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Gibson Les Paul Standard Premium Plus

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Gibson Les Paul Standard Premium Plus

Mihai Curteanu

Inzwischen müsste vielen Gitarrenfans bekannt sein, dass Gibson seit einigen Jahren mit finanziellen Problemen kämpft und Schwierigkeiten hat, gute Tonhölzer zu bekommen. Entsprechend wechselhaft ist auch die Qualität der Gibson-Gitarren heutzutage: für derart hohe Preise sind manche dieser Instrumente nicht unbedingt gute Deals.

Traurig, aber wahr. Diese Wahrheit bekämpft Gibson durch geschicktes Marketing, zahlreiche Neuerungen und ein immer größeres Gitarrenangebot. Den Gibson-Sound bekommt man inzwischen schon zum Epiphone-Preis, aber die gute alte Gibson-Qualität fängt erst bei den Custom-Shop-Modellen an, und diese sind im Preis vergleichbar mit Gebrauchtwagen. Wir reden hier also eher über Sammlergitarren und nicht über brauchbare, bezahlbare Arbeitsgeräte für Musiker. Für die letzteren müsste doch eine Les Paul Studio oder Les Paul Standard genau den Job tun, oder? Wir versuchen weiter herauzufinden, ob das bei der Standard Premium Plus aus dem Jahr 2012 noch stimmt.

Begehrt ist die Gibson Les Paul heute wie nie zuvor. Da braucht man nicht lange zu überlegen: es scheint, dass jeder Gitarrist nur noch eins haben möchte: eine gute Les Paul. Teuer ist sie auch, aber alles ist mittlerweile teurer geworden. Nur im Vergleich zu ihrer Konkurrenz scheint die Les Paul Standard sich immer mehr zu distanzieren, natürlich nach oben. Die brennende Frage ist also: ist die Gibson immer noch ein guter „Player“ und ihr Geld wirklich wert?

Ausstattung

Im Großen und Ganzen ist bei der Bauweise alles beim Alten, aber ein paar Eigenschaften müssen trotzdem erwähnt werden. Der Mahagoni-Korpus ist nicht massiv, sondern „weight reliefed“, d.h. es wurden unter der Decke Löcher gebohrt, um Gewicht zu sparen. Diese Herangehensweise wird oft von Puristen kritisiert, aber bei einer modernen Les Paul macht es m.E. schon Sinn. Und dennoch wiegt diese Standard fast 4 Kilo, was vermuten lässt, dass das verbaute Mahagoni nicht das Leichteste war. Die 2012er-Modelle haben außerdem ein laminiertes Palisander-Griffbrett.

Ansonsten ist die stark geflammte Ahorndecke unter der „Desert Burst“-Lackierung auch für Nicht-Gitarristen ein spontaner „Eye-Catcher“. Auf den zweiten Blick sind weitere Besonderheiten zu erkennen wie z.B. die Grover Locking-Tuners oder die Tone-Pros Hardware. Bis auf wenige Details ist das also eine Les Paul, wie man sie kennt und liebt.

Handling & Bespielbarkeit

Obwohl diese Gitarre kein Leichtgewicht ist, wird man beim Heben positiv überrascht. Sie ist eben auch kein Brocken. Was mir beim Spielen erstmal sofort auffält ist der Hals: das asymmetrische Halsprofil ist super angenehm und erinnert mich ein wenig an meine Music Man Van Halen. Das könnte u.a. daran liegen, dass diese Gibson wahrscheinlich den dünnsten Hals hat, den ich bei einer Les Paul je gesehen habe. Das ist sehr gut, die Wahl sollte man haben, und Gibsons mit dicken Hälsen gibt es ja sonst genug. Mit dem Compound-Radius-Fretboard (10” am Sattel bis 16” am Halsende) spielt sich die Standard mühelos. Die Saitenlage ist tiefer, als ich sie normalerweise gerne hätte und trotzdem schnarrt es kaum – das ist immer ein gutes Zeichen. Ich hatte oft Gibson-Gitarren in der Hand, deren Saitenlage ungleichmäßig war, bspw. bis zum 12. Bund eher tief, danach deutlich höher. Nicht der Fall bei dieser Standard: sie verfügt über eine ausgezeichnete Bespielbarkeit auf dem gesamten Griffbrett.

