Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

Staigerstr. 7
70499 Stuttgart
Germany

+49 172 6937722

Gitarrenunterricht und Ukulele-Unterricht in Stuttgart | Kurse, Workshops und Events für Anfänger und Fortgeschrittene | Lernen Sie Gitarre, Bass oder Ukulele!

Nik Huber Krautster II

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Nik Huber Krautster II

Mihai Curteanu

Braucht die Welt wirklich noch mehr Gitarren? Der Gitarrist in uns würde bestimmt ja sagen. Aber Berufsmusiker, Session-Gitarristen und sogar die meisten erfahrenen Hobby-Player scheinen nach wie vor am Ende des Tages zu einer Strat, Tele, Les Paul oder Semi-Hollow zu greifen. Und dann gibt es noch PRS, Music Man und weitere Traditionsmarken, sodass ich bei neuen Gitarrenmodellen inzwischen oft denke: dadurch werden wahrscheinlich keine Musikerbedürfnisse befriedigt, sondern eine bestehende Marktlücke bedient oder eine gewisse Nachfrage gestillt. Wir versuchen also in diesem Review herauszufinden, ob die Krautster ihre Daseinsberechtigung in der Musikerwelt hat und was ihr Konzept so besonders macht.

Ausstattung

Was für manche Leute eher schlicht oder sogar etwas kalt aussieht, ist eigentlich eine handgemachte High-End-Gitarre aus Deutschland. Über Nik Huber hört man in den letzten Jahren immer mehr, und immer nur Gutes. Die Krautster ist trotz ihres Preises das Einsteiger-Modell, ein edles Arbeitstier sozusagen.

Man erkennt zwar sofort die Les Paul-Silhouette, aber trotz ähnlicher Merkmale (Single-Cut Design, Mahagoni-Korpus, Set-Neck Bauweise mit angewinkeltem Neck-Joint, angewinkelte Kopfplatte etc.) ist es mir einfach unmöglich, diese Gitarre als Gibson-Kopie zu bezeichnen. Die Stärke der Krautster liegt im Detail, und manche Details sind wirklich ganz besonders: 25 Inch-Mensur (wie bei den meisten PRS-Gitarren), kompensierte Wrap-Around-Bridge, splitbarer Humbucker am Steg, P90-Tonabnehmer in der Halsposition, Ahornhals mit Satinfinish, und die Liste geht weiter. Beim Begutachten war ich wirklich fast an jeder Stelle der Gitarre positiv überrascht: hier scheint alles sowohl optisch als auch funktionell völlig durchdacht zu sein.

Handling & Bespielbarkeit

Es dauert nicht lange, als ich diese Gitarre in der Hand habe, und ich denke: „Ich muss so eine irgendwann auch haben”. Alleine, weil der Hals so angenehm meine Hand ausfüllt und die Gitarre so leicht und ausbalanciert auf dem Schoß liegt. Schwer zu glauben, dass man es hier tatsächlich mit einem richtigen „Baseball-Bat” zu tun hat: wieder ein Beweis dafür, dass hinter der Krautster ein reifes Konzept steckt. Der Hals ist im Umfang vergleichbar mit dem einer Gibson ’59 Reissue, fühlt sich allerdings beim Spielen nicht so riesig an, denn eine ganz leichte, kaum wahrnehmbare V-Form ergänzt wunderbar das runde, nicht zu breite Profil. Die ganze Gitarre macht bisher einen starken Eindruck, und für mich ist der Hals ein echtes Highlight.

Apropos Balance: am Gurt ist sowieso alles kein Problem, aber die Nik Huber ist auch im Sitzen erstaunlich angenehm zu spielen. Das hätte ich angesichts der Les-Paul-Ähnlichkeit nicht erwartet.  Es gibt keine gewölbte Decke, dafür aber einen „Belly-Cut“ auf der Rückseite des Korpus. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, ist der etwas seltsame, eckige Halsfuß. Ja, das sieht schick aus, fast als würde er aus einer Skulptur stammen, aber man spürt es manchmal beim Spielen in den hohen Lagen, und das macht es nicht leichter. Ich glaube, an dieser Stelle hat die Optik ausnahmsweise Vorrang vor der Funktionalität gehabt.

