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Guitar Talk mit Henrik Freischlader

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Guitar Talk mit Henrik Freischlader

Mihai Curteanu

Henrik, ich muss dich meinen Lesern wohl nicht mehr vorstellen, also lege ich direkt los mit den Fragen: welche Gitarren hast du für die Show dabei?

Henrik Freischlader - Gitarrist, Sänger, Songwriter und Produzent aus Wuppertal

Henrik: Ich habe diesmal sehr wenige Gitarren auf Tour mitgenommen, nur drei Stück. Einmal diese alte Gibson Firebird von 1965 mit P-90 Tonabnehmern, neu lackiert von Florian Jäger in Oberstdorf mit ganz dünnem Lack – eine sehr schöne, offene Gitarre, die schon ohne Verstärker ziemlich laut ist. Damit spiele ich ein gutes Drittel des Sets. Dann habe ich meine Les Paul dabei, eine 1959 Reissue, auch von Florian Jäger überarbeitet, und dann habe ich eine Monster Relic Stratocaster, also keine alte, sondern eine, die auf alt getrimmt wurde. Die drei reichen mir diesmal.

Warum diese Auswahl?

Henrik: Das hängt mit der Setlist zusammen, die wir für diese Tour ausgewählt haben. Die Les Paul natürlich für die richtig fetten Nummern, da kommt der Humbucker-Sound gut, oder für die Balladen, wo die Gitarre schön singen muss – das geht mit einer Les Paul auch gut. Die Firebird ist eine recht flexible Gitarre, die kannst du auch richtig braten und rockig klingen lassen, aber wenn man die Ton-Potis ein bisschen zurückdreht, dann klingt sie schon ein bisschen Tele- oder ES-mäßig, also sehr warm und holzig, und eher spröde und trocken. Und natürlich die Strat für ein paar Sachen, wo man den Tremolo-Hebel braucht und wo man ein bisschen mehr arbeiten muss.

Was macht für dich generell eine gute Gitarre aus?

Henrik: Da ich ja nicht unbedingt bewandert bin, was technische Details angeht, oder wie eine Gitarre zusammengebaut werden muss, ist das bei mir eher eine Gefühlssache. Ich nehme die Gitarre in die Hand, schaue, wie sie ohne Verstärker klingt, ob sie einen guten Sustain hat, ob die Töne schön offen schwingen und insgesamt, ob die Gitarre einem was zu sagen hat. Das merkt man meistens schon daran, dass man gerne und lange drauf spielt. Manchmal kriegt man eine Gitarre in die Hand gedrückt, man spielt ein paar Licks und sagt „Schöne Gitarre!”, dann gibt man sie wieder zurück. Aber manche Gitarren bleiben mehrere Stunden bei dir in der Hand, weil du nicht aufhören kannst zu spielen. Das sind meistens dann die, die zu dir wollen.

Wie stellst du deine Gitarren ein?

Henrik: Ich spiele eigentlich eine recht hohe Saitenlage – sagt man mir – weil ich gerne ein bisschen fester anschlage. Ich greife auch das Plektrum viel zu knapp, so dass ich im Endeffekt eher mit dem Fingernagel die Saiten treffe. Das sieht man dementsprechend an den Fingern. Insgesamt habe ich keine so gute Technik und mache viel nach Gefühl und dann am Abend, wenn das Adrenalin dazu kommt und man in Spiellaune ist, dann merkt man eigentlich gar nicht mehr, was man macht. Ich mag es also gerne, wenn die Töne nicht schnarren und wenn man hohe Bendings machen kann.

Gibt es irgendein Teil deines Equipments, auf das du nicht verzichten könntest?

