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Guitar Talk mit Dave Sustain

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Guitar Talk mit Dave Sustain

Mihai Curteanu

Dave, du bist oft als Gitarrist auf Tour mit deiner Band, du hast deine eigene Gitarrenwerkstatt und gibst Gitarrenunterricht… habe ich etwas vergessen?

Dave: Ich schreibe noch Artikel für „Gitarre & Bass”.

Dave Sustain - Gitarrist und Gitarrentechniker aus Münster

Ach ja, stimmt!... Wenn du von diesen vier Jobs nur einen machen dürftest, welchen würdest du wählen?

Dave: Auf jeden Fall die Band! Ich bin vor allem Band-Player und Musiker.

Mutige Antwort, oder?

Dave: Ja, es ist Überzeugungssache. Ich meine, alles, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, hat ja eigentlich darauf abgezielt, genau das machen zu können. Ich habe diese Werkstatt, um so flexibel zu sein, um mit der Band unterwegs sein zu können, wenn z.B. eine Touranfrage kommt. So kann ich einfach sagen: „Alles klar, wann geht’s los?”. Die Artikel für „Gitarre & Bass” kann ich auch schreiben, wann es mir passt. Nur mit dem Gitarrenunterricht ist es ein bisschen schwierig, aber ich habe sehr coole Schüler, und mit denen kann ich die Stunden entspannt schon zurecht legen.

Muss man als Berufsmusiker Kompromisse machen oder einfach sehr flexibel sein?

Dave: Ich mache die ganzen anderen Jobs, um von der Musik eben nicht abhängig zu sein. Das ist mir persönlich wichtig, um keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich will musikalisch und künstlerisch genau das machen, worauf ich Bock habe. Ich muss nicht in den Charts landen, dafür aber immer für mich wissen: ich mache gerade die Musik, die ich gerne hören würde, die ich von mir gerne hören würde und die mir am meisten Spaß macht. Ich war mittlerweile in fast 30 Ländern der Welt, und das wäre ohne Band nicht passiert. Diese Lebenserfahrung und Freude und Leute, die man kennenlernt, das ist einfach cool und macht so viel Spaß, und dafür nimmt man auch die Tatsache in Kauf, dass man mit der Sache nicht reich wird.

Es klingt, als würdest du nicht viele Kompromisse machen müssen…

Dave: Ja, doch, ich mache sehr viele Kompromisse. Aber nicht, wenn es um die Musik geht!

Was ist das Spannende daran, ausgerechnet Gitarrist zu sein?

Dave: Das hängt natürlich immer damit zusammen, mit welcher Musik man aufwächst. Es hat auch mit dem Freundeskreis viel zu tun und mit dem, was man von zu Hause mitbekommt, und so wächst man einfach rein. Ich finde die Gitarre mega-cool und finde die Stimmung, die man mit Akkorden erzeugen kann, manchmal echt abgefahren. Leute, die mit Akkorden, Voicings oder Umkehrungen umgehen können, feiere ich total ab!

Das kann man aber theoretisch auch mit dem Keyboard machen…

Dave: [lacht] Das stimmt, aber das Keyboard hat kein Tremolo! Ich bin jahrelanger Pink Floyd-Hörer, und Akkorde mit Tremolo finde ich mega-cool. Das Keyboard hat auch kein Vibrato. Die Gitarre, genau wie das Saxophon, ist ein sehr vokales Instrument, du bist sehr nah an der menschlichen Stimme. Mit der Geige geht das z.B. auch, aber dagegen hat die Gitarre wesentlich mehr Dynamik.

So, das waren die „schweren“ Fragen, lass uns jetzt über Gitarren quatschen. Welche spielst du am liebsten?

Dave: Ich spiele am liebsten natürlich meine eigenen Helliver Custom-Gitarren. Zum einen aus Überzeugung, und wirklich, weil ich bisher für meine Sound- und Ergonomievorstellungen nichts Besseres gefunden habe.

Du hast diese Gitarren mitentwickelt?

Dave: Ja, genau. Body- und Halsshaping haben wir angepasst, das Tremolo natürlich kam dazu… da ist nichts an der Gitarre, was nicht durchdacht ist.

Könntest du dir vorstellen, mit einer günstigen Gitarre, wie z.B. einer Squier oder Epiphone einen Gig zu spielen?

Dave: Auf jeden Fall. Davon abgesehen, dass es viele gute günstige Gitarren gibt, kann ich mir vieles – vor allem was Ergonomie angeht - hier gut zurecht biegen. Ob sie gut klingt, ist eine andere Frage. Viel kommt sowieso aus den Fingern.

