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Squier Vintage Modified Stratocaster HSS

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Squier Vintage Modified Stratocaster HSS

Mihai Curteanu

Wer kauft sich normalerweise ein Instrument wie die Squier Stratocaster HSS? Eine zwar sehr allgemeine, aber ehrliche Antwort lautet: Gitarrenanfänger. Natürlich kann man diese Squier nicht einfach als Anfängergitarre etikettieren, aber ich werde sie trotzdem aus dieser Perspektive heraus betrachten. Der Vergleich mit einer „top of the range” Fender American Deluxe Strat wäre für die Leser, die sich tatsächlich für die Squier interessieren, höchstwahrscheinlich wenig relevant.

Warum sollte man sich ausgerechnet für das HSS-Modell entscheiden? Diese Tonabnehmer-Konfiguration (Humbucker - Single Coil - Single Coil) ist unter Gitarristen – egal ob Profi oder Anfänger – wegen ihrer Vielseitigkeit zu Recht sehr beliebt. Man bekommt also ein Instrument, das sowohl authentische Fender-Klänge durch die beiden Single-Coil-Pickups bietet, als auch einen kraftvollen, fetten, Gibson-ähnlichen Humbuckersound zur Verfügung stellt. Nachdem Eddie van Halen seine Fender durch den Einbau eines Bridge-Humbuckers modifiziert hatte, erreichten solche Gitarren in den 80ern Kultstatus. Viele Spieler und Hersteller treibten das Super-Strat-Konzept weiter, indem sie zusätzlich Floyd-Rose-Tremolosysteme oder dünne Hälse mit flachem Griffbrett einbauten, um Fingerakrobatik und den agressiven Sound dieser Ära zu unterstützen.

In der Vintage-orientierten Gitarrenwelt von heute sind die extravaganten „Hair-Metal”-Super Strats eher selten geworden. Dafür erfreuen sich sowohl Vintage- als auch moderne Stratocaster HSS-Modelle weiterhin großer Popularität.

Ausstattung

Wie der Name „Vintage Modified” suggeriert, handelt es sich bei der Bauweise dieser Squier um eine Mischung aus altmodischen und zeitgemäßen Features. Die große Kopfplatte und das schmale, runde Halsprofil erinnern z.B. an die Fender Stratocaster der 70er Jahre. Mit der Bespielbarkeit einer 70er Strat hat die Squier Vintage Modified allerdings nicht viel gemeinsam: der Ahorn-Hals hat ein Palisander-Griffbrett mit eher flacher Wölbung (9,5 Zoll-Radius) und 21 Medium-Jumbo-Bünden für angenehmes Bending- und Legato-Spiel. Wie bei den meisten modernen Gitarren lässt sich der Truss-Rod vom Kopfplattenende einstellen, ohne dass man dafür den ganzen Gitarrenhals abschrauben muss, wie bei Vintage- oder Vintage Reissue Fender-Modellen.

Weiter geht es mit dem Korpus: dieser besteht bei diesem Exemplar aus dreiteiligem Lindenholz und ist in einem wirklich schönen 3-Tone-Sunburst lackiert. Das Vintage Style Synchronized Tremolo ist durch 6 Schrauben mit dem Korpus verbunden und ab Werk aufliegend eingestellt. Das heißt genauer: die 3 Tremolo-Federn sind so stramm justiert, dass der ganze Mechanismus auf dem Gitarrenkorpus aufliegt und sich beim Saitenziehen nicht mehr bewegt. Das Tremolieren mit dem Hebel braucht dann so viel Kraft, dass es kaum noch funktioniert, aber das ist auch nicht Sinn der Sache. Das Ziel eines solchen Setups ist, quasi eine feste Brücke zu erhalten. Das ist für die meisten Spieler – vor allem für Anfänger, aber nicht nur – definitiv sinnvoll, denn solche Tremolosysteme sind leider selten verstimmungsfrei.

Handling und Bespielbarkeit

Sobald ich eine neue Gitarre in der Hand habe, fahre ich zunächst fast reflexartig mit den Fingern über die Griffbrettkanten, um zu prüfen, ob die Bundenden ordentlich abgerundet wurden. Was mir im Fall unserer Testgitarre dabei auffällt, ist nicht als besonders geschmeidig zu bezeichnen: die Bundenden fühlen sich ziemlich rau an. Nicht übertrieben, aber eben auch nicht so, dass man nichts spürt. Möglicherweise ist das Palisander-Griffbrett zu trocken bzw. leicht geschrumpft, also könnte hier ein wenig Lemon Oil Abhilfe schaffen.

Und trotzdem macht die Squier beim ersten Anspielen eine gute Figur: sie ist nämlich ab Werk vernünftig eingestellt (bis auf die Intonation). Saitenlage und Halskrümmung passen, also kann man nach dem Stimmen direkt loslegen. Apropos Halskrümmung: bei diesem Exemplar haben wir es leider mit einer etwas ungünstigen Situation zu tun. Der Hals ist leicht in sich verdreht („warped”), und zwar so, dass unter den Diskantsaiten etwas mehr Krümmung besteht als unter den Basssaiten. Dieses Problem lässt sich durch den Halsstab nicht beheben und könnte theoretisch zu übertriebenem Saitenscheppern führen. Zum Glück spürt man in unserem Fall kaum etwas davon. Im Gegenteil sogar: die Gitarre lässt sich fast schepperfrei bespielen.

