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Maxon OD808 Overdrive

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Maxon OD808 Overdrive

Mihai Curteanu

Ich stehe mal wieder vor einer schweren Aufgabe: ich muss den Maxon OD808 reviewen, und in einem solchen Testbericht darf ein Vergleich mit ähnlichen Effektgeräten nicht fehlen. Doch genau das ist mein Problem: der Maxon OD808 ist ein Overdrive-Effekt aus der sogennanten „Tubescreamer”-Kategorie, und Tubescreamer-Klone gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Noch schlimmer: auch Originale gibt es nicht wenige.

Ein wenig Geschichte

Die Tubescreamer-Story beginnt Ende der 70er Jahre, als Ibanez den legendären TS808 Overdrive auf den Markt bringt. Über die nächsten Jahre und Jahrzehnte kamen zahlreiche Ibanez TS808-Variationen sowie einige mehr oder weniger erfolgreiche Nachfolger wie der TS9, STL, ST-9, TS10, TS5 oder der TS7. Manche Original-Tubescreamer, vor allem die TS808 und TS9 aus den 70ern und 80ern, werden heute für wahnsinnig viel Geld gehandelt. Um die Sehnsucht nach den grünen Vintage-Kästchen zu stillen, bietet Ibanez sogenannte Reissues an, also Repliken der eigenen, alten Produkte. Jeder Gitarrist kann heute ein Ibanez TS808, TS9 oder TS9DX erwerben und einen authentischen Tubescreamer-Sound genießen.

Soviel zu den Originalen. Oder gibt es noch was zu sagen? Wenn man sich im Netz nach einem solchen Overdrive umschaut, wird man sicherlich ein Produkt nicht übersehen können, das auch den ursprünglichen Tubescreamer-Sound verspricht: der Maxon OD808.

Maxon OD808: Original oder Kopie?

Ist der Maxon ein Tubescreamer-Imitat? Ja und Nein. Ja, weil letztendlich auf den Originalen „Ibanez“ steht. Nein, weil gerade die alten Tubescreamer eigentlich von der japanischen Firma Maxon im Auftrag von Ibanez hergestellt wurden. Außerdem munkelt man, dass die Schaltungen und Bauteile des Maxon OD808 und des fast doppelt so teuren Ibanez TS808 Reissue fast identisch seien. Jeder darf also seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen, aber für mich ist die Sache klar: der Maxon OD808 gehört zu der Familie der Original-Tubescreamer. Angesichts seines günstigen Preises dürfte er sogar zu einer Standard-Referenz in dieser Klasse werden.

Und endlich kommen wir zum Gerät selbst. Der OD808 macht sowohl beim Auspacken als auch im Einsatz einen hochwertigen Eindruck: Potis, Buchsen und Schalter wirken robust und arbeiten tadellos. Das Batteriefach ist ebenfalls sehr durchdacht und die Lackierung des Gehäuses makellos. Nichts wackelt und nichts rappelt. Super, also ran an die Gitarre!

Überflüssig, wie es sein mag, werde ich die Funktionsweise dieses Overdrives trotzdem kurz erklären. Der Zweck eines Tubescreamers ist es, den Amp etwas mehr in die Sättigung zu bringen, ohne seinen Sound deutlich zu verändern. Er simuliert also u.a. eine aufgedrehte Röhrenendstufe, aber ohne die hohe Lautstärke. Außerdem kann er – ähnlich wie ein Distortion- oder Fuzz-Effekt – einem Amp mehr Zerre entlocken. Der entscheidende Unterschied ist, dass ein Overdrive i.d.R. neutraler, natürlicher und weicher klingt. Er fügt dem vorhandenen Amp sozusagen keine fremde Distortion hinzu, sondern pusht lediglich den Sound auf eine sehr musikalische Art nach vorne.

Was kann der OD808?

Es gibt ein paar typische Overdrive-Anwendungen, die der Maxon als erstes absolvieren muss. Ich stelle also zunächst meinen Amp völlig clean ein und den OD808 mit Drive auf Null und Balance (also Lautstärke) über 12 Uhr. Der Tone-Regler darf auf 12 Uhr bleiben. Somit hätte ich sozusagen einen Clean-Booster, doch ganz clean bleibt mein Ton nicht. Sobald der Tubescreamer eingeschaltet wird, bekomme ich einen Clean-Sound, der bei härterem Anschlag einen feinen, Röhren-ähnlichen „Break-Up“ aufweist. Dieser Sound erinnert nicht ganz zufällig an Stevie Ray Vaughan und macht sofort süchtig. Der Bass wird ein wenig schlanker, die Mitten präsenter und der Attack überrascht ständig mit wunderbaren „Clicks” und „Plops”, so dass man einfach lauter und dynamischer spielen möchte. Wenn man einen Clean-Booster sucht, der den Ton überhaupt nicht anzerrt, dann wird man hier wahrscheinlich nicht fündig. Wer allerdings auf Texas-Blues steht, kann mit dem Maxon glücklich werden.

Wir sind immer noch im Clean-Kanal und drehen etwas mehr Drive vom Tubescreamer auf. Das klingt je nach Amp vor allem ab 12 Uhr nicht mehr so überzeugend. Wenn der Amp sehr clean ist und viel Headroom hat, dann kann zu viel Overdrive ein wenig dünn und „fuzzy” klingen. Für den Clean-Kanal empfehlen sich also Settings mit Drive unter 12 Uhr und Lautstärke nach Bedarf.

Zweite wichtige Prüfung für den OD808: der Einsatz als Solo-Booster im Drive-Kanal. Das ist bekannterweise eine Tubescreamer-Spezialität, und der Maxon punktet bei diesem Kapitel voll und ganz. Sobald er sich an eine vorhandene Amp-Zerre „anhängen” kann, produziert er das weiche, „cremige” Overdrive, das man von solchen Geräten kennt und liebt. Wer gerne Humbucker-Gitarren spielt und einen Sound à la Gary Moore oder Joe Bonamassa anstrebt, ist mit dem Maxon bestens bedient. Sogar Heavy-Metal Sounds können von diesem Overdrive profitieren, und das sowohl im Riffing- als auch Solo-Bereich. Vor dem Drive-Kanal scheint der OD808 immer gut zu klingen, egal, wie man Gain und Balance einstellt. Der Tone-Regler funktioniert auch sehr effektiv, um dem Sound je nach Spielsituation mehr Wärme oder mehr Biss zu verleihen.

Manchen Tubescreamer-Repliken (und sogar Originalen) werden zwei Dinge vorgeworfen: sie reduzieren oft den Bass zu stark oder heben die Mitten so sehr hervor, dass der Ton etwas „nasal“ wird. Diese Kritik trifft auf den Maxon OD808 jedoch nicht zu. Das Gerät klingt zwar nie Bass-lastig (was eigentlich von Vorteil ist) und bringt die Mitten definitiv nach vorne, aber nur soweit, dass es immer ausgewogen klingt. Wenn ich ehrlich bin, gehört der OD808 für mich zu den am neutralsten klingenden Tubescreamers überhaupt. Er verfälscht den Sound des Amps nicht, sondern gibt dem Spieler einfach mehr davon. Und zwar genau das, was der Amp alleine nicht schafft.