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Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

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Tipps zum Üben – Die magische Frage: Warum?

Mihai Curteanu

Die Ressourcen- und Informationsmenge, zu der man heute als Gitarrist schnellen Zugang hat, ist so groß, dass sie die meisten Anfänger überfordert. Wie kann man als unerfahrener Gitarrenschüler wissen, was am effektivsten zum Lernerfolg führt: Gitarrenunterricht oder Selbststudium, Bücher, YouTube-Tutorials, Online-Kurse oder Workshops? Eine Antwort auf diese Frage kann ich beim besten Willen nicht abliefern, denn all diese Methoden können sinnvoll sein. Vielleicht nicht alle gleichzeitig, aber Kombinationen erhöhen definitiv die Erfolgschancen. Wichtig ist dabei, dass man ständig versucht zu begründen, warum man etwas übt.

Immer wieder treffe ich Gitarristen, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie nicht das Richtige üben oder sich sogar in eine Richtung entwickeln, mit der sie selbst nicht zufrieden sind. Das liegt meistens daran, dass man planlos übt, oder einen Lernplan verfolgt, der für die eigenen Bedürfnisse und Ziele einfach nicht geeignet ist. Die traurige Wahrheit ist, dass ein solcher Lernplan manchmal direkt von einer Vertrauensperson kommt. Manche Instrumentallehrer greifen aus Bequemlichkeit zur gleichen Unterrichtsmethode für alle Schüler. Das bedeutet natürlich deutlich weniger Arbeit und Vorbereitungsaufwand, als wenn man auf einzelne Wünsche und Bedürfnisse eingehen würde. Den Preis zahlen leider die Schüler, die nicht immer von einem effektiven und individuell gestalteten Unterricht profitieren können. Was kann man da machen? Einfach Fragen stellen! Habt ihr das Gefühl, dass ihr Unnötiges lernen oder üben müsst, dann fragt offen und höflich: warum lernen wir das? Und was habe ich auf lange Sicht davon?

Eine weitere Verwirrungsquelle sind paradoxerweise Gitarrenbücher. Verzeiht mir bitte die ständige Kritik, aber ich habe dafür gute Gründe. Bücher gelten zwar als absolute Wissens- und Wahrheitsträger, aber in Wirklichkeit ist das immer seltener der Fall. Ich habe im Laufe der Jahre recht viele Lernbücher für Gitarre angesammelt – teilweise aus reiner Neugier, teilweise in der Hoffnung, dass ich damit meine Unterrichtsmethoden verbessern und erweitern kann. Meine persönliche Bilanz spricht leider nicht für die gitarristische Fachliteratur. Die meisten blind bestellten Bücher habe ich nach dem ersten Blättern nie wieder in die Hand genommen. Und bei viel mehr Angeboten war es mir von vorneherein klar, dass man so etwas gar nicht erst bestellen darf. Die Moral: nicht jedes Gitarrenbuch ist der optimale Lernbegleiter! Selbst bei guten Büchern, die man z.B. empfohlen bekommt, sollte man die Inhalte mit Vorsicht genießen und immer hinterfragen: warum möchte oder sollte ich das üben? Wenn man keine Antwort finden kann, dann ist es wahrscheinlich besser, weiter zu suchen, bis das Material überzeugend erscheint. Hat man ein bisschen Glück, so kann ein passendes und kompetent geschriebenes Buch goldwert sein.

Nächstes Problem: YouTube. Ihr ahnt bestimmt schon, was ich meine. YouTube ist überfüllt von Gitarren-Tutorials, jedoch kann man von den allerwenigsten Videos wirklich etwas lernen. Traurig, aber wahr: hier gibt es unzählige gute und schlechte Gitarristen, darunter teilweise unerfahrene Anfänger, selbstverliebte Shredder oder clevere Möchtegerns, die sich vor allem präsentieren und vermarkten wollen. Und solche Leute können einem selten etwas beibringen. Richtig gute und lehrreiche YouTube-Videos gibt es sicherlich auch. Um sie zu finden muss man allerdings massiv sortieren. Und sogar bei den guten Sachen sollte man immer überlegen: brauche ich das? Ist es für mein Niveau und meine Ziele überhaupt sinnvoll, gerade diese Technik, diesen Lick oder diese Skala zu lernen?

