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Gibson Les Paul 1960 Reissue VOS

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Gibson Les Paul 1960 Reissue VOS

Mihai Curteanu

Jedes Mal, wenn ich eine Les Paul aus dem Gibson Custom Shop teste, passiert das Gleiche: ich stöpsele sie in meinen Marshall ein, ganz ohne Effekte, mit nicht allzuviel Gain, und denke „Das ist es!“. Das ist einfach der Sound. Natürlich merkt man auch schnell, dass man es mit einer Gitarre zu tun hat, die historisch korrekt gebaut wurde. Und zwar mit allen Vor- und Nachteilen, die eine solche Konstruktion mit sich bringt – in den 50er Jahren hat man nämlich wenig an Ergonomie gedacht. Man war in erster Linie darum bemüht, bestmöglich klingende Instrumente zu bauen, und mein Gott, ist es ihnen damals gelungen!

Heutzutage bietet der Gitarrenmarkt reichlich Alternativen zu den alten Les Pauls, und zwar sind das oft Instrumente, die leichter, ergonomischer, handlicher oder vielseitiger oder alles zusammen sind. Doch weder hochwertige Kopien, edle Boutique-Gitarre noch moderne Single-Cuts wie z.B. PRS haben bisher den Gibson-Mythos erschüttern können. Im Gegenteil: Gitarristen sind so verrückt danach wie nie zuvor.

Zum größten Teil liegt das wahrscheinlich daran, dass Gibson nun mal Rockgeschichte geschrieben hat. Wenn man Rock-Musik mag, fast egal aus welchem Jahrzehnt, kommt man an den guten alten Bursts nicht vorbei. Dazu kommt ein cleveres Marketing seitens des amerikanischen Unternehmens, das die Preise der Custom Shop Modelle inzwischen immer mehr gegen das dicke Ende des vierstelligen Preisbereichs treibt. Und das wirkt, denn der Mensch lässt sich gerne vom Preisschild beeinflussen und denkt gleich, dass das Teuerste auch das Beste sein muss. Es wäre allerdings unfair, bei diesen Argumenten zu bleiben, und es nicht von vorneherein im Klartext zu sagen: eine gute Les Paul bleibt ein absoluter Klangmaßstab und darf eben auch ein bisschen was kosten.

Ausstattung

Wie die Bezeichnung dieses Modells bereits verrät, ist der Gibson Custom Shop hier bemüht, die Features einer Les Paul Standard aus dem Jahr 1960 möglichst genau zu reproduzieren. Das scheint gar nicht so einfach zu sein, denn die Specs der Historic Collection wurden seit der Einführung 1993 mehrmals leicht verändert. Das vorliegende Exemplar wurde 2008 hergestellt und ist somit nicht die aktuellste Ausführung.

Das Les Paul-Rezept ist altbekannt, doch die Details machen den Unterschied. Der Korpus besteht z.B. aus einem einteiligen, massiven Stück Mahagoni. Allein dieses Feature ist inzwischen bei „normalen” Gibson Les Pauls, die nicht aus dem Custom Shop stammen – also die Standard-, Studio-, Traditional-Reihen o.ä. – nicht mehr zu finden. Wie erwartet wurde der Body mit einer gewölbten Ahorn-Decke gepaart, die in diesem Fall atemberaubend aussieht.

Eine Besonderheit der 1960 Reissue (auch „R0” genannt) ist sicherlich das „slim taper”-Halsprofil. Bei dieser Bezeichnung ist allerdings Vorsicht geboten, denn die Abweichungen der Gibson-Halsmaße (und nicht nur dieser) waren früher recht groß und kommen bis heute noch vor. Ein 60er-Halsprofil sollte i.d.R. etwas schmaler als ein 50er „Baseball bat” ausfallen und vor allem in der ersten Hälfte ab dem Sattel eine leicht trapez-artige Form aufweisen. Da die Hälse der Custom Shop Modelle bis heute in Handarbeit geformt werden, ist jede Gitarre irgendwie doch ein bisschen anders. Dieses Exemplar besitzt ein rundes, überhaupt nicht trapez-formiges Halsprofil, das sich ein wenig dicker anfühlt, als man es normalerweise von einem „slip taper neck profile“ erwartet. Das ist beim besten Willen kein dünner Hals, aber trotzdem ein durchaus angenehmer. Viele Gitarristen würden ihn wahrscheinlich als Mittelding zwischen den 50er- und 60er-Halsprofilen einstufen: eine mehr als willkommene Ausnahme.

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Palisander-Griffbrett (diesmal ein eher helles), Kluson „Double-ring” Vintage-Tuners, ABR-1 Bridge mit Aluminium Stoptail Piece und die für diese Herstellungsphase typischen Burstbucker 1 und 2 Pickups.

