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Fender American Special Stratocaster HSS

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Fender American Special Stratocaster HSS

Mihai Curteanu

Heutzutage ähnelt der Gitarrenmarkt immer mehr der Automobil-Industrie. Jedes Budget und jede Publikumsnische muss bedient werden, jährlich werden Neuigkeiten präsentiert, Modelle überarbeitet, und so weiter und so fort. Dass die Fender American Special Serie seit einigen Jahren unverändert auf dem Markt besteht, ist ein deutliches Erfolgszeichen. Das Konzept hat sich wohl bewährt: klassisches Design, heiße Pickups, moderne Features, USA-Herstellung, relativ preiswert.

Nach diesem Rezept „kocht” Fender eigentlich schon seit längerer Zeit, denn die American Specials sind nichts anderes als die Nachfolger der früheren (und ebenfalls erfolgreichen) Highway One Modelle. Mit den Specials schafft Fender tatsächlich einen kleinen, aber deutlichen Qualitätssprung und katapultiert diese Modelle fast in die Profi-Liga. Warum fast? Das werde ich später genauer begründen.

Ausstattung

Unter der Haube dieser Stratocaster steckt ein echter Hot Rod. Natürlich haben wir es im Großen und Ganzen immer noch mit der Gitarre zu tun, die seit den 50er Jahren die Musikwelt erobert, doch ähnlich wie bei den amerikanischen Muscle Cars ist hier der Motor so groß, dass es jedem auffällt: der Steg-Humbucker ist nämlich der erste Hinweis darauf, dass die American Special HSS Strat ab Werk ordentlich „getuned“ wurde.

Zu den zeitgemäßen Merkmalen zählen weiterhin: der Hals mit modernem C-Profil und flachem 9,5 Zoll-Radius, die 22 riesigen Jumbo-Bünde und die leistungsstarken Texas Special Single-Coils. Fast widersprüchlich erscheint in diesem Kontext das Vintage-Tremolo mit 6 Schrauben, aber ein wenig altmodisches Flair tut ja einem Hot Rod bekanntlich nicht weh.

Handling und Bespielbarkeit

Es fällt mir bei neuen Gitarren immer positiv auf, wenn sie ein geringes Gewicht haben, und diese Stratocaster ist trotz großer 70er-Style-Kopfplatte und massiven Tremolo-Blocks wirklich angenehm leicht. Viel brauche ich eigentlich über das Handling nicht zu erzählen: das ist schließlich eine Stratocaster und somit eins der ergonomischsten und sowieso beliebtesten Gitarrendesigns aller Zeiten. Niemand behauptet, sie sei perfekt, aber wenn man mit einer Strat gar nicht klar kommt, dann macht man als Gitarrist höchstwahrscheinlich etwas falsch.

Aus meiner Nicht-Vintage-Freak-Perspektive ist die moderne Bespielbarkeit der American Special mehr als willkommen. Die Jumbo-Bünde erleichtern das Legato und unterstützen das schnelle Spiel, indem zwischen Fingerkuppen und Griffbrett kaum Kontakt besteht. Das Bending ist mit den 9er-Saiten – ohne zu übertreiben – ein Kinderspiel. Hier könnte man z.B. locker 10er-Saiten aufziehen, ohne dass die Bespielbarkeit mühsam wird – ein klarer Bonus der großen Bünde. Etwas Vorsicht ist allerdings bei der Intonation geboten: drückt man die Saiten zu fest herunter, so werden vor allem offene Akkorde direkt „out of tune” klingen. Diese Intonationsproblematik ist jedoch bei jeder Gitarre anzutreffen, auch wenn die Jumbo-Frets sie minimal verschärfen könnten.

