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Vox Mini3 G2

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Vox Mini3 G2

Mihai Curteanu

Die Zeiten, in denen ich auf puren Röhrensound nicht einmal beim Üben im Wohnzimmer verzichten konnte, sind längst vorbei. Auch im Musikzimmer bleiben die Röhrenamps meistens still. Ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn ist mir wichtiger als mein Ego, und zum Glück gibt es den Roland MicroCube, der vor allem in kleinen Räumen eine mehr als gute Figur macht.

Heute bin ich auf der Suche nach einem neuen digitalen Übungsamp, der nicht lauter als 5 Watt sein sollte. Der erste Gedanke war natürlich, noch mal den MicroCube zu kaufen, aber meine Neugier hat etwas anderes vor. Ich teste also zuerst auf die Schnelle den Marshall MG-2 CFX, der zwar von Crunch bis High-Gain überzeugt, aber für meine Erwartungen im Clean-Bereich einfach zu wenig zu bieten hat. Und so nehme ich direkt den nächsten Kandidaten unter die Lupe: den neuen Vox Mini3 G2.

Bevor wir zum Sound des kleinen Vox kommen, muss ich einfach seine Ausstattung und Bedienbarkeit loben: das Front Panel ist kinderleicht ohne Anleitung zu bedienen, es fehlt nichts und nichts ist zu viel. Es stehen 10 Amp-Typen, Regler für Bass, Höhen und Lautstärke, und insgesamt 8 Effekte zur Verfügung: 4 Modulation- und 4 Delay/Reverb-Effekte, wobei nur 2 Effekte gleichzeitig verwendbar sind, also jeweils einer aus beiden Gruppen. Zusammen mit dem Line-In-Preamp, der eigentlich hauptsächlich für Akustikgitarren gedacht ist, dem Mikrofon- und dem Aux-In-Eingang hat man ein wirklich komplettes Paket, das sich für viele Situationen als wunderbar geeignet erweisen könnte. Beim E-Gitarre-Üben im Wohnzimmer kann man z.B. ein Backing Track vom Computer oder Mp3-Player über den Aux-In-Eingang laufen lassen und jammen. Ein Singer-Songwriter könnte den Mini3 G2 zum Üben oder für kleine Gigs, bei denen nur minimale Verstärkung benötigt wird (Ausstellungen, Vernissagen, Partys etc.) einsetzen, da Gesang und Akustikgitarre gleichzeitig angeschlossen werden können. Der kleine Vox kann außerdem mit Batterien betrieben werden, und somit ist er z.B. auch für Straßenmusik ideal.

Alles schön und gut, aber ist der Sound genauso brauchbar wie das Konzept? Zum größten Teil: Ja.

Als ich zum ersten Mal die verschiedenen Amp-Modelle durchgehe, bleibe ich zunächst beim „Tweed 4x10” hängen. Die offensichtlich von Fender inspirierte Simulation ist bei Zimmerlautstärke beeindruckend authentisch und klingt einfach gut. Dreht man den Gain-Regler auf, so fängt der Vox im Tweed-Modus Röhren-typisch anzuzerren und zu komprimieren - mit einer Stratocaster lässt hier Stevie Ray Vaughn grüßen. Ähnlich reagieren auch die hauseigenen „AC15” und „AC30”-Simulationen. Nicht nur erinnern diese mehr als deutlich ans Original, sie reagieren auf den Gain-Regler auch tatsächlich vergleichbar mit einem Röhrenamp. Das ist eine Eigenschaft, die bisher die wenigsten digitalen Verstärker aufweisen konnten, denn gerade die Low-Gain und Crunch-Sounds machen viele klassische Röhrenamps bis dato immer noch unersetzlich.

Das „UK ’70s“-Modell ist wohl an alte Marshall-Amps angelehnt, und genau so klingt der Vox Mini3 in dieser Einstellung auch. Hier hat man es mit einem mittigen und bissigen Clean-Sound à la Jimi Hendrix zu tun. Mit aufgedrehtem Gain-Regler ist Eric Claptons Sound aus der Cream-Ära auch ziemlich gut machbar. Der „UK ’80s“-Amp ist dann die Eintrittskarte ins Rock-Land, denn vor allem im Zusammenhang mit einer Humbucker-Gitarre kann man Klassiker von Led Zeppelin, ZZ Top oder AC/DC im Schlafzimmer zum Leben erwecken. Kurzes Fazit für zwischendurch: die Clean- und Crunch-Sounds haben meine Erwartungen übertroffen. Gute Rock-Sounds sind definitiv auch vorhanden.

Das Gleiche kann ich von Hard-Rock-Klängen mit mehr Distortion oder High-Gain-Sounds leider nicht unbedingt behaupten. Meine Versuche, einen singenden Les Paul Solo-Ton à la Gary Moore oder einen fetten Ted Nugent-Rhythmussound hinzubekommen, sind z.B. gescheitert, weil der Vox bei entsprechender Verzerrung für meinen Geschmack einfach zu höhenlastig klingt, und das sogar mit fast heruntergedrehtem Tone-Regler. Hoffentlich wird das anderen Gitarristen besser gelingen, denn die Akustik des Raumes spielt dabei natürlich auch eine wichtige Rolle. Einzig die „Cali Metal”-Simulation eines Mesa Boogie Rectifiers liefert einen soliden Heavy Metal-Sound, der so manchen Metallica-Fans bestimmt gefallen wird.

Eine weitere Vorwarnung muss ich an die Gitarristen richten, die besonders empfindliche Nachbarn haben: der nur 2 Watt leise Vox Mini3 ist richtig laut! Er kann zwar auch bei niedriger Zimmerlautstärke betrieben werden, aber dann klingt er dünn und macht wenig Spaß. Dreht man den Volume-Regler über 9 Uhr auf, so wird man mit einem für so eine kleine Kiste erstaunlich vollen Klang belohnt. Man darf sich allerdings nicht wundern, wenn es gleich danach an der Tür klingelt.