Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

Staigerstr. 7
70499 Stuttgart
Germany

+49 172 6937722

Gitarrenunterricht und Ukulele-Unterricht in Stuttgart | Kurse, Workshops und Events für Anfänger und Fortgeschrittene | Lernen Sie Gitarre, Bass oder Ukulele!

Epiphone The Dot

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Epiphone The Dot

Mihai Curteanu

Semi-Hollowbody-Gitarren sind zwar zur Zeit im Kommen, doch sie werden es aus ihrem Nischendasein wahrscheinlich nie zum Mainstream schaffen. Und dieses Nischendasein hängt zum Teil ausgerechnet mit einigen Merkmalen der hohlen Bauweise zusammen, aber auch mit einer guten Portion Vorurteil. Ich werde nämlich oft gefragt, ob semi-akustische Gitarren eigentlich nur etwas für Jazz seien, und dann wird mir immer wieder klar, dass sich die Vielseitigkeit bspw. einer Gibson ES-335 noch nicht wirklich herumgesprochen hat. Solche Gitarren fühlen sich in mehr Genres zu Hause, als man denkt. Von Jazz und Blues über Rock’n’Roll bis zu Hard Rock gibt es eine lange Liste von berühmten Gitarristen, die Semi-Hollows gespielt haben und solchen, die das bis heute noch tun: Chuck Berry, Alvin Lee, B.B. King, Ritchie Blackmore, Eric Clapton, Larry Carlton, Warren Haynes, Joe Bonamassa, Richie Sambora, John Mayer etc.

Ausstattung

Die Epiphone The Dot ist der Gibson ES-335 nachempfunden und weist somit eine halbakustische (oder semi-akustische) Bauweise auf. Im Gegensatz zu Hollowbody-Gitarren, die komplett hohl sind, werden Semi-Hollowbody Gitarren mit einem sogenannten Sustain-Block ausgestattet. Dieses massive Holzstück befindet sich in der Mitte des Korpus zwischen Decke und Boden. Sein Zweck ist es, die Schwingung der Decke etwas zu reduzieren und der Gitarre zu einem stabileren Ton zu verhelfen, der bei hoher Lautstärke zu weniger Feedback neigt.

Die Epiphone The Dot wird ansonsten ganz nach dem traditionellen, semi-akustischen Rezept gebaut: gewölbte Decke und gewölbter Boden (beides aus Ahorn-Laminat), Sustain-Block aus massivem Mahagoni, eingeleimter Mahagoni-Hals mit Palisander Griffbrett. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen: Tune-o-Matic Bridge mit Stoptail Piece, Grover Mechaniken, zwei Epiphone Alnico Humbuckers, 3-Wege Toggle Switch, 2 Volume- und 2 Tone-Potis.

Handling & Bespielbarkeit

Es ist schwer zu übersehen, dass die Epiphone The Dot für E-Gitarren-Verhältnisse recht großzügig dimensioniert ist und mit ihren 4,0 kg dazu ordentlich was wiegt. Das sind schon mal zwei Aspekte, die dazu beitragen, dass diese und allgemein Semi-Hollow-Gitarren nicht weitaus populärer sind. Obwohl sie nicht unbedingt für die wildeste Bühnen-Show gemacht ist, lässt sich die Epi trotzdem vernünftig handhaben. An den großen Korpus gewöhnt man sich schnell, und mit ihrem Gewicht werden die meisten Gitarristen bestimmt leben können – schließlich wiegen die meisten Les Pauls auch nicht weniger.

Der Hals und die Bespielbarkeit machen einen durchaus positiven Eindruck: dank präzise gekerbten Sattels und sauber abgerichteter Bünde verfügt die Dot über eine tiefe Saitenlage mit absolut minimalem Saitenscheppern. Man spürt keine Bundkanten und die Hochglanzlackierung der Halsrückseite fühlt sich angenehm an. Lediglich mit dem Halsprofil wird wahrscheinlich nicht jeder sofort klarkommen: wir haben es hier mit einem überdurchschnittlich dicken und breiten Hals zu tun.

Die wunderbare Saitenlage und die relativ flachen Bünde machen die Epi zu einer extrem fähigen Rhythmus-Gitarre. Zu diesem Eindruck trägt die überraschend gute Intonation bei, denn breite Akkorde über fünf oder sechs Saiten klingen hier äußerst „in tune”. Natürlich hat eine Hollowbody gerade beim Solospiel noch etwas zu beweisen, und das wird sie klanglich wohl auch tun, wie wir später sehen werden. Aus Playability-Perspektive empfinde ich die Dot auf Anhieb allerdings als etwas „stramm” und nicht ganz Bending-freundlich. Das liegt zum Teil an den flachen Bünden, aber ganz genau lässt sich das nicht auf den Punkt bringen. Hier haben die US-Verwandten aus dem Hause Gibson bei ähnlichen Features einfach die Nase vorn.

Sound

Den Vergleich zum Vorbild, also einer Gibson ES-335, werden wir vor allem in der Klang-Abteilung nicht so schnell los. Diesmal kann die Epiphone jedoch selbstbewusst antreten. Dass sie einen völlig überzeugenden Semi-Hollow-Sound bietet, hat eigentlich ganz logische Gründe: ein solcher Sound braucht einfache Zutaten, die hier offensichtlich vorhanden sind. Egal, ob wir von günstigen oder teuren semi-akustischen Gitarren sprechen, entscheidend für den Klang ist hier die hohle Bauweise, und diese bekommt man heutzutage schon für „kleines” Geld. Außerdem wird der Korpus sowohl bei einer Gibson ES-335 als auch bei der vorliegenden Epiphone aus laminiertem Holz gebaut, also spielen hier teure Hölzer ebenfalls keine Rolle.

