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Fender Closet Classic Telecaster Pro

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Fender Closet Classic Telecaster Pro

Mihai Curteanu

Lasst uns mal kurz überlegen: was ist eigentlich ein Gitarren-Custom-Shop? Egal ob Fender, Gibson oder kleine Boutique-Hersteller, ein Custom Shop ist wie ein Labor, in dem besondere Kreationen entstehen und Sondermodelle bestellt werden können. Gleichzeitig sollte geballtes Fachwissen für Innovation bzw. Gitarren-Prototypen sorgen; allerdings ist dieser Aspekt seit vielen Jahren stark in den Hintergrund getreten. Wir befinden uns zur Zeit auf dem Höhepunkt des Vintage-Hypes, und heute werben Custom Shops meistens mit Reissues und Relics – ein trauriger Zusammenhang, eigentlich.

Ich konnte diese Gedanken beim heutigen Test nicht vermeiden, aber diesmal gibt es doch gute Nachrichten. Der Fender Custom Shop hat seit 2009 eine Prototyp-Serie im Angebot (daher die Bezeichnungen „Proˮ oder „Protoˮ), bei der tatsächlich mit modernen Zutaten „gekocht” wird. Unsere Testgitarre, die Closet Classic Telecaster Pro in auffälligem Dakota Red, stammt aus dem Jahre 2012. Das ist entscheidend, denn jedes Jahr werden die Features der Pro-Modelle geändert.

Ausstattung

Auf den ersten Blick lässt die Telecaster Pro nicht unbedingt auf einen innovativen Prototyp-Charakter schließen. Ganz im Gegenteil: der „Closet Classic”-Look soll den Eindruck eines Instrumentes wecken, das Jahrzehnte lang ungespielt irgendwo im Schrank vergessen worden ist. Dafür ist der Nitrolack mit künstlich erzeugtem, tiefgehenden „Lacqueur Checking” versehen und die Hardware inklusive dem Bakelit-Pickguard leicht ge-aged worden. Das sieht zwar an sich recht authentisch aus, wirkt jedoch bei dieser Gitarre etwas merkwürdig, denn der Hals ist dagegen völlig jungfräulich und spätestens beim genaueren Hinschauen entdeckt man jede Menge Non-Vintage-Elemente. Das passt einfach nicht zusammen: eine 22-bündige Tele mit moderner Hardware kann beim besten Willen dieses Vintage-Flair nicht entwickelt haben, wie Fender versucht zu suggerieren. Das Marktprinzip von Angebot und Nachfrage könnte hier eine Erklärung liefern: „Aging” verkauft sich und es wird heutzutage wohl ein wenig inflationär betrieben.

Soviel erstmal zum Thema Aussehen, jetzt kommen wir zu wichtigeren Sachen. Kaum hat man diese Gitarre in der Hand, darf man schon begeistert sein: das Ding wiegt gut unter 3 Kilo und gilt damit als Ultra-Leichtgewicht. Je genauer man die Telecaster Pro unter die Lupe nimmt, umso mehr entpuppt sie sich als echtes Überraschungsei. Hinter der warmen, teils altmodischen Erscheinung steckt nämlich eine zeitgemäße und durchdachte Blues-Rock-Maschine. Dafür sprechen z.B. der Hals mit flachem 9,5 Inch-Radius und 22 Medium-Jumbo-Bünden, die Halsstabjustierung an der Kopfplatte und der abgerundete Hals-Korpus-Übergang („Contoured Neck Heelˮ). Zu den modernen Features zählen weiter: die Custom Classic Bridge mit massiven Brass-Saddles, die Elektronik mit „Greasebucket”-Tone-Wiring (mehr dazu später) und nicht zuletzt die Twisted Tele Pickups.

Handling und Bespielbarkeit

Es ist ein kaum zu übersehender Trend in der Boutique-Szene: leichte Gitarren mit dicken Hälsen. Bei unserer Tele trifft das nicht nur vollkommen zu, ihr Hals ist so oder so ein echtes Highlight. Wir haben es hier mit einem „10/56 Large V Shape” zu tun, auch als sogenannter „Boatneck” bekannt. Was bedeutet das eigentlich? Nun ist das auf alle Fälle ein recht kräftiger Hals, das steht außer Frage. Er fängt am ersten Bund mit einem deutlichen V-Profil an und wird immer runder, so dass man am 12. Bund ein tiefes C-Profil hat. Trotz seiner Maße ist das ein erstaunlich freundlicher Hals, mit dem sogar Spieler mit kleinen Händen locker zurechtkommen dürften. Sicherlich sind dicke Hälse Geschmackssache, doch sie haben einen klaren Vorteil: Stabilität. Ein solcher „Quartersawn“ Maple Neck, wie in unserem Fall, hat die besten Chancen, über viele Jahre hinweg kerzengerade zu bleiben und der Gitarre eine ausgesprochene Stimmstabilität und Tonentfaltung zu verleihen.

Das besondere Halsprofil und extrem niedrige Gewicht sorgen auf Anhieb für einen hohen Spielkomfort. Insgesamt ist die Closet Classic Tele Pro mit ihrem abgerundeten Halsfuß und ergonomischem Bridge-Design offensichtlich Handling-bewusst gebaut worden. Und die guten Nachrichten enden hier nicht, denn die Bespielbarkeit erweist sich ebenfalls als traumhaft. Die offiziell als Medium-Jumbo bezeichneten Bünde fühlen sich eher wie Jumbos an und sorgen für eine mühelose Playability und leichtes Bending, obwohl die Gitarre ab Werk mit 10er-Saiten bespannt wurde. Das dunkle „Round-Lam” Palisander-Griffbrett verfügt über abgerundete Kanten („rolled edges”) und eine hervorragende Bundierung.

