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Helliver Basic Custom

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Helliver Basic Custom

Mihai Curteanu

Wie bewertet man eine Gitarre, die einem von vorneherein wie ein Handschuh passt? Und kann man überhaupt noch objektiv und unvoreingenommen bleiben, wenn man gerade seine eigene Custom-Gitarre in den Händen hält? Einen Testbericht über die Helliver Basic Custom zu schreiben wird garantiert keine leichte Aufgabe.

Geschaffen wurde dieses Instrument von Oliver Baron, Gitarrenbauer und Gründer von Helliver Guitars aus Münster. Als Grundlage dient das Basic-Modell, also eine minimalistische Solidbody E-Gitarre mit einem einzigen Pickup und Wraparound-Bridge, die nicht ganz zufällig an eine Gibson Les Paul Junior erinnert. Doch bei der Basic Custom ist deutlich mehr Helliver drin als Gibson, und einige besondere Features kamen sowieso dazu: Korpusform, Halsprofil und Griffbrett, Kopfplatte, Schlagbrett, Elektronik – alles wurde individuell auf diese Gitarre abgestimmt. Das Instrument wurde von Null, also vom rohen Holz, bei Helliver Guitars in reiner Handarbeit in Endform gebracht.

Noch ein kurzes einleitendes Wort zur Daseinsberechtigung dieser Gitarre: die Idee dahinter war nicht, ein klangliches Non-Plus-Ultra bei einem der besten Gitarrenbauer Deutschlands in Auftrag zu geben. An Klangwunder glaube ich sowieso nicht. Eine Gitarre klingt schließlich nur so gut, wie ihr Besitzer sie spielen kann. Also ging es mir in erster Linie um das Handling. Ich wollte eine Gitarre haben, die mir besser in der Hand liegt als jede meiner geliebten Gibson oder Fender, und die für mich eine optimale Balance beim Spielen im Stehen und im Sitzen zeigt. Eine Gitarre, die ich blind bedienen kann. Sie sollte außerdem leicht sein und nicht zuletzt gut klingen.

Ausstattung

Fangen wir noch mal von vorne an: das Herz der Helliver Custom ist ein zweiteiliger Mahagoni-Korpus ohne Decke und ohne Wölbung – ein sogenannter Slab-Body. Dazu kommt ein Mahagoni-Hals mit kräftigem, aber rundem, schulterlosem Profil und 25”-Mensur. Obwohl Herr Baron normalerweise Ebenholz-Griffbretter bevorzugt, habe ich bei meiner Helliver auf Palisander bestanden – teils aus klanglichen Gründen, teils aus reiner Gewohnheit.

Wer soweit gelesen hat, ahnt bestimmt, dass an dieser Gitarre trotz ihrer schlichten Erscheinung nirgendwo gespart wurde. Die Hölzer sind bestens ausgesucht, lange abgelagert und dazu noch wunderschön gemasert. Die Bridge stammt von der Berliner Firma ABM und wird speziell für Helliver Guitars gebaut, und der Tonabnehmer ist ein Amber 94 Classic, also ebenfalls von einem deutschen Hersteller. Die Gitarre wurde mit „echtem” Nitrolack auf Hochganz lackiert, bis auf die Halsrückseite, die für eine geschmeidige, holzige Haptik matt belassen wurde.

Handling & Bespielbarkeit

Zweck dieser Helliver war ein Optimum an Handling und Bespielbarkeit und ich freue mich, berichten zu dürfen, dass sie tatsächlich ein fantastisches Spielerlebnis bietet. Sie ist federleicht (genau 3 Kilo), perfekt ausbalanciert und bestens bespielbar. Natürlich ist ein kräftiger Hals nicht jedermanns Sache, aber schließlich kann man bei einer solchen Sonderanfertigung die Halsform selbst bestimmen. Für mich hat diese Gitarre – nicht ganz zufällig – das bequemste Halsprofil (Neck-Joint inklusive), das ich mir vorstellen kann, und über die Jahre hat es mir an Auswahl nicht gefehlt. Als besonders angenehm empfinde ich auch die Helliver-Wraparound-Bridge. Um ehrlich zu sein ist es sogar ungewohnt, überhaupt keine Kanten unter dem Handballen zu spüren, so wie man es von z.B. Strats, Teles oder Les Pauls kennt.

So weit alles prima, doch einen kleinen Wermutstropfen gibt es trotzdem: die Abstände der äußeren E-Saiten zum Griffbrettrand sind unterschiedlich, und zwar ist bei der E1-Saite die Entfernung sichtbar größer. Diese Imperfektion nimmt man allerdings nur bei penibelster Betrachtung wahr. Beim Spielen ist die Sache durch die hervorragende Bespielbarkeit schnell gut gemacht. Trotz 25”-Mensur und eher flacher Medium-Jumbo-Bünde fühlen sich die 10er-Saiten unerwartet locker an, fast so als würde man auf 9ern spielen. Die Gitarre hat außerdem eine spieltechnische Eigenschaft, die ich immer schätze: die Saitenlage ist sehr gleichmäßig und das Spiegefühl in den ersten Bünden unterscheidet sich nur geringfügig von dem in den hohen Lagen.

Apropos Saitenlage: diese kann man bei der Basic Custom, wenn man möchte, recht tief einstellen, ohne dass die Saiten scheppern – ein weiterer Beweis für die gute Bundierungsarbeit. Und nicht zuletzt: die Stimmstabilität und Bundreinheit der Helliver gehören zur absoluten Oberliga. Besser kann man es in der Hinsicht kaum machen! Registriert man aufmerksam auch den lauten, auffällig brillanten unverstärkten Sound der Gitarre, so ahnt man schon langsam, was „unter Strom“ passieren wird.

