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FGN J-Standard Iliad

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

FGN J-Standard Iliad

Mihai Curteanu

Dass japanische Instrumente i.d.R. eine hohe Fertigungsqualität aufweisen, hat sich unter Gitarristen längst herumgesprochen. Und die Preise der FujiGen-Gitarren sind im Vergleich zum amerikanischen Angebot mehr als fair – teilweise sogar verlockend. Woran liegt es dann, dass der Durchbruch immer noch auf sich warten lässt? Das ist schwer zu sagen, und die Marktforschung überlasse ich lieber dem Unternehmen selbst. Ich habe in den letzten Jahren zahlreiche FGN-Gitarren testen dürfen und kann nur feststellen: den Durchbruch hätte der japanische Hersteller definitiv verdient.

Als Testgitarre haben wir die FGN J-Standard Iliad am Start. Offensichtlich handelt es sich um eine Telecaster-Interpretation, doch diese ist von einer Nullachtfünfzehn-Kopie meilenweit entfernt. Das liegt an vielen interessanten Details, wie wir später sehen werden, aber auch an der Pickup-Ausstattung. Die J-Standard Iliad gibt es in „klassischer” 2 Single-Coils-Ausführung und – wie beim vorliegenden Modell – in „Fat-Tele”-Bestückung, also mit einem Neck-Humbucker. Somit tritt die FGN in einer Gitarrennische auf, in der es nicht viel Konkurrenz gibt. Nicht mal von Fender.

Ausstattung

Wo fange ich an… Ok, Esche-Korpus, geschraubter Ahorn-Hals und Palisander-Griffbrett. So weit alles bekannt. Die 21 Medium-Bünde sehen auf den ersten Blick ebenfalls „vintage korrekt“ aus, doch sie sind eigentlich hochmodern. Hier ist vor allem FujiGens patentiertes Circle Fretting System (CFS) zu erwähnen: die Bünde sind nicht zu 100% parallel zueinander, sondern minimal gekrümmt, je nach Lage. Dadurch sollen sowohl die Intonation als auch der Sustain verbessert werden. Das Griffbrett aus dunklem Palisander verfügt über einen Compound-Radius, und zwar von 10” am 1. Bund bis 14” am letzten. All diese Optimierungen haben subtile bis ganz deutliche Wirkung, vor allem auf die Playability des Instrumentes.

Das Schlagbrett und die Platzierung des Schalters und der Potis erinnern ganz stark an eine Fender Thinline Tele. Meines Erachtens ist dieses Design etwas ergonomischer als die typische Telecaster Control-Plate. Weitere Details runden das Image einer durchdachten Gitarre ab: leicht zugänglicher Truss-Rod, in der Höhe angepasster String-Tree, Knochen-Sattel, Belly-Cut, moderne 6-Saddle-Bridge, abgerundeter Hals-Korpus-Übergang, Les Paul-artige Ausgangsbuchse, große Gurt-Pins. Lediglich die Tatsache, dass der Hals nur 21 Bünde hat, passt nicht in dieses zeitgemäße Erscheinungsbild.

Die Japaner beweisen mit dieser Gitarre erneut, dass sie von Ästhetik auch etwas verstehen. Die 3-Tone-Sunburst Hochglanz-Lackierung harmoniert wunderbar mit der Esche-Maserung und dem hellen Binding. Obwohl manche die Kopfplatte und den goldenen Schriftzug sicherlich gewöhnungsbedürftig finden werden, macht die J-Standard Iliad einen optisch rundum gelungenen Eindruck.

Handling & Bespielbarkeit

In dieser Kategorie gibt es viel Gutes zu berichten, denn das Handling und die Bespielbarkeit gehören zu den absoluten Stärken der FGN. Durch die matt lackierte Rückseite weist der Hals auf Anhieb eine sehr angenehme Haptik auf. Er verfügt über ein leicht abgeflachtes, ebenfalls komfortables D-Profil: nicht so rund wie ein moderner Fender-Hals und nicht so dick wie bei einer Vintage-Tele, aber auch kein dünner Ibanez Wizard-Neck. Also irgendwo ganz schön in der Mitte.

Wie versprochen komme ich kurz zum Thema Bundierung zurück. Obwohl die Fujigen über eher kleine Medium-Bünde verfügt, fühlt sich die Gitarre völlig anders als erwartet an. Man spürt beim Spielen kaum das Griffbrett und das Bending erfolgt mühelos in allen Lagen. Ich kann nur vermuten, dass diese erstaunliche Playability dem Compound-Radius und dem Circle Fretting System zu verdanken ist. Ach ja: die makellose Bundierungsarbeit ist nicht zu unterschätzen. Hier meine ich insbesondere die gründlich abgerundeten Bundenden und die „rolled edges” des Griffbretts.