Über die Bespielbarkeit gibt es nur Positives zu berichten: super sauber abgerichtete, eher tiefe Medium-Jumbo-Bünde, sehr schönes Palisander-Griffbrett mit Compound-Radius (10”-14”), Knochensattel (perfekt gekerbt und angepasst) – das Spielgefühl ist in allen Lagen wunderbar. Besser geht es wirklich nicht. Die einteilige Bridge ist zwar unschlagbar praktisch und geschmeidig unter der Hand, aber sowas mag man oder eben nicht. Diese Gitarre hat z.B. mit der Werkseinstellung und den originalen 10er-Saiten eine hörbar unsaubere Intonation. Das lässt sich sicher schnell beheben, aber je nachdem, was man für ein Setup braucht, kann man mit einer solchen Bridge entweder schnell glücklich oder dauerhaft frustriert werden. Das ist ein bei einem eventuellen Kauf eine Überlegung wert.

Sound

Hier spare ich mir die langen Beschreibungen. Wir haben zwei Häussel-Pickups an Bord, die scheinbar einen einzigen Zweck haben: Rock-Musik zu produzieren. Der Steg-Humbucker ist ziemlich heiß, aber nicht übertrieben. Er bringt den Amp schnell zum Kochen und bleibt dabei stets rund und musikalisch, sodass die Krautster im Drive-Kanal einen massiven Rhythmus-Sound herauspumpt.

Als „Special Guest” erwarten wir noch einen P90-Pickup. Als ich diesen zunächst clean höre, bin ich fast ein wenig enttäuscht – dieser P90 scheint mir ein wenig kalt und nicht so voll im Klang, wie ich es von den meisten Soapbar-Pickups kenne. Der höhenlastige Häussel-P90 hat aber auch klare Vorteile: zusammen mit dem Steg-Pickup, der übrigens über den Tone-Poti gesplittet werden kann, ergeben sich überraschend glockige Clean-Sounds. Mit Overdrive kann man über den Hals-Tonabnehmer fette, überhaupt nicht matschige Rhythmen erzeugen, aber auch singende und durchsetzungsfähige Lead-Sounds. Diese Gitarre hat eine wirklich eigene Persönlichkeit und löscht langsam auch bei mir alle Vorurteile: sie ist eben kein Les-Paul-Klon, sondern eine moderne Rock’n’Roll-Maschine.

Verarbeitung

Wer bis hierher gelesen hat, ahnt schon, dass ich bei der Qualität dieser Gitarre nichts Nennenswertes zu bemängeln finden kann. Nicht ganz meinen Geschmack trifft lediglich die „aged”-Hardware, vor allem, weil die Bolzen der Brücke dadurch recht schwergängig sind. Diese Option würde ich z.B. bei einer Bestellung nicht wählen, aber das ist letztendlich reine Geschmackssache. Diese Nik Huber ist nicht billig, aber eine solch feine Gitarre hat ihren Preis auch verdient.

Fazit

Braucht also die heutige Gitarrenwelt die Nik Huber Krautster II? Wahrscheinlich nicht. Ich muss allerdings gestehen: am Ende dieses Tests kommt mir diese Frage nicht mehr so relevant vor. Wir reden hier schließlich über ein exklusives Produkt mit angemessenem Preis. Übrigens: der Markt dafür scheint immer größer zu werden. Ob die Krautster ein teures Arbeitsgerät für erfahrene Musiker oder doch eher eine Boutique-Gitarre für Sammler ist, mag ebenfalls unwichtig sein. Sie ist ein durchaus gelungenes und wunderbar klingendes Musikinstrument… and nothing else matters! Außerdem hat die Krautster – zumindest hierzulande – das Zeug zum modernen Klassiker!