Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

Staigerstr. 7
70499 Stuttgart
Germany

+49 172 6937722

Gitarrenunterricht und Ukulele-Unterricht in Stuttgart | Kurse, Workshops und Events für Anfänger und Fortgeschrittene | Lernen Sie Gitarre, Bass oder Ukulele!

Taylor 214 CE

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Taylor 214 CE

Mihai Curteanu

Erfunden 1994 von Bob Taylor ist die Grand Auditorium-Bauweise mittlerweile ein moderner Klassiker geworden und wurde von zahlreichen Herstellern mit mehr oder weniger großem Erfolg „übernommen”. Taylor kennen aber das Rezept wie kein anderer und werden weiterhin mit dieser Form assoziiert – zu Recht, sie bauen schließlich das Original. Die Korpusgröße einer Grand Auditorium liegt zwischen der einer OM (Orchestra Model) und einer Dreadnought. Bob Taylors Ziel war, einen neuen, frischen Sound zu entwickeln, der laut wie eine Dreadnought, aber nicht ganz so basslastig sein sollte. Die GA sollte eine klare, ausgewogene Stimme haben, die sowohl Fingerpicking- als auch Flatpicking-Gitarristen entgegen kommt. Aus dieser Idee ist eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte geworden, und Taylor-Gitarren gehören heute nicht umsonst zu den begehrtesten auf dem Markt.

Ausstattung

Unsere Testgitarre, die Taylor 214 CE, ist eine Grand Auditorium mit Cutaway und Tonabnehmer. Taylors Ruf von ultimativer Vielseitigkeit dürfte also zu erwarten sein, obwohl wir es hier mit einer „entry level“-Taylor zu tun haben. So seltsam, wie sich das anhören mag, wird hier für einen stolzen, vierstelligen Preis „nur” eine in Mexiko hergestellte Gitarre angeboten, die von manchen voreingenommenen Gitarristen schnell als „keine richtige Taylor“ eingestuft werden könnte. Bis man den ersten Akkord spielt – dann wird einem sofort klar, dass die 214CE wirklich das komplette Programm abliefert.

Die Features lauten: massive Sitka-Fichtendecke (hochglanzlackiert), laminierter Palisander-Korpus (matt lackiert), Mahagoni-Hals (matte Rückseite), Ebenholz-Griffbrett und -Steg, Tusq-Stegeinlage und Tusq-Sattel. Für das Geld also eher unspektakuläre Eigenschaften, könnte man meinen. Eine Prestige-Marke auf der Kopfplatte kostet immer extra, aber hier kommt man auf jeden Fall auf seine Kosten, wie wir später sehen werden. Die 214CE ist außerdem mit einem Piezo-Pickup ausgestattet, der über die Taylor-typischen Regler an der Zarge bedient werden kann: Bass, Höhen und Lautstärke können bequem und fast unauffällig eingestellt werden.

Handling und Bespielbarkeit

In diesem Kapitel gibt es viel zu erzählen, denn die Taylor hebt sich nicht nur durch ihre Konstruktion von der Masse ab. Der Korpus ist zwar insgesamt nicht viel kleiner als der einer Dreadnought, aber fühlt sich beim Spielen deutlich anders an – etwas bequemer, meiner Meinung nach. Der Hals macht sofort einen eher breiten Eindruck, weshalb ich etwas verwundert war zu lesen, dass die Sattelbreite normale 43mm beträgt. Das Geheimnis der Taylor ist das String-Spacing: die Abstände zwischen den Saiten sind messbar größer als bei den meisten Western-Gitarren. Auch wegen des angenehmen, nicht zu dicken Halsprofils bekommt man hier den Eindruck, etwas mehr Platz als üblich auf dem Griffbrett zu haben, ohne dass das typische Spielgefühl einer Westerngitarre beeinflusst wird.

Taylor hat über die Jahre einen hervorragenden Ruf erworben, was die Bespielbarkeit seiner Gitarren betrifft. Das konnte ich selbst fast jedes Mal bestätigen, wenn ich eine Taylor in der Hand hatte. Natürlich gibt es auch Abweichungen von der Norm, wie bei allen anderen Holzinstrumenten, aber in puncto Playability bleiben Taylor-Gitarren sehr beständig. Die 214CE ist keine Ausnahme – eine bessere Bespielbarkeit kann ich mir bei einer Western-Gitarre schwer vorstellen. Sogar mit 12er-Saiten sind alle Arten von Barré-Akkorden mühelos machbar und das Solo-Spiel in den hohen Bünden ist ein Genuss. Es läuft sehr rund für unsere Testgitarre, ich habe bisher keinerlei Kritik, und wenn ich ehrlich bin, würde ich jetzt lieber einfach weiter darauf spielen, als diesen Bericht schreiben.

