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Ibanez AC240-OPN

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Ibanez AC240-OPN

Mihai Curteanu

Gitarristen denken gerne in Metaphern und Hyperbeln: Gitarren unterscheiden sich „wie Tag und Nacht”, die eine „pustet“ die andere weg, und den teuersten Custom Shop Instrumenten können sowieso keine anderen „das Wasser reichen“. Doch die Realität ist manchmal ernüchternd, wenn man die Augen und Ohren weit genug aufmacht. Vergleiche ich beispielsweise die günstige Ibanez AC240-OPN mit meiner etwa zehn mal so teuren Taylor Grand Symphony, so höre ich definitiv keine riesigen Unterschiede bezüglich ihrer Sound-Qualität, sondern einfach zwei gute Gitarren, die offensichtlich verschieden klingen. Dass mir meine Taylor deutlich besser gefällt, ist wieder wahr, aber für das zehnfache an Geld (umgerechnet 900% Aufpreis) bekommt man hier insgesamt vielleicht 50% mehr Gitarre im Vergleich zu der Ibanez.

Nun tue ich mit diesem Beispiel nichts anderes, als etwas festzustellen, das viele schon wissen: in der Gitarrenwelt muss man für relativ geringe Verbesserungen meistens recht hohe Summen bezahlen. Damit kann man schließlich auch leben, solange man realistische Erwartungen an die eigene Investition hat. Und damit man sich nicht verschätzt, empfehle ich jedem, ab und zu mal eine günstige mit einer teuren Gitarre zu vergleichen. Die Ibanez AC240 ist ein perfektes Beispiel dafür, wie gut manche preiswerte Gitarren inzwischen geworden sind.

Ausstattung

Die AC240-OPN (Open Pore Natural) ist eine erfrischend schicke Western-Gitarre, die laut Ibanez eine Grand Concert Bauform aufweist. Das entspricht meinem Empfinden nach einer Martin OM-Größe, der Korpus hat also sehr ähnliche Maße wie der einer Konzertgitarre. Was hier natürlich sofort auffällt, ist die Mahagoni-Decke. Die ganze Gitarre wird eigentlich aus Mahagoni gebaut und ist teilmassiv: die Decke und der Hals bestehen aus Massivholz, während Zargen und Boden aus Laminat gefertigt wurden. Das Griffbrett und der Steg sind aus schönem, dunklem Palisander, der Sattel und die Stegeinlage aus Knochen – in dieser Preisklasse ein beachtliches Feature – und die Kopfplatte wurde mit zuverlässigen Grover Rotomatic Mechaniken ausgestattet. Wie die Bezeichnung OPN schon vermuten lässt, wird die ganze Gitarre offenporig matt lackiert: sehr angenehm!

Handling und Bespielbarkeit

Das Handling einer solchen Gitarre ist natürlich Geschmackssache: manche Gitarristen werden sich mit dem handlichen, nicht zu tiefen Grand Concert Korpus mit runder Taille sofort wohlfühlen. Andere werden wahrscheinlich die breiten Schultern und den „Bauch” einer Dreadnought ein wenig vermissen. Man kann sich aber so oder so sehr schnell an die Ibanez gewöhnen. Sie macht es einem auch leicht, denn der Hals ist trotz beachtlicher Maße sehr einladend. Mit 45mm-Sattelbreite und einem relativ fetten, runden C-Profil haben wir es hier mit einem für eine Western-Gitarre eher dicken Hals zu tun, der trotzdem gut in der Hand liegt und auch spieltechnisch zu dieser Gitarre passt. Das etwas breitere Griffbrett unterstützt bekanntermaßen Fingerstyle-Techniken, ohne die übliche Akkordarbeit auf irgendeine Weise einzuschränken. Man kann sogar locker mit dem Daumen auf der tiefen E-Saite greifen.

Was bei Gitarren in dieser Preisklasse oft Sorgen bereiten kann, sind die Halskrümmung und der Halswinkel zum Korpus. Im Falle dieses Exemplars bin ich erstmal erleichtert: alles passt, der Hals ist völlig gerade und die Bünde sind sehr gut abgerichtet. Man spürt keine scharfen Bundenden, wenn man mit der Hand an den Griffbrettkanten entlang fährt. Keinen so guten Job haben die Fabrikmitarbeiter beim Knochen-Sattel gemacht: er ist ziemlich kantig und unsauber an das Griffbrett angepasst. Außerdem sind die Kerben teilweise zu tief, was theoretisch einen Mangel darstellt, jedoch in der Praxis je nach Spieler Fluch oder Segen sein kann. Für jemanden, der gerne mal laut mit dem Plektrum spielt, ist das tatsächlich ein Problem, denn die betroffenen offenen Saiten werden bei hartem Anschlag unvermeidlich scheppern. Für einen Anfänger, der z.B. gerade die ersten Barré-Akkorde lernt, oder für Gitarristen, die hauptsächlich Fingerpicking spielen, sorgt der tief gekerbte Sattel für eine extrem leicht bespielbare Saitenlage. Wenn nötig kann man den Sattel beim Gitarrenbauer problemlos austauschen lassen, was angesichts der normalerweise niedrigen Kosten immer noch vertretbar sein dürfte.