Tipps zum Üben: Zielsetzung und Strategien

Mihai Curteanu

Es gibt heutzutage immer mehr Gitarristen, die das Gitarrespielen eher wie eine Art Sport betreiben. Es ist wahrscheinlich auch ein Symptom der YouTube-Generation: immer schneller, technischer, moderner und spektakulärer. Dass man mit einem Instrument arbeitet, dessen Zweck es ist, Musik zu produzieren, wird dabei leider oft außer Acht gelassen.

In Bezug auf einen gitarristischen Wettbewerb machte vor vielen Jahren ein befreundeter Musiker einen Vergleich, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Er meinte, Gitarristen seien inzwischen wie Bodybuilder: sie wollen perfekte Körper haben, ohne sich die aufgebaute Muskulatur zunutze zu machen. Und genau wie ein guter Bodybuilder alle Muskelgruppen trainiert, so denken viele Gitarristen, dass sie unbedingt Alternate Picking, Tapping, String Skipping, Sweep Picking, Hybrid Picking, Pinch Harmonics und alle möglichen Spieltechniken und Tricks beherrschen müssen. Die Musikbranche zeigt jedoch immer wieder, dass „Hochleistungsgitarristen” selten erfolgreiche oder gar gefragte Musiker sind. Das liegt einfach daran, dass viele davon über ständiges Technik-Üben das Musikmachen vergessen.

Warum erwähne ich diese Geschichte und was hat sie mit dem Titel dieses Artikels zu tun? Gar nicht so wenig, eigentlich. Bevor wir uns mit dem Thema Üben im Detail auseinandersetzen, ist es ganz wichtig, dass jeder sich über seine Ziele als Gitarrist Gedanken macht. Denn ohne eine klare Zielsetzung und eine realistische, pragmatische Strategie läuft man Gefahr, unnötige Sachen jahrelang zu üben.

  • Ein Beispiel: was nutzt es mir täglich stundenlang Alternate Picking zu üben, wenn ich eher davon träume, als Singer-Songwriter den Durchbruch zu schaffen? Diese Zeit verwende ich doch tausendmal sinnvoller, indem ich Strumming, Fingerpicking oder Flatpicking übe, an Songwriting und Performance arbeite, und evtl. ein wenig in Harmonielehre eintauche. Genau so wenig kann ich moderne Techniken wie z.B. Sweep Picking gebrauchen, wenn ich in einer Classic Rock Coverband spiele. In einem solchen Fall empfiehlt es sich eher, seine Rhythmus-Skills zu verbessern und sich eine Blues-orientierte Solo-Spielweise anzueignen.
  • Solche Beispiele gibt es allerdings auch in die andere Richtung: möchte ich bspw. modernen Instrumental-Rock à la Joe Satriani oder Progressive-Rock im Stil von Dream Theater spielen, so habe ich für meine Zwecke relativ wenig davon, ständig Fingerpicking zu üben. Hierfür bräuchte man tatsächlich viel „Gitarrengymnastik” und recht anspruchsvolle Spieltechniken.

Und trotzdem: es kann nicht schaden, seinen Horizont zu erweitern. Manchmal sollte man auch kleine Umwege in Kauf nehmen, um sein Ziel zu erreichen. Entscheidend ist es, dass man eben ein Ziel hat und es nie aus den Augen verliert. Egal ob Anfänger oder erfahrener Gitarrist, sollte man solche Fragen möglichst ehrlich und realistisch für sich beantworten: was habe ich mit der Gitarre in den nächsten Jahren konkret vor? Was möchte ich erreichen und was muss ich dafür können? Kurz gesagt: was für ein Musiker möchte ich werden?

Tipps zum Üben: Learn to Listen!

Mihai Curteanu

Diese Frage kommt einem fast banal vor: „Hast du den Song im Ohr?”... „Klar doch, das kennt man ja!” lautet manchmal die Antwort. Damit ist leider oft gemeint, dass man den Song irgendwann vor kurzer oder längerer Zeit schon mal gehört hat. Ich kann seit vielen Jahren u.a. bei meinen eigenen Gitarrenschülern feststellen: das Hören wird unterschätzt und teilweise sogar völlig vernachlässigt.

