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Guitar Talk mit Oliver Baron

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Guitar Talk mit Oliver Baron

Mihai Curteanu

Oliver, seit wann arbeitest du als Gitarrenbauer?

Oliver: Ich bin jetzt im 12. Geschäftsjahr, aber bin natürlich ein paar Jahre vorher reingerutscht. Also insgesamt über zwölf Jahre lang baue ich Gitarren.

Oliver Baron - Gitarrenbauer und Gründer von Helliver Guitars (Münster)

Erzähle uns bitte etwas über deine Philosophie bezüglich Gitarrenbau. Was macht für dich z.B. eine gute E-Gitarre aus?

Oliver: Ohne jetzt lange darüber nachzudenken, würde ich sagen: sie muss das, was der Käufer damit machen will, bestmöglich bedienen. Das ist natürlich abhängig von dem, was man sich leisten kann, und wie anspruchsvoll oder pingelig man in bestimmten Bereichen ist. Es gibt Leute, die mit einer Gitarre kämpfen wollen. Es gibt Leute, die niemals mehr als 300€ für eine Gitarre ausgeben möchten. Wenn das die Ansprüche sind, dann spricht ja nichts dagegen, sich eine Gitarre zu kaufen, die genau diese erfüllt, auch wenn ich sie persönlich nie spielen wollen würde. Es ist also eine extrem persönliche Sache, wo es absolute Werte kaum gibt.

Wenn ich versuche, auf einer Gitarre etwas zu spielen oder etwas damit zu machen, was nicht geht, dann ist das für mich – oder für denjenigen, der sie spielt – keine gute Gitarre. Da hat aber Jack White ganz andere Vorstellungen als Joe Bonamassa oder John Scofield. Es ist etwas ganz Individuelles. Das Instrument soll das abliefern, was der Gitarrist braucht und was er heraushören will. Es muss also das bestmögliche Werkzeug für den Musiker sein, was immer er sich davon erhofft.

Es gibt zur Zeit in Deutschland recht viele „Boutique”-Gitarrenmarken und ausgezeichnete Gitarrenbauer. Warum entscheiden sich deine Kunden für Helliver?

Oliver: Hmm... das ist eine gute Frage, die ich mir auch oft stelle. Ich denke, wenn einem etwas von der Stange nicht reicht und man sich in diesem „Boutique”-Lager umsieht, dann hat das schon mal einen Grund, eine Vorgeschichte sozusagen. Zu welchem Hersteller man dann geht, ist sehr subjektiv. Es passiert, glaube ich, wenn es einfach klickt und du denkst, von der Ästhetik, vom Spielgefühl und Klang her, von der Philosophie her ist das genau, was du toll findest. Das ist oft gar nicht anhand von Fakten festzumachen. Man kann tatsächlich sehen, dass bei jedem meiner Kollegen, und bei mir auch natürlich, die Gitarren eine gewisse Ästhetik und ein gewisses Feel haben. Und so ein bisschen ihren Ton haben. Es müssen keine riesigen Unterschiede sein, aber die eine findet man immer toll, die andere nicht.

Haben deine Gitarren also spezielle Eigenschaften, oder ist es einfach die Summe aller Details, die sie ausmachen?

Oliver: Es ist natürlich die Summe, aber ein paar Sachen kann man trotzdem auflisten, die daran besonders sind. Meine Gitarren lehnen sich zwar an die Mahagoni-Leimhals-Richtung, sind allerdings im Ton aufgeräumter, dynamischer, mit einer schnelleren Ansprache, und musikalisch flexibler einsetzbar.

Es passiert hin und wieder, dass jemand, der keinen Einblick in diese Szene hat oder meine Gitarren gar nicht kennt, hierhin kommt und sagt: „Das ist ja interessant, was du alles selber baust, die können mit einer Gibson bestimmt locker mithalten…“. Dazu denke und sage ich immer: wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass meine Gitarren solche Instrumente von der Stange deutlich hinter sich lassen, dann wäre ich nicht hier. Dann würde meine Arbeit auch keinen Sinn machen.

Wieviele Gitarren baust du im Jahr und wie lange sind die Lieferzeiten? Arbeitest du immer alleine?

Oliver: Ja, ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen und das wird auch so bleiben. Ich baue zwischen 15 und 20 Gitarren im Jahr und die Lieferzeit beträgt mittlerweile 12 Monate.

Wenn du nur 5 Faktoren nennen dürftest, die den Sound einer E-Gitarre definieren bzw. beeinflussen, welche wären diese?

Oliver: Ohne auf Reihenfolge zu achten: Gewicht, Mensur, die Brücke, Tonabnehmer und ... die Farbe! [lacht]... Nein, natürlich nicht, ich würde noch sagen, das Holz bzw. die Struktur und Dichte des Holzes, und die Art und Weise, wie die Hölzer schwingen. Also das, was das Holz über Gewicht hinaus für Eigenschaften hat.

