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Squier Vintage Modified Cabronita Telecaster

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Squier Vintage Modified Cabronita Telecaster

Mihai Curteanu

So langsam komme ich in Erklärungsnot: wie bringe ich meine Begeisterung für diese neuen Squier-Modelle rüber, ohne dass man gleich denkt, ich würde dafür Werbung machen? Keine leichte Aufgabe, obwohl die Realität doch ganz einfach ist: ich lasse mich gerne von richtig guten Gitarren begeistern, und je günstiger diese sind, umso froher bin ich, darüber berichten zu können. Ob es Lob oder Kritik sein muss, ist weniger wichtig. Hauptsache, man bekommt von jeder getesteten Gitarre einen möglichst realistischen Eindruck.

Der Postbote kam heute viel früher als sonst und brachte das Paket mit der Squier Cabronita. Gut so, ich war ja viel zu gespannt, um noch einen halben Tag zu warten. Schnell also die Verpackung aufreißen und erstmal staunen: was für ein schöner Flammenahorn-Hals! Weiter geht es mit der Begutachtung, oder soll ich sagen... mit dem Staunen. Alles scheint mehr als in Ordnung zu sein. Ich kann kein Zeichen finden, was auch nur ansatzweise darauf hinweisen könnte, dass diese Squier im unteren Preissegment liegt. Dieses merkwürdige Gefühl, dass es einfach nicht wahr sein kann, hatte ich zuletzt bei der Squier Classic Vibe Stratocaster, die allerdings schon etwas teurer ist.

Da: ich habe eine kleine Macke gefunden! Die Gitarre ist also doch nicht makellos (mehr dazu später), und somit macht die Welt wieder ein bisschen mehr Sinn. Aber dass die Squier Cabronita wohl besser als eine mehr als doppelt so teure Fender Cabronita aus Mexiko ist, steht für mich jetzt schon fest.

Ausstattung

Die Cabronita ist seit ein paar Jahren die Trend-Tele schechthin. Fenders Erfolg mit diesem Konzept ist so riesig, dass es inzwischen in jeder Preisklasse ein Cabronita-Modell gibt. Die Squier ist die neueste und günstigste Variante von allen. Im Grunde ist sie wie eine ganz normale Telecaster gebaut, aber mit zwei Gretsch-ähnlichen Humbuckern ausgestattet. Diese Ehe funktioniert richtig gut und macht aus der Cabronita so etwas wie eine „zickige” Tele mit rockigem Sound und fettem Twang.

Zurück zur Ausstattung: der Hals ist aus einem Stück Ahorn und komplett hochglanzlackiert. Das sieht zwar gut aus, aber das Spielgefühl ist natürlich Geschmackssache. Ich finde die Lackierung nicht so schlimm, auch bei schwitzigen Händen stört sie nicht unbedingt. Etwas unüblich für eine Telecaster ist der Korpus aus Linde. Dieses Tonholz wird manchmal zu Unrecht als zweite Wahl eingestuft, doch Linde ist leicht und resonant, wenn auch akustisch etwas zurückhaltend.

Das Hauptmerkmal der Cabronita sind ohne Zweifel ihre Tonabnehmer: diese Fideli’tron-Pickups sind nichts anderes als Fenders Interpretation der guten alten TV Jones Filter’trons, die man vor allem mit Gretsch verbindet. Schon rein optisch machen sie neugierig, und klanglich sind sie auch mit keinen anderen Fabrikaten zu vergleichen (außer natürlich ihren Vorbildern). Darüber hinaus hat die Gitarre nur einen Volume-Poti, einen Toggle-Switch, eine Hardtail-Brücke und sonst nichts. Schaut man sich das kleine Schlagbrett genauer an und die Art, wie die Pickups direkt im Holz angeschraubt wurden, so wird man wieder daran erinnert, wie einfach eine E-Gitarre eigentlich sein kann. Und zwar ohne jegliche Kompromisse eingehen zu müssen.

Handling und Bespielbarkeit

Auf Papier haben der Hals und das Griffbrett zwar moderne Features (9,5 inch-Radius und Medium-Jumbo-Bünde), jedoch in der Praxis erlebt man bei der Cabronita ein eher altmodisches Spielgefühl. Das hat einen eigenen Charme, und dazu muss man sagen: der Hals ist so angenehm geformt und so kerzengerade, dass die Bespielbarkeit alles andere als mühsam ist, auch wenn ich mir persönlich etwas höhere Bünde gewünscht hätte.