Die Dot überrascht bereits unplugged mit einem lauten, ausgewogenen und dynamischen Klang, der genau die richtigen Charakteristiken aufweist: warme Höhen und ein leichter, durchaus musikalischer „Midrange Honk”. Man sagt nicht umsonst, dass keine Solidbody den Klang einer Hollowbody wirklich reproduzieren kann, und das hört man am besten im Clean-Kanal. Die Epiphone liefert wunderbar warme und komplexe Töne, die gleichermaßen für Rhythmus-Arbeit wie Solo-Linien geeignet sind. Cleane und angezerrte Akkorde à la Beatles oder Tom Petty gehören genau so zu ihren Spezialitäten wie fette, bluesige Melodien, die z.B. den Stil von B.B. King schon nach wenigen Noten unverkennbar machen. Ach ja: Jazz kann sie auch, sehr gut sogar.

Und etwas rockiger kann es mit der Epiphone ebenfalls angehen, auch wenn sie natürlich keine Heavy-Metal-Maschine ist. Der warme, etwas „lose“ Charakter der Gitarre bleibt mit Distortion zum größten Teil erhalten. Das kann für manche Genres wie Rock’n’Roll, Blues oder Britpop genau das Richtige sein. Tighte Hard Rock-Riffs sind dagegen nicht unbedingt die Stärke einer Hollowbody. Und in diese Richtung geht eigentlich mein einziger klanglicher Kritikpunkt an der Epi: sie könnte etwas klarer, aufgeräumter klingen. Solche Nuancen haben tatsächlich mit den Pickups, der Elektronik, der Hardware und nicht zuletzt dem verwendeten Lack zu tun. Und es wäre gelogen zu behaupten, dass eine Gibson 335 nicht wirklich besser als unsere Testkandidatin klingt, denn die amerikanischen Vorbilder haben i.d.R. eine etwas feiner dosierte Mischung aus Wärme und Klarheit. Wenn man allerdings den enormen Preisunterschied zwischen Gibson und Epiphone bedenkt, dann steht die Epiphone in ihrer Sparte doch richtig, richtig gut da.

Verarbeitung

Wäre man wegen des Namens auf der Kopfplatte nicht voreingenommen, so könnte man wohl denken, dass die Epiphone Dot deutlich mehr kostet, als wirklich der Fall ist. Die aufwändige Vintage Sunburst Hochglanz-Lackierung, das Doppel-Binding am Korpus und die F-Löcher sorgen für einen gelungenen Auftritt. Die gute Nachricht ist, dass die tolle Optik durch wirklich gute Verarbeitung unterstützt wird. Bis auf ein paar winzige Stellen um die F-Löcher ist die Lackierung sauber ausgeführt und die Bundkanten sind sorgfältig abgerundet. Die bewährten Grover-Mechaniken sind tip-top und sogar die elektronischen Komponenten (Pickups, Potis, Schalter) überzeugen durch gute Qualität und einwandfreie Funktionalität.

Dass bei diesem Preis an manchen Stellen doch gespart werden muss, sollte niemanden überraschen. Der Sattel ist aus Plastik und in der Breite nicht genau an das Griffbrett angepasst, auch wenn die Kerben präzise gearbeitet sind. Ein weiterer Kritikpunkt geht an die Tune-o-Matic Bridge der Epiphone, die konstruktionsbedingt zum Klirren neigt. Außerdem sind die maschinell gekerbten Saddles ziemlich scharfkantig und könnten Probleme bezüglich Stimmstabilität verursachen. Bei der vorliegenden Gitarre ist zwar zum Glück alles in Ordnung, aber nicht selten habe ich Epipohnes begutachten dürfen, bei denen die gleiche Hardware häufiges Saitenreißen verursacht hatte.

Und noch eine letzte Warnung: die Epiphone ist – genau wie die meisten Hollowbody-Gitarren – nicht besonders reparaturfreundlich. Das liegt daran, dass diese Bauweise über keinen E-Fach-Deckel verfügt. Der einzig mögliche Zugang zu den elektronischen Bauteilen ist also durch das F-Loch, und somit wird jede Reparatur oder Modifikation in diesem Bereicht zum Geduldsspiel. Selbst ein „einfaches” Tonabnehmer-Upgrade erfordert ein komplettes Ab- und Zusammenmontieren der ganzen Elektronik (Potis, Buchse und Schalter).

Fazit

Zu der Epiphone The Dot passt der Spruch: take it or leave it! Man muss sie mögen, und zwar genau so, wie sie ist: ein wenig klobig im Handling, aber dennoch elegant; nicht optimal als Basis für spätere Modifikationen, aber trotzdem sehr stimmig im Werkszustand. Wenn man allerdings unbedingt den Semi-Hollow-Sound haben möchte, dann sprechen letztendlich keine ernsthaften Argumente gegen die Epi: die Bespielbarkeit und Verarbeitung sind für diesen Preis erstaunlich gut. Und klanglich kann sie sogar mit weitaus teureren Kollegen mithalten.