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Corsa LCPG

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Corsa LCPG

Mihai Curteanu

Es dürfte für die meisten Blues- und Rock-Fans schon längst kein Geheimnis mehr sein, dass Peter Greens legendärer Gitarrenton immer wieder mit einer gewissen 1959er Gibson Les Paul Standard in Verbindung gebracht wird. Diese eine Gitarre, die in den Händen von Peter Green und später Gary Moore Rockgeschichte geschrieben hat, genießt heute einen absoluten Kultstatus. Was war daran aber so besonders und warum klang sie so einzigartig? Laut den meisten Gerüchten wurden angeblich während einer Reparatur die Magnete des Halspickups versehentlich umgekehrt installiert. Durch diesen Polaritätswechsel entstand zwischen beiden Pickups ein „out-of-phase”-Effekt – genau der Sound, den man z.B. von „Peter Green’s Fleetwood Mac” kennt.

Laut meiner aktuellsten Recherche stimmt diese Geschichte allerdings nicht so ganz. Vor vielen Jahren, als die berühmte „Greenie’s Les Paul” Gary Moore gehörte, wurde das Instrument gründlich untersucht. Der umgekehrt eingebaute Tonabnehmer-Magnet war vorhanden, aber es konnten keine Spuren äußerer Interventionen festgestellt werden. Man geht also davon aus, dass der seltsame, extrem selten auftretende Fehler bereits im Gibson-Werk passiert sein muss. Was für ein verrückter Zufall, dass genau diese Gitarre den Weg zu Peter Green gefunden hat und zu seiner Stimme geworden ist!

Was hat jetzt diese Geschichte mit unserem Testbericht zu tun? Eigentlich jede Menge. Der amerikanische Gitarrenbauer Larry Corsa (Gründer von Corsa Guitars) hat sich den Peter Green-Ton zum Lebensziel gemacht. Seine Instrumente werden in reiner Handarbeit im US-Bundesstaat Pennsylvania gebaut und gehören zu den absoluten Geheimtipps der Les Paul-Szene. Angeblich bietet eine Corsa den „besten Ton, den es jemals von einer Solid-body Humbucker-Gitarre gab”. Und das noch zu einem erschwinglichen Preis. Auch wenn man den typisch amerikanischen Enthusiasmus abzieht, ist das immer noch eine verdammt mutige Aussage.

Ausstattung

Ich komme direkt zur Sache, denn es gibt viel Interessantes über die Bauweise der Corsa LCPG zu berichten. Unter dem Les Paul-ähnlichen Look verstecken sich nämlich ein paar ganz besondere Features.

Dass der Korpus aus Mahagoni besteht, dürfte niemanden überraschen. Einen einteiligen Mahagoni-Body wie bei der Corsa LCPG findet man dagegen eher selten (z.B. bei Gibson Les Paul Modellen aus dem Custom Shop). Im Gegensatz zu traditionellen Les Pauls ist die Corsa „gechambered” – das reduziert das Gewicht und verhilft der Gitarre zu einer intensiveren akustischen Resonanz. Das Schwingungsverhalten scheint für Larry Corsa ohnehin eine absolute Top-Priorität zu sein, und dafür ist der Gitarrenbauer bereit, sogar auf eine Hochglanz-Lackierung zu verzichten (diese kann als Option gewählt werden, allerdings lediglich für die Decke). Die LCPG wird also mit einer extrem dünnen Lackschicht versehen, die die offenporige Mahagoni-Holzstruktur uneingeschränkt schwingen lässt.

Der matte NTN-Finish („next to nothing”) verleiht den Hölzern eine natürlich warme, wenn auch unauffällige Erscheinung. So kann man z.B. leicht übersehen, wie schön gemasert die einteilige (!) Ahorndecke ausfällt. Als ich mir die Spezifikationsliste genau anschaue, wird schnell klar, dass hier nur Komponenten bester Qualität ausgewählt wurden: dunkles Palisander-Griffbrett, Tusq-Sattel, Faber Mechaniken und Faber Locking Bridge mit ebenfalls arretierbarem Aluminium-Stopbar. Solch hochwertige Hölzer und Hardware verlangen eine adäquate Übertragung. Dafür sorgen die Manalishi PAF-Tonabnehmer, die mit vier 500K CTS Potis und Orange Drop Ton-Kondensatoren verdrahtet sind.

Alles in allem kann man hier getrost schon mal die erste Bilanz ziehen: die Features dieser Gitarre liegen mindestens auf Augenhöhe mit Gibson Custom Shop Les Pauls. Kosten tut die Corsa trotzdem nicht mehr als eine Les Paul Standard.

Handling & Bespielbarkeit

Dank gechamberten Korpus’ wiegt unsere Testgitarre nur 3,5 Kg – weniger kann man von einer Les Paul gar nicht erwarten. Oder doch? Manche andere Corsa-Modelle können bis zu unglaubliche 3,0 Kg wiegen! Das geringe Gewicht zusammen mit der offenporigen Lackierung ergeben in der Summe eine wunderbar angenehme Haptik. Wer sich also von dem matten Look nicht unbedingt begeistern lässt, braucht die LCPG nur in die Hand zu nehmen. Spätestens dann bekommt man garantiert einen anderen Eindruck.