Würdest du das Holz also auf den fünften Platz setzen?

Oliver: Da das Gewicht durch die Holzart und -dichte bestimmt wird, ist so gesehen das Holz ganz weit vorne, aber die Holzeigenschaften außer Gewicht - also wie die Zellen aufgebaut sind, wieviel Luft im Holz drin ist, ob langfaserig oder kurzfaserig und, und, und... – das alles würde ich tatsächlich auf den fünften Platz tun.

Ok, das beantwortet fast schon meine nächste Frage. Viele behaupten ja, Holz sei alles, manche wiederum, dass es bei E-Gitarren kaum einen Unterschied macht...

Oliver: Holz ist wirklich extrem wichtig, aber eben durch sein Gewicht. Zum Beispiel: zwischen einem leichten, offenporigen Stück Ebenholz und einem sehr dichten Stück Palisander, das gleich viel wiegt, ist der Klangunterschied nur minimal. Das meine ich. Gewicht ist beim Holz ganz weit vorne. Je leichter die Gitarre ist, umso offener wird sie. Je schwerer sie ist, umso tendenziell „härter“ klingt sie, und umso schwerer wird sie in Schwingung versetzt. Die anderen Holzeigenschaften können das verstärken oder eben in die andere Richtung arbeiten, deshalb ist es eben nicht egal, welches Griffbrett man wählt. Trotzdem sind die vier anderen Faktoren noch etwas maßgeblicher.

Würdest du auf entsprechende Anfrage z.B. eine originalgetreue Telecaster- oder Les Paul-Kopie bauen?

Oliver: Nein, auf keinen Fall!

Wieviel macht die Handarbeit bei einer E-Gitarre im Klang bzw. in der Qualität aus?

Oliver: In jeder Gitarre, egal wie billig oder maschinell sie hergestellt ist, steckt noch sehr viel Handarbeit. Es gibt Dinge, die sich kaum automatisieren lassen, wie z.B. die Bundierung. Eine Menge Schleifarbeit lässt sich auch nicht vermeiden. Handarbeit an sich ist allerdings kein reeler Mehrwert. Ob ich eine Deckenwölbung mit der Hand ausarbeite oder per CNC fräsen lasse, spielt eigentlich keine Rolle, wenn beides mit der nötigen Sorgfalt geschieht. Auch wenn in der vielleicht etwas romantisierten Vorstellung vieler Kunden die Gitarre durch reine Handarbeit magischer oder besser wird. Ich finde es selbst schön, so zu arbeiten, aber der wahre Mehrwert liegt in der Zeit, die ich mir lasse, der Sorgfalt beim Aussuchen und Umgang mit den Materialien, in der Mühe, die ich mir gebe, und ganz klar in der ständigen Rücksprache mit dem Kunden. Ich habe ein eher wissenschaftliches Weltbild, wo Voodoo und solche Dinge nicht so viel Platz haben. Und mir ist wichtig, dass die Mehrwerte meiner Arbeit gegenüber Fließband-Produkten auch klar und messbar sind.

Wäre es übertrieben zu behaupten, dass es zwischen einer Epiphone und einer Gibson Custom Shop keinen großen Unterschied gibt, was Handarbeit betrifft?

Oliver: Nein, gar nicht. Meine feste Überzeugung ist, dass zwischen einer Epiphone für 200€ und einer Gibson Custom Shop nur ein ganz unwesentlicher Unterschied in der Handarbeit besteht. Teilweise ist es sogar so, dass sehr günstige Instrumente noch mehr Handarbeit brauchen, weil die Fabriken nicht so modern ausgestattet sind. Natürlich haben die Instrumente aus dem Gibson Custom Shop eine durchweg bessere Qualität als eine günstige Epiphone, aber das liegt nicht daran, dass da mehr Leute mit der Hand herumschrauben, sondern an dem Geld, das zur Verfügung steht, um eine ordentliche Basis dafür zu schaffen, Gitarren zu bauen.


7 Ja-oder-Nein Fragen

Klingt eine Nitro- besser als eine Polyurethan-Lackierung?
Oliver: Nein.

Klingt eine Gitarre durch jahrelanges Spielen besser?
Oliver: Nein.

Klingen Vintage-Gitarren besser als moderne Instrumente?
Oliver: Nein.

Klingt ein dicker Hals besser als ein normaler?
Oliver: Nein.

Bringt eine Set-Neck- mehr Sustain als eine Bolt-On-Bauweise?
Oliver: Nein.

Mehr Holz = mehr Ton?
Oliver: Nein.

Klingen dicke Saiten besser?
Oliver: Nein.