Alles in allem lässt sich die Gitarre wirklich mühelos spielen, und das hat neben dem Sattelproblem weitere „gute“ Gründe. Die kurze Mensur (24,9”) erniedrigt den Saitenzug, und das übersetzt sich in ein eher lockeres Spielgefühl. Die recht hohen Frets erleichtern das Legato-Spiel und das ganze Spielerlebnis wird von den ab Werk aufgezogenen D’Addario EXP-Saiten noch mal unterstützt. In puncto Bespielbarkeit (und nicht nur) ist diese Ibanez wirklich ein Gitarrenanfängertraum – was nicht heißen soll, dass sie für erfahrene Gitarristen nicht geeignet sein kann. Ich für meinen Teil kann nur ehrlich behaupten: sie macht echt Spaß!

Sound

Ich fange mit den positiven Aspekten an: mit geschlossenen Augen könnte man wohl meinen, man würde eine Gitarre hören, die das Zwei- oder Dreifache kostet. Der einzige Hinweis, dass sie doch zum unteren Preissegment gehört, ist nichts anderes als der Ibanez-Schriftzug auf der Kopfplatte. Vorausgesetzt, man ist darüber informiert, dass Ibanez keine High-End-Akustikgitarren baut. Das ändert nichts daran, dass es sich in diesem Fall um ein solides, gut klingendes Instrument handelt.

Wir kommen endlich zu der Frage schechthin: wie klingt denn die Ibanez? Nun sind hier zwei Zutaten entscheidend, die der AC240 zudem eine besondere Stimme verleihen: die Mahagoni-Decke und die Grand Concert Korpusform. Wegen der Voll-Mahagoni-Bauweise erwartet man einen eher dunklen, Mitten-betonten Klang. In der Tat hat die Gitarre sehr präsente Mitten, aber durch den kleineren Korpus werden die Höhen wiederhergestellt, sodass das Klangbild überraschende Ausgewogenheit und gesunde Brillanz aufweist. Konstruktionsbedingt ist der Bass nicht besonders stark, und die Wärme einer vollmassiven Gitarre auch nicht vorhanden. Damit muss man aber von vorneherein rechnen.

Ihre größte Stärke zeigt diese Ibanez Steel-String, wenn sie gezupft wird: die Töne springen laut und lebendig aus dem Instrument, die Ansprache ist wunderbar und der Sustain hervorragend. Ganz toll finde ich den mittigen Klang der Mahagoni-Decke, der für fette, singende Einzeltöne sorgt. Auch für akustische Solo-Passagen ist diese Gitarre ein Traum und Blues mag sie ebenfalls sehr gerne.

Ähnlich charmant klingt die Ibanez beim Strumming oder Flatpicking, wobei sie unter hartem Anschlag auch an ihre Grenzen kommt. Die Lautstärke ist zwar in Ordnung, aber der Dynamik-Umfang eher limitiert, d.h. der höchste Pegel ist relativ schnell erreicht und darüber kommt einfach nichts mehr (außer vielleicht Saitenscheppern). Außerdem entwickeln die hohen E- und B-Saiten beim Plektrumspiel recht aufdringliche, „metallische“ Höhen, die so manche Leute sogar ein wenig stören könnten. Für Gitarristen, die gerne ordentlich „reinhauen”, ist die AC240 also höchstwahrscheinlich nicht die richtige Gitarre. Das ist die einzige schlechte Nachricht.

Verarbeitung

Insgesamt hat die Ibanez bezüglich Verarbeitung ein starkes Portfolio: schöne Hölzer, saubere Lackierung, sorgfältige Bundierung und sehr schön ausgeführte Appointments (Bindings, Inlays, Logo, Rosette etc.). Minuspunkte gibt es für den suboptimal bearbeiteten Sattel. Auch die gefährlich scharfkantige Schraube eines Gurtpins fällt negativ auf.

Fazit

Trotz dieser Mängel: das Preis-Leistungsverhältnis dieser Gitarre ist phänomenal! Für einen Gitarrenanfänger, der ein Budget von ca. 300€ zur Verfügung hat, gibt es kaum etwas Vergleichbares auf dem Markt. Wenn man noch ein bisschen Geld für einen eventuellen Gitarrenbauerbesuch einkalkuliert, dann kann die Ibanez AC240 auch für Fortgeschrittene oder sogar erfahrene Gitarristen eine interessante Option werden.