Als ersten negativen Aspekt muss ich leider die Stimmstabilität kritisieren. Das Tremolo ist ab Werk leicht schwebend eingestellt, und da fangen die Sorgen schon mal an. Ein 6-fach verschraubtes, frei schwebendes Vintage-Tremolo erfordert eine ziemliche Zauberei, damit es halbwegs stimmstabil bleibt. Obwohl die Gitarre insgesamt sehr gut eingestellt ist (Halskrümmung, Saitenlage, Pickup-Höhe, etc.), kann ich das gleiche vom Tremolo-System nicht behaupten. Der Plastik-Sattel hilft beim Tremolieren auch nicht wirklich, aber sogar ohne den Hebel zu berühren, hat diese Stratocaster es nicht leicht, in Stimmung zu bleiben. Die einfachste Lösung hier wäre wohl ein Setup mit aufliegender Bridge – das ist schnell erledigt und man muss dafür höchstens eine weitere Tremolo-Feder für wenige Euros kaufen.

Sound

Der elektrifizierte Klang der American Special ist die Kirsche auf dem Kuchen. Eine HSS-Pickup-Konfiguration ist zwar mit die vielseitigste, aber oft leider auch furchtbar unausgewogen, denn der Humbucker ist meistens so viel lauter als die Single Coils, als hätte man einen eingebauten Booster in der Gitarre. Außerdem ist der Kontrast zwischen dem fetten, mittigen Humbucker- und den glockigen, höhenreichen Single-Coils manchmal so stark, dass man das Gefühl hat, zwei verschiedene Instrumente in einem zu hören. Diese theoretischen Defizite überwindet die Fender meisterhaft: der Fender Atomic Humbucker hat zwar einen mehr als moderaten Output, etwa wie ein heißer PAF, liefert aber einen klaren, ausgewogenen Sound, ohne übertriebene Mitten. Schraubt man diesen etwas weiter weg von den Saiten, so hält sich die Lautstärke ebenfalls in Grenzen. Dazu kommen die Texas Special Single Coils, die wiederum mehr Power und Midrange-Growl als die meisten Single Coils haben und somit für eine wunderbare Abstimmung zwischen allen Pickups sorgen.

Wer sich für diese Gitarre interessiert, braucht hier weder die Vintage-Strat schechthin noch die ultimative Heavy-Metal-Maschine zu erwarten. Soviel ist klar. Allerdings ist die American Special HSS so beeindruckend vielseitig, dass sie alle Sounds von Vintage-Clean bis modernes Metal ohne Probleme abdecken kann. Die Texas Specials liefern alles, was man von guten Single Coils erwartet und verwöhnen den Spieler – wenn man das möchte – mit einem authentischen Texas Blues Sound à la Stevie Ray Vaughan auf Knopfdruck. Ähnlich begeistert war ich von dem Atomic Humbucker, der nicht nur für Rock oder Metal zu gebrauchen, sondern auch zu sehr guten Clean- und Crunch-Sounds in der Lage ist.

Verarbeitung

In der Qualitätsabteilung bin ich eher gespalten. Auf einer Seite haben wir bei dieser Fender wirklich viel Gitarre fürs Geld, durchweg sehr gute Komponenten (Bridge, Mechaniken, Pickups, Elektronik usw.) und insgesamt eine gute Verarbeitung. Doch bei einem Preis von über 1000€ ist ein wenig Kritik schon berechtigt: die Bundenden könnten nämlich besser abgerundet sein, und allgemein ist die Bundierung nicht unbedingt mit größter Sorgfalt durchgeführt worden. Außerdem sitzt der Hals nicht zu 100% passgenau in der Halstasche. Wenn man die unterdurchschnittliche Stimmstabilität (zumindest im Werkszustand) dazu rechnet, dann weiss man Bescheid, warum diese Gitarre nicht gleich als Profi-Intrument eingeordnet werden kann. Zum Glück lässt sich meine ganze Kritik in puncto Verarbeitung und Stimmstabilität mit einem einfachen Besuch beim Gitarrenbauer aus der Welt schaffen. Normalerweise auch relativ günstig.

Fazit

Zeit für die Endbilanz: wir haben hochwertige Bauteile, sehr gute Bespielbarkeit, hervorragende Sounds und vernünftige Verarbeitung – ist das genug, um den Preis der American Special Stratocaster HSS zu rechtfertigen? Betrachtet man das aktuelle Gitarrenangebot, so wird es schwierig, eine bessere Stratocaster in dieser Preisklasse zu bekommen.