Handling & Bespielbarkeit

In der Les Paul Welt gilt diese R0 mit ihren 3,9 Kg als „Leichtgewicht”, doch in aller Ehrlichkeit: das ist keine leichte Gitarre! Wenn man Rückenprobleme hat, wird man damit bei einem mehrstündigen Auftritt nicht unbedingt geschont. Was das Handling betrifft, ist das leider nicht die einzige schlechte Nachricht. Der Hals ist zwar wunderbar geformt, allerdings wird der weiche Nitro-Lack bei schwitzigen Händen manchmal zur leichten Bremse. Und dass die Bespielbarkeit ab dem 17. Bund Bauweise-bedingt etwas gewöhnungsbedürftig ist, sollte man auch in Kauf nehmen. Es sei denn, man hat recht große Hände. Ich möchte nicht unnötig meckern, aber vor dem Hintergrund modernen Gitarrenbaus ist die Ergonomie jeder Les Paul einfach überholungsbedürftig. Und ja, es ist mir ganz bewusst, dass hier eine Historic Reissue VOS (Vintage Original Specs) vorliegt, aber das musste trotzdem gesagt werden.

Jetzt kann es getrost mit den guten Nachrichten weitergehen. Wenn man mit dem Handling einer solch authentischen Les Paul klarkommt, dann gibt es einiges mehr außer Vintage-Flair zu genießen. Die Bespielbarkeit ist trotz relativ flacher Bünde in allen Lagen tip-top, und eine tiefe Saitenlage mit kaum wahrnehmbarem Saitenscheppern lässt sich problemlos einstellen. Zu erwähnen ist ebenfalls die überraschend gute Stimmstabilität – bei vielen Gibsons keine Selbstverständlichkeit.

Sound

Die verlorenen Punkte beim Handling kann die R0 durch ihre Sound-Qualitäten zurück gewinnen, und noch einige Bonus-Punkte dazu. Wer sich von diesem Klang nicht begeistern lässt, ist kein echter Gitarrenliebhaber. Ich erlaube mir diese Pauschalaussage nur, weil dieses Exemplar so ungemein musikalisch und ausgewogen klingt. Man trifft weder auf den hellen Midrange-Twang, der mit echten alten Les Pauls assoziiert wird, noch auf den fetten, cremigen Charakter späterer Gibsons. Diese 1960er Reissue bietet m.E. das Beste aus beiden Welten: ein offenes, glockiges Klangbild, das von warmen, stets angenehmen Höhen ergänzt wird.

Bei einem derart runden Mix aus Bass, Mitten und Höhen könnte man fast meinen, der Gitarre fehlt es ein wenig an Ecken und Kanten. Doch wer Ecken und Kanten bei einer feinen Les Paul sucht, ist sowieso an der falschen Adresse. Die R0 – so wie die meisten Custom Shop Les Pauls – überzeugt durch klangliche Eleganz und einen unwahrscheinlich Sustain-reichen und singenden Ton. Dazu tragen sicherlich auch die Burstbucker-Tonabnehmer bei, die nicht ohne Grund von zahlreichen Großen bevorzugt werden. Ziemlich beeindruckend finde ich die Art, wie die beiden Pickups miteinander harmonieren. Die Burstbuckers 1 und 2 klingen in allen drei Schaltungen wie aus einem Guss. Man empfindet nicht zu viel Bass, wenn man auf die Halsposition wechselt, und keine zu auffälligen Höhen beim Steg-Humbucker. Außerdem scheint diese Gitarre einfach nie schlecht oder gar „mulmig“ oder schrill zu klingen, und das gilt gleichermaßen von Clean bis High-Gain. Sogar mit zurückgedrehtem Tone-Regler ist der Sound mehr als brauchbar. Meine einzige, wohl unwesentliche Kritik betrifft den Dynamikumfang, denn diese R0 wirkt etwas komprimiert und nicht allzu nuanciert, besonders bei leiser Spielweise.

Verarbeitung

Ich wünschte, ich könnte das Review im gleichen positiven Ton fortsetzen, aber die Verarbeitung dieser Gitarre macht es mir nicht leicht. Und weder die wunderbaren Hölzer noch die klasse Elektronik können in dieser Preisklasse einen Plastik-Sattel rechtfertigen. Ein weiterer, klarer Minus-Punkt ist die ABR-Bridge, die Konstruktions-bedingt zum Klirren neigt (dafür ist hier die Spange verantwortlich, die die Saddles im Falle eines Saitenrisses festhält).

Die Gitarre kommt ab Werk in leicht ge-ageder Optik, und diese ist eigentlich sehr gelungen, wenn auch letztendlich Geschmacksache. Die leicht verbogenen, ungenau passenden Pickup-Ringe und so manche scharfkantige Schrauben hinterlassen dagegen den Eindruck, dass jemand bei der Endmontage sich nicht so viel Mühe gegeben hat.

Fazit

Da der Testbericht lang genug war, halte ich zumindest den Schluss kurz und knackig. Klanglich ist die Gibson Les Paul 1960 Reissue VOS aus dem Custom Shop auf ihrem Gebiet kaum zu toppen, und zwar unabhängig davon, mit welchen anderen Gitarren-Brands man sie vergleichen mag. In puncto Handling und Verarbeitung gibt es allerdings noch Luft nach oben. Das Preis-Leistungsverhältnis könnte auch besser sein.