Die FGN hat ein mittleres Gewicht und zeigt wunderbare Balance sowohl im Stehen als auch im Sitzen. Insgesamt haben wir es wohl mit einem Instrument zu tun, bei dem die Ergonomie eine zentrale Rolle spielt.

Sound

Es ist nicht so, als wäre ich vom elektrifizierten Sound der Iliad enttäuscht. Doch diese Gitarre wirkt so hochwertig und überzeugt technisch sowas von auf ganzer Linie, dass die klanglichen Ansprüche automatisch sehr hoch sind. Und hier hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Kurz und schmerzlos: die beiden Pickups klingen an sich sehr gut, harmonieren jedoch nicht wirklich miteinander. Dem Single-Coil an Steg mangelt es weder an Power noch an Twang und er erweist sich gleich als fantastisches Werkzeug für cleane und angezerrte Rhythmus-Sounds. Von Country über Blues-Rock, Southern-Rock bis hin zum AC/DC-Crunch kommt man damit als Rhythmus-Gitarrist voll auf seine Kosten. Die Solo-Skills des Bridge-PUs sind dagegen eher begrenzt, denn er zeigt etwa ab dem 15. Bund leicht übertriebene, fast harsche Höhen.

Ok, fürs Solo schaltet man auf den Neck-Humbucker, so der normale Reflex bei einer solchen Gitarre. Hier begegnet man dem genauen Gegenteil zum Bridge-PU: dem Humbucker am Hals fehlt die Durchsetzungskraft. Er klingt zwar schön warm, weich und gleichzeitig laut genug, aber ein wenig mehr Brillanz und Präsenz könnte er schon vertragen. Beim Umschalten zwischen beiden Pickups hat man das Gefühl, zwei unterschiedliche Gitarren in einer zu hören.

Je nach Anwendungsbereich und Spielweise des Musikers kann es trotzdem gut sein, dass die duale Persönlichkeit der J-Standard ihren Besitzer glücklich machen wird. Ansonsten habe ich gute Nachrichten: durch relativ einfache und recht günstige Modifikationen an der Elektronik (z.B. Potiwerte, evtl. zusätzlicher Widerstand für den Bridge-PU, Ton-Kondensator etc.) lässt sich das Klangbild der bereits vorhandenen Pickups sicherlich etwas homogener gestalten.

Verarbeitung

Alles in allem hat die FGN J-Standard die Qualifikation „hervorragend verarbeitet“ verdient. Manche Eigenschaften, wie z.B. die makellose Bundierung oder der perfekt gekerbte Knochensattel, kann man sogar bei Gitarren, die doppelt so viel kosten, nicht immer finden. Es gibt – ehrlich gesagt – keinen Grund zum Meckern, was die Verarbeitung angeht. Nur wenn man extrem pingelig und anspruchsvoll ist, dann wird einem die nicht ganz dichte Halstasche auffallen, doch das kann sogar bei einer Telecaster aus dem Fender Custom Shop mal passieren.

Trotz der vielen positiven Eigenschaften gibt es leider ein paar Anzeichen dafür, dass diese Gitarre nicht gleich in der Oberliga mitspielt. Die Bridge ist zwar robust, doch die Saddles wirken etwas billig. Dazu kommen der 3-Wege Schalter und die Potis, die ebenfalls nicht den hochwertigsten Eindruck machen. Die Kritikpunkten betreffen also zum Glück nur wenige, problemlos austauschbare Komponenten.

Fazit

Das wird keine einfach zu ziehende Bilanz sein, denn die FGN J-Standard Iliad ist eine richtig gute Gitarre mit einem fantastischen Preis-Leistungsverhältnis, dennoch hat sie auch ihre Defizite. Fakt ist, dass die entscheidenden Features, das Verarbeitungsniveau und die Playability problemlos mit denen einer Fender American Deluxe Tele vergleichbar sind. Genauso wahr ist es, dass man in einem Blindtest wahrscheinlich so manche Mexico Fender der japanischen FGN J-Standard vorziehen würde.

Was bleibt also hängen? Es kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man die Fujigen betrachtet. Will man eine Telecaster, die von vornherein „plug and play“-fähig ist, dann gibt es in der gleichen Preisklasse möglicherweise bessere Angebote. Wenn man allerdings der Do-It-Yourself-Typ ist oder einfach keine Hemmung hat, ein neues Instrument zum Gitarrenbauer zu bringen, dann sollte man sich die FGN definitiv näher anschauen. Durch relativ einfache Upgrades könnte man diese Gitarre locker in die Profi-Liga katapultieren und somit zu einem unschlagbaren Deal machen. Selbst wenn man eventuelle Modifikationskosten dazurechnet, bekommt man für dieses Geld noch nicht mal die günstigste amerikanische Tele.