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Martin D-16 RGT

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Martin D-16 RGT

Mihai Curteanu

Zugegeben: dieses Review kommt ein bisschen spät, denn dieses Modell ist schon lange auf dem Markt. Doch sei es bei Martin oder bei Gibson, es tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf: „Was ist Micarta?” und „Taugt ein Griffbrett aus Richlite etwas?“. Manche Gitarristen überspringen die Recherche und postulieren stolz: „Ich will doch kein billiges Griffbrett aus Plastik auf meiner Gitarre haben!”. Oder ewig unflexibel: „Eine Gitarre muss aus Holz sein!”...

Ihr merkt schon, es geht hier direkt zur Sache, und dabei muss ich von vorneherein manche Leute beruhigen und manchen wohl widersprechen: Ja, Micarta und Richlite sind Kunststoffe, aber sie haben mit herkömmlichem Plastik nicht viel gemeinsam. Und selbst wenn das so wäre, müsste das nicht sofort etwas Negatives sein. Schließlich haben wir es bei einer Akustikgitarre auch mit jeder Menge Lack zu tun, und das ist tatsächlich Kunststoff. Doch weder Lackierung noch Plastik-Bindings oder Kunststoff-Sättel, Stege, Bridge-Pins usw. sind automatisch Tonbremsen. Dennoch haben das Griffbrett und der Steg natürlich einen klaren, wenn auch nicht unbedingt entscheidenden Einfluss auf den Sound einer Gitarre, und deshalb muss zu diesem Punkt noch einiges gesagt werden.

Ausstattung

Lasst uns aber erstmal schauen, was diese Gitarre sonst zu bieten hat: eine massive Decke aus Sitka-Fichte, einen Korpus aus massivem Palisander, einen Hals aus „Select Hardwood” mit Richlite-Griffbrett und einen Richlite-Steg. Mit kleinen Abstrichen bietet die Martin D-16RGT also eine vollmassive Bauweise, doch es gibt hier wohl Erklärungsbedarf.

Da amerikanisches Mahagoni immer rarer und teurer wird, entschied sich Martin vor einigen Jahren, die Hälse vieler preiswerter Gitarren aus Alternativhölzern zu bauen, die wohl unter den Allgemeinbegriff „Select Hardwood” fallen. Höchstwahrscheinlich haben wir es hier mit spanischer Zeder (Cedro) zu tun. Dieses Holz ist im traditionellen Gitarrenbau sehr beliebt und eignet sich hervorragend für die Halskonstruktion. Warum Martin daraus ein Geheimnis machen muss, verstehe ich nicht wirklich. Ich kann nur spekulieren, dass das mal wieder Marketing-Gründe hat, und man versucht die Veränderungen des Martin-Originalrezepts mit Mahagoni-Hals ein wenig zu verdecken. Gitarristen mögen nämlich keine Veränderungen.

Was ist nun aber Black Richlite? Richlite ist eine Weiterentwicklung des schon vor über einem Jahrhundert erfundenen Kunststoffes Micarta. Grob beschrieben ist Richlite eine Mischung aus Recycling-Papier und Harzen, die so verarbeitet werden, dass ein extrem hartes Material mit Holz-ähnlichen Eigenschaften entsteht. Auch rein optisch ist es sogar für ein erfahrenes Auge nicht einfach, Richlite und Ebenholz voneinander zu unterscheiden. Dieser Kunststoff ist außerdem umweltfreundlich und viel weniger empfindlich gegenüber Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen als Echtholz.

Ansonsten verwöhnt uns die Martin D-16RGT mit viel Schnick-Schnack wie Korpus- und Hals-Binding, Herringbone-Rosette, Perlmutt-Inlays und schöner Kopfplatte mit Palisander-Furnier und goldenem Logo. Die Decke ist hochglanzlackiert, während der Boden, die Zargen und der Hals matt gehalten sind.

Handling und Bespielbarkeit

Es gibt offensichtlich kein besseres Beispiel, um das Feel und Handling einer Dreadnought zu beschreiben, als eine Martin. Seit 1931, als die ersten Martin Dreadnoughts auf den Markt kamen, ist diese Bauweise der absolute Standard bei Western-Gitarren. Die D-16RGT weist trotz traditioneller Konstruktion ein zeitgemäßes Handling auf: der Hals ist eher schlank und der Übergang zum Korpus befindet sich am 14. Bund. Besonders angenehm finde ich die matte Halsrückseite, die auch nach langer Spielzeit oder bei schwitzigen Händen nicht „klebrig” wird.

Etwas überrascht war ich festzustellen, dass dieses Instrument bestens bespielbar ist. Warum überrascht? Nun, weil mir bei allererster Begutachtung der Gitarre auffiel, dass der Halswinkel dieses Exemplars nicht optimal ist. Leider ist eine leichte S-Krümmung vorhanden, und diese lässt sich durch Justierung des Halsstabs nicht beheben. Ein solches Symptom ist bei älteren Gitarren relativ normal. Allein wegen des enormen Zuges der Stahlsaiten bleibt ein Western-Gitarrenhals über die Jahre hinweg selten kerzengerade. Bei einer nagelneuen Gitarre darf man das trotzdem erwarten, also bekommt diese Martin hier schon mal Punkte abgezogen.