In der Tat geht es hier um ein mehr als ernsthaftes Thema, denn Hören ist nicht gleich Hören. Hat man den Song nicht wirklich gut im Ohr, so kann das Üben auf der Gitarre schnell problematisch werden. Wenn man das Gitarrespielen ernst nimmt, sollte man auch etwas daran ändern, wie man der Musik zuhört. Auch das kann man nämlich erlernen. Entscheidend sind zwei Aspekte: wie und wie oft.

Songs hören: wie oft?

Wie oft sollte man also Musik hören? Hier gibt es offensichtlich keine Pauschal-Antwort, es hängt also von jedem einzelnen ab. Aber eins ist schon mal sicher: das Hören darf nicht zu kurz kommen. Es reicht z.B. definitiv nicht, einen Song im Radio beim Autofahren einmal gehört zu haben, um damit loszulegen. Und dass man den Song von irgendwoher kennt, hilft auch nicht viel. Man sollte die Sachen, die man auf der Gitarre lernen möchte, ganz frisch bzw. sehr gut im Ohr haben.

  • Hierzu habe ich einen konkreten Vorschlag: entscheidet man sich für ein Stück, das man spielen möchte, so sollte man es zunächst 2-3 Mal hintereinander hören. Danach immer wieder bei Bedarf – am besten einmal vor dem Üben – laufen lassen.

Ich kann mich noch gut erinnern an die Jahre, in denen ich mit Gitarrespielen anfing. In dieser Zeit hatte ich extrem viel Musik gehört, und zwar so gut wie immer die Songs, die ich nachspielen wollte. Meistens hatte ich mir lange Playlists mit meinen Lieblingsbands erstellt und diese Tag und Nacht laufen lassen. Ja, manchmal habe ich sogar mit Musik im Hintergrund geschlafen! Zugegeben: nicht jeder kann sich dabei überhaupt noch auf etwas anderes konzentrieren (ich selbst mittlerweile auch nicht mehr), aber damals hat mir das definitiv geholfen.

Und wie?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fakt ist allerdings, dass Musiker Musik anders hören als Nicht-Musiker. Es gibt nicht wirklich ein Rezept für das, was nach langjähriger Erfahrung passiert: man lernt die verschiedenen Instrumente in einem Musikstück immer besser voneinander zu unterscheiden, Rhythmen und Taktarten zu erkennen, Akkordwechsel und Tonartwechsel wahrzunehmen. Vieles davon passiert intuitiv, jedoch nicht ganz von allein.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der vorige Absatz einen Anfänger erstmal mehr verwirrt als weiterbringt. Was also tun? Ganz einfach: bewusster, aufmerksamer und intensiver hören. Des Weiteren kann man eine gewisse Musikrichtung, die man auf der Gitarre spielen möchte, besser verarbeiten, wenn man sich mit entsprechenden Songs und Alben beschäftigt. Alles „querbeet” im Radio laufen zu lassen ist dagegen viel weniger effektiv. Hier noch ein paar konkrete Tipps:

  • Konzentriert euch beim Zuhören insbesondere auf die Gitarrenparts. Versucht ggf. Akustikgitarren und E-Gitarren zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden.
  • Rhythmus mit dem Fuß mitwippen oder dabei sogar Luftgitarre mit der rechten Hand spielen. Das hilft auf Dauer, Taktarten und entsprechende Anschlagsmuster herauszufinden.
  • Gesangsmelodien und sogar Gitarren-Soli mitsingen oder mitsummen. Dafür müssen die meisten Gitarristen eine gewisse Hemmschwelle überwinden, doch es lohnt sich, denn das Mitsingen von Melodien ist nichts anderes als Gehörtraining.
  • Wollt ihr eure Gehörfähigkeiten boosten? Hört klassische Musik! Nirgendwo werdet ihr einen solchen Reichtum an Instrumenten, Harmonien, Rhythmen, Melodien, Skalen usw. finden wie in klassischen Stücken. Wegen des hohen Wiedererkennungswertes seiner Kompositionen eignet sich Mozart sehr gut für den Einstieg.

Und nicht zuletzt: genießen! Musikhören darf auf keinen Fall zur Hausaufgabe werden. Auch den technischen Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen. Vermeidet also billige Stereo-Anlagen und umso mehr die kleinen Laptop-Speaker! Vernünftige Boxen oder ein guter Kopfhörer machen einen riesigen Unterschied, wie man Musik wahrnimmt und verarbeitet.