Gut so, jetzt kann ich mich endlich ein bisschen entspannen und auf das Wichtigste konzentrieren: Spielgefühl und Klang. Wie bereits erwähnt, gibt es beim erstgenannten Aspekt schon einen Minus-Punkt: die scharfen Bundkanten. Wenn man daran nicht mehr denkt, dann stören sie nicht wirklich, und man merkt schnell, dass diese Stratocaster beim Spielen richtig Spaß macht. Ebenfalls dürfte jeder mit dem Hals klarkommen – für meine kleinen Finger ist er auf jeden Fall sehr angenehm.

Sound

Eine große Überraschung liefert die Squier doch noch! Man erwartet normalerweise von einer Gitarre in dieser Preisklasse nichts Spektakuläres aus der Gitarrenbox. Okay, spektakulär klingt sie auch nicht, aber auf jeden Fall hochwertig. Die Duncan Designed Single Coils liefern einen sehr authentischen und drahtigen Sound, ohne zu dünn oder leise zu sein. Das passt super zum Humbucker, der einen eher moderaten Output hat, und wiederum nicht zu „dumpf“ klingt. Nach minimaler Höhenjustierung harmonieren alle drei Pickups wunderbar miteinander.

Ohne ganz so heiß wie z.B. die Fender Texas Specials zu sein, geben die beiden Duncan Designed-Einspuler der Squier über den Amp gesunde Lautstärke und einen Stratocaster-typischen Twang. Der mittlere Tonabnehmer ist so brauchbar, dass man einen weiteren Single-Coil am Steg gar nicht vermisst. Die zwei Single-Coils und deren Parallelschaltung erwecken problemlos Hendrix-artige, Gilmouresque oder Knopflerische Klänge zum Leben. Mit also mehr als genug Strat-Sounds an Bord kann man sich über die deutlich lautere und mittigere Abwechslung des Humbuckers freuen. Dieser überrascht mit ordentlicher Saitentrennung und Anschlagsdynamik, die man eher von hochwertigeren Pickups kennt. Obwohl wir es hier mit keinem High-Output-Tonabnehmer zu tun haben, sind Hard & Heavy-Sounds locker machbar. Am wohlsten fühlt sich der Duncan Designed-Doppelspuler allerdings bei Einstellungen mit weniger Gain, womit man z.B. einen überzeugenden AC/DC-Marshall-Crunch hinbekommen kann. Trotz nicht brummfreier Single-Coils ist die Gitarre insgesamt relativ geräuscharm, was auf saubere Lötarbeit und vernünftige elektronische Komponenten (Potis, Schalter, Buchse) hinweist.

Eine weitere gute Nachricht: in der Parallelschaltung 2 (zwischen Humbucker und mittlerem Single-Coil) erhält man einen unerwartet Single-Coil-artigen Out-of-Phase-Sound (ähnlich wie Zwischenstellung 4), also verfügt man bei dieser Gitarre in der Praxis über 4 Stratocaster- und eine Humbucker-Schaltung. Das müsste auch für das abwechslungsreichste Cover-Programm reichen.

Ich habe es fast vergessen: der Sustain! Aus Gründen, die ich nicht identifizieren bzw. isolieren kann, beeindruckt die Squier mit einem unerwartet langen und musikalischen Sustain. Hier hat man noch einmal den Beweis, dass eine Gitarre ein unendlich komplexer Apparat ist, bei dem das Endergebnis je nach Situation größer oder kleiner als die Summe aller Komponenten sein kann. In unserem Fall deutlich größer, zumindest in puncto Sustain.

Verarbeitung

Im Großen und Ganzen habe ich sowohl die Mängel als auch die positiven Eigenschaften der Squier HSS schon erwähnt. Vielleicht noch ein paar Worte zur Hardware: die Mechaniken arbeiten einwandfrei, die Bridge ist allerdings höchstens in Ordnung. Die Madenschrauben sitzen teilweise ein bisschen schräg und die Saddles weisen nicht die beste Passgenauigkeit zur Bridge-Plate auf. Trotz allem funktioniert die ganze Bridge tadellos und die Saitenreiter neigen nicht zum Scheppern.

Plus-Punkte

  • Gute Bespielbarkeit
  • Vielseitige Sound-Palette
  • Guter Sustain
  • Ordentliches Werkssetup

Minus-Punkte

  • Hals nicht zu 100% gerade
  • Leicht scharfe Bundkanten
  • Suboptimale Passgenauigkeit der Bridge-Saddles

Fazit

Kurz und knackig würde ich zusammenfassen: trotz einiger Qualitätsdefizite stimmt bei dieser Squier Stratocaster die Substanz voll und ganz. Damit meine ich die leichte Bespielbarkeit, den unerwartet hochwertigen Sound und den guten Sustain. Auch nicht unwichtig heutzutage: starkes Preis-Leisungsverhältnis!