Sound

Man kann lange debattieren, wie groß der klangliche Einfluss eines massiven Halses wirklich ist. Ob leichte Gitarren „offener” oder gar „besserˮ klingen, ist schon wieder so ein Thema. Ohne Zweifel hat jede „Kleinigkeitˮ einen gewissen Einfluss auf den elektrifizierten Sound einer E-Gitarre, aber am Ende kommt es immer auf das Zusammenwirken aller Komponenten an. Und das klangliche Gesamtpaket dieser Fender Telecaster Pro ist ein echter Jackpot.

Wer einen cleanen, typischen Nashville-style Country-Sound sucht, sollte sich jedoch von vornherein andere Modelle anschauen. Die Fender Telecaster Pro hat mit ihrem Twisted Tele Set einen ganz anderen Charakter: laut, fett und rockig am Steg und „stratig” am Hals. Lediglich in der Mittelstellung versteckt sich ein drahtiger, dreidimensionaler Tele-Twang erster Güte.

Es ist natürlich schon so, dass der Bridge-Pickup immer noch deutlich nach Tele klingt. Auch schöne Clean-Sounds sind locker machbar, doch der Twisted Tele übersteuert schnell die Vorstufe und fühlt sich erst bei Overdrive-Sounds richtig wohl. So wohl, dass man bei geschickt eingestelltem Marshall-Crunch blind glauben könnte, eine P90-Gitarre zu hören. Der Output würde ohne Probleme für Rock-Sounds aller Art reichen, wenn die Gitarre mit zunehmender Distortion nicht so stark brummen würde.

Die Kirsche auf dem Kuchen ist der Halstonabnehmer, der in der Tat vielmehr nach Stratocaster als nach Telecaster klingt. Und selbst bei guten Strats ist ein derart offener und gleichzeitig runder Neck-Pickup-Sound selten zu finden. Hier hat man Hendrix- oder SRV-Sounds auf Knopfdruck parat. Leadsounds mit ordentlicher Zerre überzeugen ebenfalls, obwohl diese normalerweise nicht unbedingt die Stärke einer Tele sind. Und in puncto Sustain steht diese Telecaster den meisten Les Pauls einfach in nichts nach.

Ein großes Lob möchte ich noch für die Elektronik aussprechen. Sowohl der Volume- als auch der Tone-Poti funktionieren ausgezeichnet und sind über ihren ganzen Regelweg brauchbar. Verantwortlich dafür sind ein kleiner „Treble Bleed Cap” und die „Greasebucket”-Tone-Schaltung. Letztere ist zwar unter Puristen nicht besonders beliebt, aber sie ist gerade bei angezerrten Sounds von klarem Vorteil: der Sound wird beim Herunterdrehen weicher, aber nie ganz „dumpfˮ, und man verliert kaum an Output bzw. Gain.

Verarbeitung

Man muss nicht zwischen den Zeilen lesen, um festzustellen, dass die Fender Tele 2012 Pro in so gut wie jeder Hinsicht begeistern kann. Auch die Qualität dieser Gitarre (Hölzer, Lackierung, Bundierung, Pickups, Elektronik etc.) ist auf sehr hohem Niveau. Trotzdem gibt es bei der Verarbeitung nicht nur Positives zu berichten.

Als allererstes fällt mir ein Wackelkontakt beim 3-Weg-Schalter auf. Ob das Problem dem Fender-Werk oder dem deutschen Händler mit dem großen „T” zuzuordnen ist, kann ich allerdings nicht sagen. Fakt ist, dass der Schalter ausgetauscht werden musste. Wie bereits erwähnt rauscht die Fender selbst für Single-Coil-Verhältnisse überdurchschnittlich stark, und es sind jede Menge „Click & Pop”-Geräusche vorhanden. Das ist ein klarer Minus-Punkt und zeugt von suboptimaler Abschirmung der Pickups und der Elektronik – für eine Fender aus dem Custom Shop ist das enttäuschend. Ein Knochen- statt Micarta-Sattel hätte in dieser Preisklasse auch nicht geschadet. Alles in allem würde ich sagen: die Substanz und das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, aber der letzte Schliff in puncto Qualität fehlt.

Fazit

Für Blackguard-Fetischisten, die gerne solche Klischees wie „Eine Tele muss so richtig twangen” oder „21 Bünde reichen doch” vertreten, ist die Fender Closet Classic Pro wahrscheinlich fast Blasphemie. Geeignet ist sie eher für Gitarristen, die auf Handling, Spielkomfort und Bespielbarkeit besonderen Wert legen und gleichzeitig die inneren Werte einer Telecaster zu schätzen wissen. Diese Fender ist zwar kein Vintage-Reissue, jedoch stark in der Tradition verankert. Ganz ehrlich: trotz zeitgemäßer Eigenschaften bleibt sie im Grunde immer noch „just a Telly” – robust, zuverlässig, vielseitig, leicht zu reparieren und zu modifizieren, für den einen hässlich, für den anderen faszinierend.