Obwohl die Gitarre so minimalistisch gebaut ist, erweist sich ihr Handling und ihre Ergonomie als ausgezeichnet. Den Tone-Poti vermisst man nicht wirklich, denn die Cabronita klingt nie zu bissig, und der 3-Wege-Schalter ist so gut platziert und im optimalen Winkel installiert, dass man ihn immer blind findet. Man hat also alles, was man braucht, und nichts, was man „vielleicht doch gebrauchen könnte”.

Sound

Den Sound der Fideli’tron-Pickups zu beschreiben, wird mir höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Am liebsten würde ich das gar nicht versuchen und dazu nur einen einzigen Satz schreiben: diesen Klang muss man einfach hören!

Wenn ich unbedingt in Worte fassen müsste, was aus dem Verstärker kommt, dann würde ich mich erstmal grob für die Humbucker-Richtung entscheiden. Ja, die Fideli’trons klingen nicht nach Single-Coils und auch nicht wirklich nach P90-Tonabnehmern, sondern doch eher nach Humbuckern. Aber nach den speziellsten Humbuckern, die man sich vorstellen kann: sehr twangy, aber niemals schrill; mittig, aber doch sehr ausgewogen; fett, aber nie „matschig”. Wie ihr merkt, ich drehe mich im Kreis. Ich versuche es anders: was kann man mit so einer Gitarre wie der Squier Cabronita alles spielen?

Die Cabronita fühlt sich irgendwo zwischen Rock’n’Roll und Blues-Rock zu Hause. Etwas Country geht schon und ein wenig Hard-Rock mag sie auch. Man darf ja nicht vergessen, dass die berühmten Verwandten (nämlich die Gretsch-Gitarren) aus dem Rockabilly-Genre nicht wegzudenken sind. Und ein gewisser Malcom Young trägt mit seiner Filtertron-loaded-Gretsch sogar zu einem der markantesten Rock-Sounds aller Zeiten bei.

Egal, ob man sie clean oder angezerrt spielt, die Cabronita klingt einfach überzeugend und überhaupt nicht „billig”. Die beiden Tonabnehmer ergänzen sich wunderbar, und es gibt kaum einen Lautstärkeunterschied zwischen Bridge- und Hals-PU. Das Fundament des Tons und der Sustain sind mehr als vernünftig, und Dead-Spots kann ich auch nicht finden. Im Clean-Kanal hätte ich vielleicht etwas detailliertere Höhen erwartet, aber sobald ich den Tubescreamer davor schalte, bin ich wieder glücklich. Alles in allem: die Cabronita-Tele hat einen solch charmanten, Gretsch-ähnlichen und gleichzeitig Tele-angehauchten Sound, dass sie allein dafür von mir die volle Punktzahl bekommt.

Verarbeitung

Soweit ist offensichtlich alles super, doch bei der Verarbeitung gibt es sowohl weitere gute als auch ein paar schlechte Nachrichten. Ich fasse diese einfach mal kurz zusammen.

Plus-Punkte

  • Die Bundierung des Halses ist makellos, und insgesamt ist die Lackierung sehr sauber.
  • Die Mechaniken laufen ohne Beschwerde.
  • Die Pickups sehen hochwertig aus (und klingen auch so) – kein Wunder, denn mit genau diesen wird auch die Fender Cabronita-Serie (Made in Mexico) bestückt. Sie sind in der Höhe konstruktionsbedingt zwar nicht justierbar, aber die Werkseinstellung ist optimal.
  • Der Poti und der Schalter wirken robust und laufen geräuschfrei; die inneren Lötstellen sind sauber ausgeführt, und das Elektronik-Fach ist sogar abgeschirmt.

Minus-Punkte

  • Das einzig wirklich gravierende Problem bei der Gitarre sind die Saitenreiter: sie passen einfach nicht zu dieser Bridge. Vermutlich waren sie ursprünglich für andere, etwas breitere Stege gedacht, denn hier haben sie offensichtlich nicht genug Platz und sitzen teilweise ganz schief. Das erschwert die Einstellung der Saitenlage und verursacht manchmal ein Klirren der Madenschrauben. Gut aussehen tut diese Unordnung nun wirklich auch nicht.
  • Der Sattel ist nicht präzise genug gekerbt, und in Folge ist die Gitarre nicht besonders stimmstabil.
  • Die Werkseinstellung der Saitenlage und der Intonation ist eine Katastrophe bzw. gar nicht vorhanden.

Fazit

Wenn man sich allerdings in den Cabronita-Look und/oder -Sound verliebt hat, dann ist man mit dieser Squier – trotz erwähnenswerter Defizite – definitiv besser aufgehoben als z.B. mit einer mexikanischen Fender Cabronita (die letzteren haben nämlich viel größere Qualitätsschwankungen). Und wenn man noch den Preis bedenkt, dann ist die Squier Cabronita Telecaster ein Hit! Das muss gesagt werden.