Sound

Ich schulde euch eigentlich noch eine Erklärung: warum nur ein Pickup? Zum einen, weil ich Les Paul Juniors und Fender Esquires immer cool fand. Und weil ich Billy Gibbons und Leslie West total cool finde. Nebenbei haben solche Ein-Pickup-Gitarren eine besondere Qualität: sie lenken nicht ab! Sie zwingen einen sogar, sich auf das Spielen zu konzentrieren und höchstens mit dem Volume- und Tone-Regler zu arbeiten. Aus meiner Sicht bringt es dem Spieler also eher etwas Mentales, eine Entwicklung durch Selbsteinschränkung sozusagen. Auch technisch gesehen hat die Abwesenheit eines Hals-Pickups einen zumindest theoretischen Vorteil: durch geringeren magnetischen Zug seitens des Tonabnehmers dürfen die Saiten freier schwingen.

Wegen der Voll-Mahagoni-Bauweise mit eingeleimtem Hals und wegen des P94-Tonabnehmers, unter dem sich ein P90 im Humbucker-Format versteckt, hatte ich vermutet, die Helliver wird klanglich einer Les Paul Jr. nahe kommen. Ich lag falsch: die Basic Custom hat eine durchaus eigene Stimme, die grob beschrieben eher mit einer fetteren, heißeren und lauteren Telecaster vergleichbar ist. Das liegt an den inneren Werten: das super leichte Mahagoni zusammen mit der 25”-Mensur und der massiven Aluminium-Brücke sorgen für einen blitzschnellen und extrem dynamischen Attack und ein breites Klangspektrum, in dem Bässe und Höhen leicht angehoben werden. Als Resultat werden die Mitten z.B. im Vergleich zu vielen Gibson-Gitarren nicht ganz so präsent wahrgenommen, und der Sound eher scharf als warm empfunden.

Das passiert allerdings mit beiden Reglern auf 10. Wer den Attack etwas zähmen möchte, muss mit dem Volume-Poti arbeiten können. Um dem Sound etwas mehr Wärme zu verleihen, bedarf es Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Tone-Poti. Doch all diese verschiedenen Nuancen sind in der Helliver verborgen und warten nur darauf geweckt zu werden. Die Gerüchte sind nämlich wahr: ein einziger Pickup kann verdammt vielseitig sein, wenn man anfängt, die Regler ins Spiel zu bringen. Und die Helliver lädt den Gitarristen gerne dazu ein, genau das zu tun, denn die hochwertige Elektronik macht alles möglich: vom rohen „in your face”-Twang, über Wah-Wah-artige „Money for Nothing”-ähnliche Sounds bis hin zu einem authentischen Woman-Tone. Das macht nicht nur Spaß ohne Ende, sondern es öffnet die Tür zu einer neuen Klangwelt, die man mit 2- oder 3-Pickup-Gitarren normalerweise nicht erforschen würde.

Egal, ob man mit „allem auf 10” in AC/DC-Manier rockt, oder mit leicht zurückgedrehten Reglern gepflegten Blues spielt: die Helliver Custom lässt ungemein lebendige und obertonreiche Klänge mit beachtlichem Sustain aus dem Amp herausspringen. Und sie tut das auf ihre eigene Art, indem sie immer wieder mit unerwarteten Klangfarben überrascht. Klar, am Ende des Tages ist Vielseitigkeit wahrscheinlich nicht ihre größte Stärke, und mit ihrem straffen Sound wird auch nicht jeder klarkommen. Ich finde bei dieser Gitarre bspw. die Bass-Saiten „tight” und artikuliert, dafür aber die Diskantsaiten vor allem in den hohen Lagen ein wenig „dünn” (hier kann der Tone-Poti Abhilfe schaffen). Das ist natürlich Geschmackssache, und manche Gitarristen schätzen sicherlich einen solchen durchsetzungsfähigen Sound, der in einer lauten Rockband einen klaren Vorteil mit sich bringt. Alles in allem ist es einfach erfrischend, wirklich mal was Neues zu hören anstatt der ewig am Markt bestehenden Stratocaster- oder Les Paul-Kopien.

Verarbeitung

Für eine komplett in Handarbeit von einem einzigen Mann gebaute Gitarre ist die Verarbeitung der Helliver auf ganz hohem Niveau. Die ultimative Maschinen-gesteuerte Perfektion ist hier zwar nicht geboten, aber das ist nun mal „the nature of the beast“. Wie bereits erwähnt, die leicht unzentrierte Saitenausrichtung gilt für mich als einziger Minus-Punkt. Ob das nur ein optisches Detail ist, darüber lässt sich streiten, denn das hat schließlich mit persönlichen Erwartungen zu tun. Den meisten Gitarristen wird das überhaupt nichts ausmachen oder gar nicht erst auffallen. Alles andere an der Gitarre ist sowieso erste Sahne.

Fazit

Ich hatte eigentlich nicht vor, ein solches Metapher-beladenes Review zu schreiben. Jetzt, da das schon passiert ist, kann ich den Test ja auch so beenden. Die Helliver Basic Custom ist ein echtes Klang-Monster, aber wenn man sie zu zähmen weiß, dann wird man auch mit einem Monster-Ton belohnt. Und sie hat neben vielen Qualitäten noch eine entscheidende Tugend: sie ist weder eine weitere Gibson, Fender, noch eine PRS-Kopie. Sie besitzt ein eigenständiges Design, einen einzigartigen Sound und einen insgesamt eigenen Charakter – genau die Gründe, weshalb man sich eigentlich eine Custom-Gitarre anfertigen lässt.