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Squier Classic Vibe Telecaster 50’s

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Squier Classic Vibe Telecaster 50’s

Mihai Curteanu

Diejenigen, die auf der Suche nach einer authentischen Telecaster in diesem Preissegment sind, dürfen sich zurecht fragen, wie gut eine Squier Classic Vibe Telecaster bspw. mit einer Fender Standard Telecaster aus mexikanischer Fertigung mithalten kann. Letztere wäre mit einem relativ geringen Aufpreis zu bekommen. Doch in Wirklichkeit braucht die Squier Classic Vibe Telecaster 50s den durchaus reizvolleren Fender-Namen auf der Kopfplatte überhaupt nicht zu fürchten. Eher im Gegenteil.

Ausstattung

Gleich nach dem Auspacken begrüßt die Squier ihren neuen Besitzer bzw. Tester mit einem auffällig authentischen ʼ52-Blackguard-Look. Die wunderbare durchsichtige Maserung des Korpusholzes, die gelungene Butterscotch Blonde Farbe sowie der dunkle Ahorn-Hals dürften die meisten Telecaster-Fans zufriedenstellen. Klar wird der eine oder andere Vintage-Connoisseur viele kleine Details entlarven, die nicht zu 100% Vintage sind, aber letztendlich haben wir es hier nicht mit einer Sammlergitarre zu tun. Ich für meinen Teil finde die Optik absolut ansprechend.

Die technische Ausstattung ist hier ebenfalls Telecaster-gerecht. Dafür sprechen der hochglanzlackierte Ahornhals, der Kiefer-Body, eine Vintage-Brücke mit drei unkompensierten Messing-Saddles, Vintage-Mechaniken und natürlich die zwei Single-Coil-Pickups. Ein Korpus aus „Pine“ (Kiefernholz) soll gut für eine Tele sein?... fragt ihr. Natürlich! Diese Holzwahl ist mittlerweile bei Teles sehr beliebt, wahrscheinlich weil Leo Fender in seinen ersten Esquire-Prototyp Kiefer verbaute. Obwohl Kiefer normalerweise recht leicht ist, liegt unsere Squier mit etwa 3,8 Kilo eher am schweren Ende des Spektrums. Dieses Gewicht ist für eine Telecaster wiederum doch relativ normal. Nach näherer Betrachtung habe ich bei dem vorliegenden Korpus nicht weniger als fünf zusammengeleimte Holzstücke gezählt. Die schöne Maserung verdeckt die mehrteilige Konstruktion sehr geschickt.

Zum Thema Features muss noch ein wichtiger Aspekt erwähnt werden: die Squier Classic Vibe Telecaster 50s wird in zwei Farben angeboten: Vintage Blonde und Butterscotch Blonde (wie die vorliegende Testgitarre). Obwohl die Modellbezeichnungen im Grunde identisch sind, wird die Vintage-Blonde-Variante mit Alnico-3-Pickups bestückt, während die Butterscotch-Version über etwas stärkere Alnico-5-Tonabnehmer verfügt.

Handling & Bespielbarkeit

Wie bereits erwähnt, verrät der erste Kontakt mit der Squier 50s Tele ein ordentliches, aber bei weitem nicht unangenehmes Gewicht. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass unter der Classic Vibe Reihe oft auch sehr leichte Exemplare zu finden sind. Wer also eine solche Gitarre bevorzugt, muss wohl selbst „handselektieren”. Noch bevor man die Squier am Verstärker hört, macht sich die Spielfreude deutlich bemerkbar. Der schlanke Hals ist vor allem für kleine Hände super geeignet und allgemein sehr angenehm geformt. Die harte Hochglanzlackierung ist makellos und fühlt sich m.E. eher glatt als „klebrig” an – das ist aber Geschmackssache. Wer eine solche Gitarre bestellt, muss sich also im Vorfeld mit dem Thema Griffbretter und deren Einfluss auf den Klang und die Bespielbarkeit beschäftigen. In Zusammenhang mit den niedrigen Bünden ergibt sich bei der Classic Vibe Telecaster ein ziemlich „altmodisches” Spielgefühl. Das könnte für viele Gitarristen genau das Richtige sein, während manch anderer sich vielleicht ein flacheres Griffbrett mit höheren Bünden für leichteres Bending oder Legato-Spiel wünschen wird.

Trocken gespielt liefert die Squier einen brillanten und drahtigen Klang, der fast überall auf dem Fretboard Sustain-reich und angenehm bleibt. Unterstützt wird die vielversprechende akustische Tonentfaltung von einer insgesamt sehr guten und gleichmäßigen Bespielbarkeit. Saitenscheppern ist hier einfach nicht vorhanden. Lediglich in den hohen Bünden, etwa ab dem 15. Bund, erklingen Bendings etwas „metallisch” und leblos. Dieses Verhalten ist über den Amp viel weniger wahrzunehmen, wie wir später sehen werden. Und es trübt den Spaß am Spielen in keinster Weise – man hat es letztendlich mit einer Tele zu tun.

