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Squier Affinity Telecaster

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Squier Affinity Telecaster

Mihai Curteanu

Normalerweise hätte ich ein wenig Bedenken, einem Gitarrenanfänger eine Squier Affinity Series zu empfehlen. Nicht, dass sie schlecht wären, aber für zusätzliche 50 bis 100€ gibt es elektrische Gitarren mit besserem Preis-Leistungsverhältnis, die den Spieler eine längere Zeit begleiten dürften, bis das Gear Acquisition Syndrome den Kaufrausch wieder auslöst. Heute kann ich diese Meinung nicht mehr so gut vertreten, denn vor mir liegt eine brandneue Affinity Telecaster, bei der fast alles stimmt. Preis-Leistungsverhältnis inklusive.

Dass diese neuen Affinity-Modelle deutlich besser geworden sind, überrascht mich in aller Ehrlichkeit. Ich habe die Gitarre nämlich ausgepackt, war begeistert, und erst dann habe ich auf der Rechnung und anhand der Spezifikationen gecheckt, dass es sich hier tatsächlich um eine Gitarre handelt, die ich in der Form noch nicht kenne. Das sind wunderbare Nachrichten für Leute, die überlegen, sich eine E-Gitarre zu kaufen: man bekommt inzwischen schon für recht kleines Geld etwas ganz Vernünftiges! Das hätte ich bisher so nicht unterschrieben.

Ausstattung

Was die Ausstattung betrifft, braucht man sich keine Sorgen zu machen; es wird ganz nach dem Telecaster-Rezept gekocht. Ahorn-Hals mit Palisander-Griffbrett und 21 Bünden, ein fetter Holzklotz für den Korpus, fester Steg und 2 Pickups. Viel einfacher und effektiver geht es kaum. Das wahrscheinlich wichtigste Upgrade gegenüber früheren Squier Affinity-Teles ist der Body, der aus Erle anstatt Linde besteht, und weiterhin ein paar Millimeter dünner als bspw. bei US-Teles gehalten ist (daher auch das angenehme Gewicht). Obwohl Linde ohne Zweifel ein gutes Tonholz ist, scheint Erle gerade diesem Exemplar einen etwas lebendigeren Klang zu verleihen. Dazu tragen sicherlich auch der matt lackierte Hals und das dicke Palisander-Griffbrett bei. Bereits unplugged überrascht diese Tele mit einem unerwartet holzigen, ausgewogenen Ton.

Zu den Stärken und Schwächen der Gitarre werde ich später ins Detail gehen, doch eine Sache muss von vorneherein erwähnt werden: an der Hardware der Affinity-Tele wird gespart. Irgendwo muss der niedrige Preis auch herkommen. Anstatt der üblichen String-Through-Body Bridge weist die Squier eine sogennante „Top Loader” Brücke auf. Es gibt also keine Löcher im Body und die Saiten werden direkt vom Steg festgehalten. Diesbezüglich gibt es jede Menge unterschiedlicher Meinungen, was die Auswirkungen eines solchen Systems auf den Klang betrifft. Meines Erachtens klingt eine Top-Loader-Bridge nicht wirklich schlechter als eine String-Thru (es gibt sogar High-End-Teles, die mit Top-Loading Hardware ausgestattet sind), aber eins ist klar: das Saitenwechseln wird dadurch umständlich.

Handling & Bespielbarkeit

Trotz Erlekorpus ist die Affinity Tele relativ leicht und die matte Halsrückseite sorgt für einen komfortablen Erstkontakt. Außerdem ist das moderate C-Halsprofil sehr angenehm und liegt wunderbar in der Hand. Nicht ganz so wunderbar fühlen sich allerdings die kratzigen Bundkanten an, aber damit ist in dieser Preisklasse schon fast zu rechnen. Hier gibt es zwar Verbesserungspotenzial, doch tragisch ist es auf keinen Fall.