Du bist also keiner, der sagt: „meine Gitarre, mein Kabel, mein Amp”…

Dave: Ich finde es cool, wenn ich das alles habe, aber ich bin darauf nicht hundertprozentig angewiesen. Es gibt ja manchmal Flug-Gigs, wo ich natürlich meine Gitarre mitnehme, aber sonst habe ich nur einen kleinen Koffer dabei, wo zwei Zerrer drin sind, Delay, Reverb und das war’s – funktioniert auch. Ich finde es auch immer ganz interessant, sich zurückzunehmen. Ich habe sonst schon gutes Equipment eigentlich. Ich hatte z.B. einen Gig gespielt, wo ich die MIDI-Leiste, mit der ich den Amp und die Effekte umschalte, vergessen habe. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Amp auf Zerre zu schalten, ein leichtes Delay dazu, und den Rest über Potis und Schalter aus der Gitarre zu machen. Solche Umstellungen sind nicht nur interessant, sondern auch ein gutes Training. Wenn irgendwas fehlt oder kaputt geht, muss das ja nicht negativ sein. Es ist eine neue Situation, du hast die und die Voraussetzungen, das und das kannst du machen. Da muss man durch.

Das bringt uns zur nächsten Frage: welches Teil deines Equipment ist eigentlich für dich unverzichtbar?

Dave: Bei einem Gig gibt es sehr viele Faktoren. Die Band muss in sich stimmen, der Typ am Pult muss Bock haben, dann ist, denke ich, alles gut. Aber wenn ich mir ein Equipmentteil aussuchen müsste, dann wäre es wohl die Gitarre. Das ist der erste Berührungspunkt, damit fängt alles an. Damit arbeitest du, und es ist das, was du am besten kennst, an jeder Ecke und jeder Facette. Ich würde die Gitarre nehmen, definitiv.

Welche Saiten und Plektren benutzt du?

Dave: Früher war es mir alles ziemlich egal, was Saiten anging. Mittlerweile bin ich bei DR-Strings gelandet und spiele das 11-50er Set. Die haben einen runden Kern und sind bei gleicher Stärke wesentlich obertonfreundlicher, schwingen besser aus und haben etwas mehr Sustain als andere Marken. Echt abgefahren, es war ein richtiger Aha-Effekt!

Das sind ziemlich dicke Saiten für Standard-Tuning. Warum die Stärke?

Dave: Der Ton ist fetter und stabiler. Ich mag es, wenn der Bassbereich soundtechnisch sehr stabil ist, und das kriege ich mit diesen Saiten am besten hin. Also viel Fundament, aber sehr klar. Ich mag es nicht, wenn es wabert oder diffus wird. Man muss natürlich ein bisschen kämpfen, vor allem bei schnelleren Sachen, aber sonst finde ich die sehr, sehr geil.

Und Plektren?

Dave: Plektren, momentan und eigentlich schon relativ lange diese Jazz III XL. Die haben eine sehr definierte Spitze, und so kommt relativ fix der Ton und sonst nichts. Das finde ich ganz cool. Was ich auch geil finde, sind die Primetone-Picks: die sind zwar sehr dick (3mm) haben aber auch eine sehr definierte Spitze und klingen noch ein bisschen glasiger.

Was macht für dich einen guten Gitarrensound insgesamt aus?

Dave: Sehr gute Frage! Ich finde Sounds cool, die sich im Bandkontext gut einfügen. Jedes Bandmitglied will irgendwie fett klingen, klar, aber das Problem ist: wenn jeder fett klingt, klingt die Band scheiße! Das heißt, jeder muss seine Lücke und seine Frequenzen suchen, wo der andere nicht gerade unterwegs ist, und so kriegt man gemeinsam einen geilen Bandsound hin. Und das deklariert für mich einen coolen Gitarrensound. In sich muss er natürlich auch stimmen, also wenn man ihn alleine hört, darf er nicht dünn klingen oder zusammenbrechen, aber er muss im Bandkontext passen.

Besser kann man’s nicht sagen! Ich habe eigentlich nur noch eine Frage: was würdest du einem jungen Gitarristen, der gerade seine ersten musikalischen Versuche unternimmt, mit auf den Weg geben?

Dave: Wenn er alleine unterwegs ist, dann würde ich ihm sagen: versuch auf jeden Fall eine Band zu finden oder zu gründen! Ich merke das auch bei vielen meiner Gitarrenschüler: alleine sind sie echt gut, aber es fehlt ihnen die Kommunikation. In einer Band lernt man, abgesehen von der musikalischen Entwicklung, sich als Gruppe zu organisieren. Das ist eine Erfahrung, die man als Musiker und als Mensch auf jeden Fall machen sollte. Es ist auch etwas, was man z.B. seinen Gitarrenschülern nicht beibringen kann. Du kannst keinem beibringen, wie man in einer Band agiert und wie oder wann man sich zurücknehmen muss. Du kannst nicht in einem 5-Minuten-Song 4 Minuten Solo spielen, das macht selbst Steve Vai nicht. Man muss immer gucken, was ist für die Band am besten und was ist für den Song am besten.