Apropos Tele: die drei Messing-Saddles sind bei diesem Gitarrentyp weiterhin sehr populär und haben wohl ihre klanglichen Vorteile. Eine optimale Bundreinheit können sie allerdings nicht gewährleisten. Wer also empfindliche Ohren hat, sollte diese gegen kompensierte Saddles austauschen. Damit ist das Problem schnell und unkompliziert gelöst.

Sound

Bereits nach wenigen Akkorden wird dem Spieler deutlich, dass die Squier ihrem Vorbild vollkommen gewachsen ist und einen authentischen Twang abliefert. Nicht ganz so überraschend eigentlich, denn hier stimmt einfach alles: Hölzer, Hardware, Konstruktion und Playability arbeiten zusammen für den crispen, glockigen Ton, den die Telecaster so beliebt macht. Die „Spaßverderber“ in dieser Preisklasse sind allerdings meist die Pickups und die Elektronik – aber nicht hier.

Zum Glück wurden für diese Gitarre ab Werk Alnico 5 Single Coils gewählt, die den vorhandenen akustischen Klang sehr gut am Amp umsetzen. Der Bridge-Pickup erweist sich als „Muskelpaket”, das nicht nur Country-Twang, Rock’n’Roll oder Rhythm & Blues, sondern auch verzerrte Klänge à la Led Zeppelin meistert. Viele Telecaster-Fans werden dabei wahrscheinlich an den ursprünglichen Nocaster-Sound denken: „loud & proud“, bissig und gleichzeitig fett, mittig und trotzem unschlagbar klar und aufgeräumt. So, genug Klischees für heute. Negative Aspekte? Nun hat der gute Twang auch einen meistens unvermeidlichen Nachteil: Der Ton wird je nach Amp-Setting in den hohen Lagen recht hell. Nicht wirklich „harsch“, aber nah dran.

Schalten wir mal auf den Hals-Pickup: die Power ist erstmal weg, soviel ist sicher. Der Neck-PU der Squier Classic Vibe ist auffällig leiser und wärmer als ihr Bridge-Pickup. Ob man das mag, ist Geschmackssache, aber typisch Tele ist es allemal. Trotzdem hat man hier keine „Decke über den Speakers”, sondern einen süßen, transparenten und dynamischen Blues-Sound. Zugegeben, es gibt Pickup-Sets für Telecaster, die in puncto Lautstärke und Höhen-Anteil besser aufeinander abgestimmt sind. Die Squier geht klanglich eher in eine Traditions-orientierte Richtung: warmer Hals-Tonabnehmer für Rhythmus und lauter, durchsetzungsfähiger Steg-Pickup für Solo. Im „historisch korrekten“ Sinne ist diese Squier in ihrer Preisklasse kaum zu schlagen.

Verarbeitung

Der Vollständigkeit dieses Reviews halber muss ich zunächst erwähnen, dass unser Testmodell eine von zwei identischen Gitarren ist, die ich gleichzeitig bekommen hatte. Die zweite Squier Classic Vibe Telecaster wies einen schief montierten Hals auf und ging am nächsten Tag zurück. Die hier getestete Gitarre ist dagegen ein wahrer Glücksgriff. Sie hat einen vollkommen geraden, perfekt in der Halstasche angeschraubten Hals, eine schöne Holzmaserung und eine insgesamt erstaunlich gute Verarbeitung. Die Hardware ist zuverlässig und die Tonabnehmer hochwertig. Die Elektronik wirkt zwar robust, aber die Knöpfe dürften etwas griffiger und die Potis etwas leichtgängiger sein. Über den Sattel darf man auch ein wenig meckern, denn die Kerben sind nicht besonders sauber und doch ein wenig hoch gemacht worden – das lässt sich zur Not jedoch problemlos optimieren.

Fazit

Wer eine möglichst authentisch klingende Telecaster-artige Gitarre sucht und nicht unbedingt ein vierstelliges Budget zur Verfügung hat, braucht nicht weiter als bis zur Squier Classic Vibe 50’s zu schauen. Und das ist wortwörtlich gemeint, denn sogar für ein paar Hundert Euro Aufpreis wird man nicht unbedingt mehr Twang bekommen. Natürlich gibt es auf dem Markt bessere Teles, vor allem was Ausgewogenheit und Dynamikumfang des Sounds, aber auch Optik oder Verarbeitung betrifft – diese können sich die meisten Gitarristen, die sich für eine Squier interessieren, jedoch einfach nicht leisten.

An diejenigen mit ernsthaften Kaufabsichten richte ich meinen letzten Rat des Tages: sucht euch die Gitarre persönlich aus! Nicht etwa, weil man der Squier Classic Vibe nicht blind vertrauen kann, ganz im Gegenteil. Von einer definitiv vorhandenen Streuung ausgehend kann man behaupten, dass in dieser Serie richtig gute bis großartige Telecasters für relativ wenig Geld zu finden sind. Eine der letzteren Sorte will man haben.