Wie gesagt, diesmal haben wir Glück, denn man spürt das Problem beim Spielen so gut wie gar nicht. Die Saitenlage ist für eine Westerngitarre so tief, wie es nur geht, aber Saitenscheppern ist nicht vorhanden. Erst zwischen dem 12. und 15. Bund werden die Töne etwas „metallisch“, was unter diesen Umständen tatsächlich an der leicht ungünstigen Halskrümmung liegen könnte, aber es ist weit entfernt von störend. Ach ja: das Richlite-Griffbrett fühlt sich wunderbar unter den Fingerkuppen an und ich kann ehrlich behaupten, dass ich keinerlei Unterschied zum Ebenholz feststellen kann – zumindest was die Haptik betrifft.

Sound

Ich bin wahrscheinlich mal wieder ein bisschen zu ehrlich: der Sound haut mich nach den ersten Akkorden nicht um. Die D-16RGT ist beim ersten Hören weder enttäuschend noch beeindruckend. Doch der Martin-Klang tut sein Übriges und macht schnell süchtig. Man möchte einfach gerne weiter spielen. Nach einem wohlverdienten Saitenwechsel wacht die D-16 erst richtig auf: der Bass ist da, die Lautstärke ebenfalls, und an Dynamik mangelt es auch nicht. Es besteht kein Zweifel, dass man es mit einer echten Martin zu tun hat, deren Sound auf tausenden von Platten zu hören ist. Man braucht nur kurz „Heart Of Gold” zu strummen, und schon merkt man, worum es hier geht. Martin-Gitarren sind jedoch nicht nur deshalb so begehrt, weil Neil Young, Elvis Presley, Bob Dylan oder Johnny Cash sie benutzt haben, sondern umgekehrt: unzählige Gitarristen, berühmt und nicht berühmt, schätzen diese Gitarren für ihren inspirierenden Sound und ihre hohe Praxistauglichkeit.

Wenn man sich die Spezifikationen der D-16RGT anschaut, dann fragt man sich zurecht: wo liegt der Unterschied zwischen diesem Modell und einer Martin D-28, die zur Zeit satte 700€ teurer ist? Ist die D-16RGT etwa eine „günstigere” D-28? Ja und Nein. Ja, weil die Unterschiede im Handling praktisch unerheblich sind, und klanglich sind die beiden Gitarren sehr ähnlich. Nein, weil gerade in puncto Klang Details oft eine wichtige Rolle spielen. Ganz pragmatisch betrachtet bietet eine Martin D-28 gegenüber der D-16RGT im Großen und Ganzen zwei neue Zutaten: Ebenholz anstatt Richlite und ein anderes Bracing-Pattern – ob sie dadurch besser klingt, ist reine Ansichtssache. Meinem Empfinden nach ist die D-16RGT etwas prägnanter in den Mitten und gleichzeitig höhenreicher. Die D-28 klingt dafür voller, ausgewogener und komplexer.

In typischer Martin Dreadnought-Manier fühlt sich die D-16 umso wohler, je lauter man spielt. Fingerpicking geht zwar auch, ist aber nicht unbedingt ihr Ding – Strumming und Flatpicking schon eher. Trotz all ihrer Tugenden habe ich ständig das Gefühl, dass diese Gitarre eigentlich noch besser klingen könnte. Es ist wohl Meckern auf sehr hohem Niveau, was ich hier tue, aber wenn ich eine kurze und schmerzlose Beschreibung des Klanges abgeben müsste, dann würde ich sagen: die D-16RGT klingt wunderbar, aber ein wenig einseitig. Womöglich wird sich das ändern, wenn die Gitarre eingespielt ist bzw. ein paar Jahre älter wird.

Verarbeitung

Lange Rede, kurzer Sinn: bis auf den suboptimalen Halswinkel ist diese Martin in jeder Hinsicht sehr gut verarbeitet. Und selbst der Halswinkel ist an sich kein Verarbeitungsdefekt, sondern eher auf nicht ausreichend ausgetrocknetes Holz und/oder ungeeignete Lagerung zurückzuführen. So oder so ist die Gitarre dadurch leider nicht einwandfrei. Natürlich wird es Leute geben, die sich mit der Verwendung von Richlite in dieser Preisklasse nicht abfinden können. Ich persönlich finde keinen Grund, das Preis-Leistungsverhältnis der D-16RGT als unrealistisch einzustufen. Klar, es gibt Hersteller, die sogar für weniger Geld Ebenholz verbauen, oder Knochen-Sättel oder schönere Bridge-Pins. Aber eine Gitarre ist mehr als ein paar Specs auf Papier, und wenn man diese Martin hört und spielt, dann weiß man, wofür man ihren Preis bezahlt hat.

Fazit

Diesen Ratschlag kann ich nicht oft genug wiederholen: beim Kauf einer Akustikgitarre ist höchste Aufmerksamkeit bei der Halskrümmung und dem Halswinkel (das sind zwei unterschiedliche Sachen!) geboten. Soviel zur Moral dieses Testberichtes. Ansonsten fasse ich zusammen: die D-16RGT ist weder perfekt verarbeitet noch der beste Deal in ihrer Preisklasse, aber sie ist eine Martin und klingt zweifellos wie eine Martin. Wer ein Schnäppchen sucht, muss wohl nach einer Kopie schauen.