Je mehr ich spiele, umso besser wird mein Eindruck von dieser Gitarre. Dank präzise gekerbten Sattels und insgesamt gut abgerichteter Bünde lässt sich die Squier mühelos in allen Lagen bespielen. Der Hals ist gerade und sogar bei niedriger Saitenlage gibt es kein übertriebenes Saitenscheppern. Egal ob Overbending oder schnelles Legato-Spiel: die Gitarre macht gerne mit – dazu schafft das flache Fretboard mit 9,5 Inch-Radius und Medium-Jumbo Bünden natürlich Abhilfe.

Sound

Man erwartet ja kein Wunder, wenn man eine Gitarre aus dieser Preisklasse verstärkt. Gerade Röhrenamps trennen die „Männer von den Jungs“ und verraten die Stärken und Schwächen eines Instrumentes. Enttäuscht wird man von dieser Squier auch nicht, es sei denn, man macht sich unrealistische Hoffnungen. Was man für dieses Geld nicht wirklich bekommt, ist ein authentischer „Nashville Style“ Tele-Twang. Die Squier Affinity klingt zwar schön glockig und definitiv nach Telecaster, aber insgesamt eher rund und zurückhaltend. Wer mehr Brillanz und Twang für das kleine Budget sucht, sollte sich die Squier Classic Vibe Modelle anschauen.

Der warme Sound der Affinity Tele hat auch Vorteile, denn dadurch verträgt sich die Gitarre wunderbar mit Overdrive oder sogar etwas mehr Distortion. Rolling Stones-artige Sounds sind kein Problem, und bei Brit-Pop oder Indie-Rock fühlt sie sich ganz zu Hause. Ähnlich wie bei vielen Teles liegt die Achillessehne beim Hals-PU, der mir etwas leblos und „muddy” vorkommt. Dafür klingt der Bridge-Tonabnehmer relativ Mitten-betont und bringt locker genug Power für Classic Rock mit sich: Led Zeppelin oder AC/DC-Riffs machen unerwartet viel Spass. Die mittlere Position mit beiden Pickups parallel geschaltet hat die meisten Höhen parat, doch – wie erwähnt – nicht genug um wirklich überzeugende Country-Sounds zu produzieren.

Verarbeitung

Trotz einiger Defizite macht die Affinity Telecaster einen soliden Gesamteindruck, was die Verarbeitung betrifft. Dieser Eindruck ist der makellosen Lackierung und den schönen Hölzern zu verdanken. Nennenswerte Plus-Punkte bekommt die Squier auch für die vollkommen dichte Halstasche und den fachgerecht gekerbten Sattel – bei diesen Kategorien zeigen sogar US-Teles Schwächen, und das nicht mal so selten. Auch die Bundierung ist insgesamt ziemlich sauber ausgeführt – trotz leicht scharfer Bundkanten.

Ok, jetzt die schlechten Nachrichten: die Mechaniken halten zwar vernünftig die Stimmung, aber sie weisen Spiel auf und fühlen sich einfach nicht robust an. Auch die Pickups, die Buchse und der Schalter machen nicht den hochwertigsten Eindruck, auch wenn sie für diesen Preis schließlich doch akzeptabel sind. Der größte Minus-Punkt ist wahrscheinlich die Bridge. Man braucht viel Geduld beim Saitenwechseln oder der Einstellung der Saitenlage. Die Saddles sind nämlich so minderwertig, dass die Madenschrauben sich nicht gleichmäßig justieren lassen und gerne klirren.

Fazit

Angesichts der geäußerten Kritik mag mein Urteil vielleicht ein wenig widersprüchlich ausfallen: die Squier Affinity Tele ist ihren Preis wert. Noch wichtiger: diese Gitarre kann man getrost Anfängern empfehlen, denn ihre Substanz stimmt: die Bespielbarkeit und der Sound sind mehr als adäquat. Man sollte sich trotzdem im Vorfeld Gedanken machen, ob man die Nerven hat, um mit der suboptimalen Hardware der Squier umzugehen. Ob das ein entscheidendes Gegenargument ist, muss jeder selbst überlegen.