemandem zu einem guten Ton verhilft, ist inzwischen bekannt. Gott sei Dank!