Henrik: Mittlerweile würde ich sagen: meine Realtone-Amps, die ich seit Beginn meiner Karierre spiele. Das sind Amps, die Andreas Breuhaus, ein guter Freund von mir, baut. Sie sind handverdrahtet, ohne Platine, ohne viele Knöpfe, was den natürlichen Charakter der Gitarre unterstützt. Ich komme zwar mit anderen Amps irgendwie auch klar – z.B. bei Festivals, wo schon eine Mietbackline steht – aber dann vermisse ich meine Realtones, weil man damit sehr dynamisch spielen kann. Viele Amps haben die Eigenschaft, dass sie eine Eigendynamik entwickeln: man braucht die Saiten nur anzugucken und es kommt schon ein tierisch lauter Sound – das mag ich gar nicht. Ich mag es die Kontrolle zu haben, also bei festem Anschlag einen kräftigen Ton zu haben, und wenn man sanft spielt, dann soll der Amp auch leiser werden.

Was für Saiten und Plektren benutzt du?

Henrik: Ich spiele 10-52er Saiten, ganz egal von welcher Saitenmarke, also alles, was gerade in dieser Stärke da ist. Meine Plektren sind aus Zelluloid, Extra Heavy.

Was spielst du für Instrumente außer Gitarre?

Henrik: Nennenswert wären eigentlich nur Schlagzeug und Bass. Mit Schlagzeug habe ich als kleines Kind angefangen, das habe ich auch wahnsinnig gerne gespielt. Ich hätte damit nie aufgehört, wenn es für die Nachbarn nicht zu laut geworden wäre. Bass habe ich zwischendurch mal gespielt, da es ziemlich nah am Schlagzeug ist, und dadurch schon damals gemerkt, dass die beiden eigentlich für den Groove unzertrennlich sind. Das hat mich am meisten fasziniert. Irgendwann bin ich umgezogen und habe zur Gitarre greifen müssen, sozusagen, weil das Schlagzeug zu laut war. Mit 14 habe ich dann angefangen, Gitarre zu spielen.

Henrik, du hast das geschafft, wovon Tausende träumen: von der Musik leben zu können. Was würdest du jungen Musikern empfehlen, die ebenfalls diesen Weg gehen möchten?

Henrik: Ich muss erstmal ganz ehrlich gestehen: ich kann zwar davon leben, ich mache es wahnsinnig gerne und ich versuche, so viel wie möglich zu arbeiten, aber es bleibt immer sehr ausgeglichen. Ich würde in meinem Fall nicht sagen, ich hätte es schon geschafft, sondern ich bin eigentlich immer noch dabei. Ich bin froh und dankbar, dass es so gut läuft, und gerade bei dieser Tour viele Leute zu unseren Shows kommen, aber es bleibt eben immer spannend. Man muss also ständig weiter arbeiten und merkt gar nicht mehr, ab wann man das genießen kann, dass man einen Schritt weiter gekommen ist.

Trotzdem sehe ich das eigentlich positiv, insofern wäre mein Tipp für junge Musiker, einfach zu machen, was sie lieben. Wenn sie in sich merken, dass sie Musiker sein müssen, dann rausgehen und für Leute spielen. Und auf keinen Fall zu früh auf Erfolg hoffen, sich davon abhängig machen oder sich dadurch Druck machen. Dazu gehört es auch, die eigenen Ansprüche manchmal runterzuschrauben, damit man nicht Gefahr läuft, unzufrieden zu sein, wenn man eigentlich zufrieden sein müsste. Im Endeffekt sollte es so sein: wenn man für Leute spielt – egal, ob es zwei oder zweihundert sind – dann ist man glücklich, dass man spielen kann.


7 Ja-oder-Nein Fragen

Klingt eine Nitro- besser als eine Polyurethan-Lackierung?
Henrik: Ja.

Klingt eine Gitarre durch jahrelanges Einspielen besser?
Henrik: Ja.

Sind Vintage-Gitarren besser als moderne, gleichwertige Instrumente?
Henrik: Ja.

Klingt ein dicker Hals besser als ein normaler?
Henrik: Nein.

Bringt eine Set-Neck- mehr Sustain als eine Bolt-On-Bauweise?
Henrik: Nein.

Klingen leichte Gitarren besser als schwere Gitarren?
Henrik: Nein.

Klingen dicke Saiten besser?
Henrik: Nein.