Sound

In diesem Fall ist der Sound leicht zu bewerten, wenn man gerne mit den Ohren und nicht „mit den Augen hört”. Und diese Gitarre klingt authentisch nach Les Paul. In dieser Hinsicht erfüllt sie alle Erwartungen, trotz „Swiss Cheese“-Body, Nashville-Bridge, oder was auch immer in den Internet-Foren ständig als Tone-Killer verurteilt wird. Wenn man nicht in Schubladen denkt, wird man mit dem Sound dieser Gibson wahrscheinlich glücklich.

Klar, Geschmäcker sind verschieden, und keine zwei Les Pauls klingen identisch, aber die tatsächlichen Unterschiede fallen im Live-Betrieb doch relativ gering aus. Mit ihren Burstbucker Pro Pickups klingt die Standard Plus nicht ganz so Vintage-mäßig wie z.B. eine Historic Reissue aus dem Gibson Custom Shop. Unsere Testgitarre hat einen moderneren Charakter, sie ist sehr artikuliert und vielseitig zugleich. Über einen cleanen Amp können die Burstbucker Pro glockig und glasklar sein. Im Overdrive-Channel wird die Les Paul schnell rockig, mit starken Mitten, schöner Brillanz und jeder Menge Durchsetzungskraft. Dieses Exemplar verfügt außerdem über einen besonders langen Sustain, was bei Les Pauls zwar normalerweise zu erwarten, jedoch nicht immer der Fall ist.

Eine wichtige Neuheit beim 2012er-Modell ist die Elektronik: alle Potis sind ausziehbar (Push-Pull) und bewirken Coil-Splitting, Out-of-Phase- und Direct-Bypass-Schaltungen. Ob man diese Sounds überhaupt gebrauchen kann, muss jeder herausfinden. Ich war zu Beginn skeptisch, fand allerdings den Bridge-Pickup im Coil-Split-Modus ziemlich überzeugend und leicht Telecaster-ähnlich.

Was macht eine Player-Gitarre eigentlich aus? Ich würde sagen: Bespielbarkeit, Sound und Zuverlässigkeit. Die ersten zwei Prüfungen hat die 2012-er Standard mit „sehr gut“ bestanden.

Verarbeitung

Sie kann wohl auch zuverlässig sein, wenn man eine Gute erwischt hat. Bei dieser Gitarre sind z.B. die Bolzen der Brücke nicht ganz gerade montiert worden. Die Bridge selbst ist ebenfalls etwas problematisch: sie sieht nach einem Tone-Pros-Fabrikat aus, ist aber lediglich eine Gibson Nashville-Bridge mit zwei Madenschrauben. Und diese lassen sich einfach nicht weit genug drehen um ihren Zweck zu erfüllen, daher ist die Brücke dieses Exemplars doch nicht arretierbar. Das ist  in der Praxis nicht so schlimm, aber als Herstellungsfehler bei einer recht teuren Gibson definitiv enttäuschend.

Fazit

Ende vom Lied: die Les Paul Standard ist eine echte Gibson in jeder Hinsicht, mit allen Vor- und Nachteilen. Sie klingt traumhaft, spielt sich besser und ist vielseitiger als je zuvor, hat aber große Qualitätsschwankungen. Dieses Thema ist ja bei Gibson nicht neu, solche Phasen gab es auch schon vor Jahrzehnten immer wieder. Wenn man auf der Suche nach einer Les Paul Standard ist, braucht man etwas Glück, um ein sorgfältig und robust gebautes Instrument zu finden. Denn das ist zur Zeit nicht mehr so einfach.