Sound

Wenn Martin-Gitarren die Quintessenz des traditionellen Gitarrensounds darstellen, dann ist Taylor der wahrscheinlich wichtigste Vertreter moderner Akustikklänge. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor vielen Jahren die erste Taylor im Musikladen angespielt habe: im ersten Moment war ich etwas verwirrt – etwas Ähnliches hatte ich noch nie gehört – und doch war ich nach wenigen Minuten schon danach süchtig und konnte die Gitarre nicht mehr aus der Hand lassen. Bob Taylor hat seinen Gitarren einen höhenreichen, dennoch vollmundigen Signatur-Klang beschert, den man sofort erkennt. Die 214CE bringt diesen Taylor-Sound mehr als überzeugend rüber: das Klangbild wird leicht von Höhen dominiert, ohne dass die Gitarre dünn klingt. Bass und Mitten fehlen überhaupt nicht, und die Lautstärke- und Dynamikreserven sind enorm – dagegen wirken so manche Dreadnoughts fast leise.

Hier wird tatsächlich noch mal bestätigt, wie vielseitig eine Grand Auditorium sein kann. Die Taylor fühlt sich bei leisem, gefühlvollem Zupfen genauso wohl wie beim Plektrumspiel mit hartem Anschlag. Ihr Fingerpicking-Sound könnte zwar ein wenig detailreicher sein, aber wirklich vermissen tue ich hier nichts. Besonders begeistert bin ich von den Solo-Qualitäten der 214CE. Wenn Akkorde so „strahlen”, dann könnte man erwarten, dass einzelne Töne in den hohen Bünden etwas dünn werden. Hier passiert genau das Gegenteil! Einzeltöne bleiben laut und fett auf dem ganzen Fretboard. Unterstützt von der ausgezeichneten Bespielbarkeit macht das Solospiel so viel Spass, wie man es selten bei Westerngitarren erlebt.

Alles schön und gut, aber wie machen sie das? Nun kenne ich leider nicht alle Geheimnisse, die in den Taylor-Sound hineinfließen, aber ein paar davon liegen wohl in den speziellen Eigenschaften dieser Gitarren. Die Brillanz wird z.B. von der Bolt-On-Bauweise gefördert, denn alle Taylor-Gitarren haben angeschraubte, nicht angeleimte Hälse. Wieder ein Punkt, bei dem Bob Taylor ein Pionier war. Einen besonderen Einfluss auf den Klang dürften auch das Ebenholzgriffbrett und der Ebenholzsteg haben. Auffällig ist noch der außergewöhnlich stark gewölbte Boden, der zu der beeindruckenden Lautstärke der Taylor beitragen dürfte.

Zum verstärkten Sound werde ich nicht viel berichten, da dieser bei Elektro-Akustikgitarren stark von der jeweiligen PA-Anlage bzw. dem Akustikverstärker abhängig ist. Die Taylor besitzt wohl nicht unbedingt den vielseitigsten Preamp (eine Mittenregelung kann man oft gut gebrauchen), sie wird aber garantiert auf jeder Bühne eine gute Figur machen.

Verarbeitung

Dieses Review werde ich wohl durchweg positiv beenden. Auch bei sehr kritischer Untersuchung kann ich keine Verarbeitungsmängel finden. Wenn man Perfektion erwartet, dann wird man vielleicht den Halswinkel des vorliegenden Exemplars als nicht zu 100% kerzengerade einstufen, dennoch ist auch hier alles im grünen Bereich. Das Batteriefach ist zwar etwas schwergängig, jedoch robust.

Über die Bauweise der Taylor kann man natürlich lange diskutieren, und Klang ist sowieso immer Geschmackssache, aber sie besitzt die vielleicht wichtigste Eigenschaft, die ein Musikinstrument haben kann: sie inspiriert den Spieler. Und bevor man es merkt, traut man sich sogar etwas verrücktere Sachen zu spielen, denn die Bespielbarkeit macht es einfach möglich – das ist bei Westerngitarren alles andere als selbstverständlich.

Fazit

Noch vor ein paar Jahren fand ich die Auswahl an wirklich guten Akustikgitarren in dieser Preisklasse ziemlich groß. Das sehe ich zur Zeit definitiv anders. Vielleicht ist einfach alles teurer geworden. Vermutlich betreiben viele Hersteller eine ähnliche Marketing-Strategie: die High-End-Modelle sollen recht teuer sein, und bei erschwinglichen Serien wird entweder gespart oder weniger angeboten. Gitarren werden sozusagen nicht unbedingt besser, aber trotzdem immer teurer. Und doch gibt es noch Hoffnung: die Taylor 214 CE bietet für einen fairen Preis einen Klang und eine Bespielbarkeit, die ohnehin schwer zu toppen sind.