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Sigma 000M-18

Gitarren-Blog

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Sigma 000M-18

Mihai Curteanu

Lasst uns einfach direkt zur Sache kommen und versuchen, ein paar wichtige Fragen zu klären: ist Sigma die Tochter-Firma von Martin? Sind Sigma-Gitarren sozusagen günstige Martin-Kopien? Klingt eine Sigma wie eine Martin? Nein, Ja und Jein.

Sigma wurde tatsächlich 1970 von Martin Guitars gegründet und produzierte in den 70er und 80er Jahren preiswerte Gitarren in Japan. Die Produktion wanderte über die Jahre nach Korea und Taiwan und wurde 2007 eingestellt. Den meisten Gitarristen dürften vor allem die alten japanischen Sigma in Erinnerung sein. Die Marke wurde 2011 vom Münchner Martin-Vertrieb gekauft, und seitdem werden Sigma-Gitarren in China produziert. Also von Tochter-Firma gar keine Rede mehr, was aber auch nicht so wichtig ist. Dass die deutschen Sigma einige optische Martin-Elemente übernehmen durften, ist zwar offensichtlich, aber im Grunde ist jede zweite Akustikgitarre auf dem Markt eine Martin-Kopie. Dreadnought, 000 („Triple O”), Orchestra Model (OM) – all diese Bauweisen, die von C. F. Martin schon vor einem Jahrhundert entwickelt wurden, werden heutzutage von so gut wie allen Herstellern von Steel-String-Gitarren „kopiert“. Inklusive Sigma. Und trotzdem: ganz alltäglich ist der Klang der kleinen 000M-18 doch nicht.

Ausstattung

Wir haben es hier allein deshalb mit einer besonderen Gitarre zu tun, weil sie eine „Triple O”-Bauweise aufweist. Auf einem von Dreadnoughts dominierten Gitarrenmarkt sind echte 000-Modelle relativ selten – sehr schade eigentlich, denn es gibt meiner Meinung nach kaum vielseitigere Western-Gitarren. Der Korpus der Sigma hat ungefähr die Größe von dem einer Konzertgitarre, aber der Hals ist Western-typisch mit schmalem Sattel (43mm) und langer Mensur (645mm).

Auf Papier hat die Sigma für ihren Preis wenig überraschende Features: massive Sitka-Fichtendecke, laminierter Mahagoni-Korpus, Mahagoni-Hals und Palisander-Griffbrett. Allein der Knochensattel und der intonationskompensierte Knochensteg sind hier ein ganz netter Bonus und in dieser Preisklasse selten vorhanden. Die Grover-Mechaniken sind ebenfalls willkommen. Die Bridge-Pins bestehen, wie erwartet, aus Plastik.

Handling & Bespielbarkeit

Durch den kleineren Korpus macht die Sigma beim Halten sofort einen sehr sympathischen Eindruck. Triple-O oder OM-Gitarren sind recht angenehm zu spielen, sowohl im Sitzen als auch im Stehen, vor allem für Menschen, die nicht unbedingt Basketballer-Arme haben. Obwohl die Konstruktion und der Look der Sigma sehr traditionell sind (offensichtlich von Martin-Gitarren inspiriert), fällt das flache Halsprofil eher modern aus. Das wird wahrscheinlich vor allem Gitarristen gefallen, die viel mit Barré-Akkorden arbeiten. Für kleine Hände ist dieser Hals ebenfalls gut geeignet. Wer allerdings satte und runde Hälse bevorzugt, wird sich an die Sigma erstmal gewöhnen müssen. Was noch erwähnt werden muss: der Korpus ist hochglanzlackiert, aber die Halsrückseite ist matt gehalten für ein geschmeidiges Spielgefühl. Sehr gut so, würde ich sagen.

Geschmack jetzt mal beiseite. Wenn es um die Bespielbarkeit geht, dann kann man objektiv urteilen, und hier gibt es schon mal eine kleine Enttäuschung: durch einen nicht ganz geraden Halswinkel (nicht zu verwechseln mit der Halskrümmung!) ist die Bespielbarkeit der Gitarre leider suboptimal: in den ersten Bünden ist zwar alles gut, aber je höher man auf dem Griffbrett spielt, umso ungleichmäßig höher wird die Saitenlage. Das ist zwar nicht dramatisch, aber Unplugged-Soli à la Eric Clapton gehen hier definitiv nicht so leicht von der Hand. Das Halswinkel-Problem lässt sich leider nicht ohne aufwendige Gitarrenbauerarbeit beheben – hoffentlich ist dieses Exemplar nur eine Ausnahme. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ungerade Halswinkel bei Westerngitarren schon in allen möglichen Preisklassen feststellen können. Das ist nicht immer ein Zeichen schlechter Fertigungsqualität, sondern eher inadäquater Lagerung bzw. Transportumstände.

Sound

Was die Sigma bei der Bespielbarkeit an Punkten verliert, macht sie im Sound locker wieder wett. Nein, ihr Klang biegt den Halswinkel nicht gerade, aber macht so viel Spaß, dass man die etwas zu hohe Saitenlage einfach vergisst. Man liegt nicht falsch, wenn man denkt, Fingerpicking sei die Stärke einer Triple-O, aber das ist noch lange nicht alles. Die 000M-18 überzeugt auch beim Strumming, oder besser gesagt, vor allem beim Strumming, denn so ein solider Bass und eine respektable Lautstärke erwartet man nicht unbedingt von dieser „kleinen” Gitarre. Egal, ob man mit den Fingern oder mit Plektrum spielt, entfaltet die Sigma einen eher altmodischen (im besten Sinne), Blues-angehauchten Sound. Man hat genug Bass und Höhen – die nötigen Zutaten für einen lautes, dennoch ausgewogenes Klangbild – und dazu sehr charmante, kernige Mitten – das besondere Etwas, was den Spieler unterbewusst in kurzer Zeit mit dem Instrument verbindet.

Klar, mit einer Martin 000 kann die Sigma auch beim besten Willen nicht mithalten. Amerikanische Triple-O-Gitarren können i.d.R. sogar noch mehr Lautstärke und vor allem Dynamik abliefern. Gegen eine Martin würde die Sigma ein wenig schwach und „zweidimensional“ wirken, aber irgendwas muss letztendlich den enormen Preisunterschied rechtfertigen. Ich darf unser Anfangsdilemma nicht vergessen: klingt die Sigma wie eine Martin? Jein… also genauer gesagt: nein, die Klangqualitäten sind nicht wirklich vergleichbar, aber die Klangfarben doch relativ ähnlich. Und das ist höchstwahrscheinlich nicht nur auf die gemeinsame Korpusgröße zurückzuführen, hier wurde tatsächlich das Vorbild sehr ernst genommen. Die Münchner schaffen es mit dieser Gitarre amerikanische Gitarrentradition, deutsche Planung und chinesische Produktion erfolgreich unter einen Hut zu bringen.

Verarbeitung

Bei dieser Kategorie gibt es weitere Plus-Punkte, denn die Sigma ist in jeder Hinsicht super verarbeitet. Die Bundierung ist makellos, Sattel und Steg ebenfalls. Und da eine Gitarre nicht bloß die Summe ihrer Bauteile ist, muss ich unbedingt hinzufügen: die 000M-18 sieht einfach hochwertig aus.

Fazit

Wäre sie etwas besser bespielbar – was bei anderen Exemplaren dieser Reihe durchaus der Fall sein kann – dann wäre diese Sigma in ihrer Preisklasse wahrscheinlich der Gruppensieger. Eine Auszeichnung bekommt sie schon mal für ihr Vintage-Flair.