Besonders gut gefällt mir das Halsprofil: es fängt am Sattel mit einer moderaten, leicht abgeflachten C-Form an und wird zunehmend dicker und runder. Die matte Halsrückseite fühlt sich wunderbar an und erleichtert vor allem das Solospiel erheblich. Erwähnenswert ist auch die leicht abgerundete Korpusecke neben dem Halsfuß – diese durchdachte „Kleinigkeit“ verbessert den Les Paul-typischen, gewöhnungsbedürftigen Zugang zu den hohen Lagen spürbar. Weitere Modifikationen, – oder besser gesagt Optimierungen – die Larry Corsa vorgenommen hat, betreffen den Hals-Korpus-Winkel („neck angle”) und den Kopfplattenwinkel: beides fällt bei der LCPG etwas flacher aus als bspw. bei einer Gibson Les Paul. Und das alles zeigt Wirkung: der moderate Kopfplattenwinkel, der selbstschmierende Tusq-Sattel und die verriegelbare, präzise verarbeitete Faber-Hardware tragen zusammen zu einer fantastischen Stimmstabilität bei.

Alles schön und gut soweit, doch bei den Bünden gibt es den ersten und wahrscheinlich einzigen Wermutstropfen. Die Frets der Corsa werden über dem Binding installiert, was insofern spielerische Vorteile hat, als man einfach mehr Spielraum bis zum Rand zur Verfügung hat. Dadurch spürt man allerdings auch die Bundkanten deutlicher, und hier muss ich ganz ehrlich sagen: sie sind nicht besonders sorgfältig abgerundet worden. Dieser Zustand ist zwar nicht dramatisch und würde vielen Gitarristen vermutlich gar nicht erst auffallen, aber es muss natürlich erwähnt werden.

Die Bespielbarkeit ist ansonsten sehr gut, und die hohen Bünde sorgen für müheloses Bending. Das Saitenscheppern hält sich ebenfalls im Rahmen und die Saitenlage fühlt sich in allen Lagen gleichmäßig an. Lediglich in der Nähe des Sattels (also im 1. und 2. Bund) kommt mir das Spielen nicht ganz locker vor. Das liegt an den Sattelkerben der Basssaiten, die für meinen Geschmack ein wenig zu hoch angesetzt sind. Ob das tatsächlich Absicht war, kann ich nicht sagen. Das würde sich zum Glück von einem Gitarrenbauer innerhalb weniger Minuten optimieren lassen.

Sound

Noch bevor die Testgitarre angekommen ist, habe ich über Corsa Guitars recherchiert und war ein wenig konfus: was haben Chambering und NTN-Finish mit dem Out-of-Phase-Ton zu tun? Um ehrlich zu sein, war ich skeptisch, ob es da überhaupt eine Verbindung gibt. Sobald ich die Corsa LCPG ausgepackt und ihre ersten akustischen Töne gehört hatte, war mir gleich klar, dass Larry Corsa genau weiß, was er tut. Die Gitarre weist nämlich unplugged eine leicht nasale und trotzdem offene, holzige Stimme auf. Das mag verrückt klingen, aber für mich ähnelt schon der unverstärkte Klang der Corsa dem Peter Green-Sound, und zwar ganz deutlich.

Unter Strom wird es noch besser. Die relativ unbekannten Manalishi-Pickups spielen ohne Zweifel in der obersten Liga der PAF-Repliken und liefern ein überraschend lautes und dennoch klares Signal, das den Amp nicht zu schnell übersteuert. Die besonderen akustischen Eigenschaften der Gitarre werden konsequent umgesetzt: die Corsa beeindruckt am Verstärker mit auffälliger, singender Midrange, einer ungemein offenen Qualität und beachtlicher Dynamik. In der mittleren Schalterposition sind die Tonabnehmer „out-of-phase“ verdrahtet, und hier betritt man sofort das Peter Green-Land.

Man sollte diese ganze Diskussion über Greenie’s Sound natürlich nicht allzu ernst nehmen, denn so zu klingen schafft nur Peter Green selbst – und das sogar mit so gut wie jeder Gitarre. Zu erwarten, dass man die Corsa einstöpselt und plötzlich „Need Your Love So Bad“ oder „Black Magic Woman“ eins-zu-eins reproduzieren kann, wäre unrealistisch – um es mal ganz diplomatisch auszudrücken. Vielmehr findet man in dieser Gitarre ein Werkzeug, um ähnliche wie die o.g. Sounds zu kreieren, denen man letztendlich seinen eigenen Ausdruck verleiht. Und in diesem Sinne muss ich gestehen, dass ich bisher noch keine Gitarre gehört habe, die einen besseren Job macht. Und selbst wenn man mit Peter Green nicht viel anfangen kann, bleiben einem immer noch die Bridge- und Hals-Positionen, die unschlagbar gute Les Paul-Klänge abfeuern.

Ach ja: der Sustain ist phänomenal. Und wieder ist es schwer zu sagen, in welchem Maß das dem Chambering, dem hauchdünnen Finish oder der Faber-Hardware zu verdanken ist. Schließlich muss man auch nicht alles erklären können – lieber einfach genießen.

Verarbeitung

In der Online-Beschreibung des LCPG-Modells betont Herr Corsa, dass Sound und Bespielbarkeit Priorität haben vor einer perfekt verarbeiteten Gitarre. Nicht, dass die LCPG nicht gut verarbeitet wäre, aber kleine Imperfektionen sind eben doch vorhanden. Wie bereits angedeutet sind die Bundenden nicht optimal abgerundet. Außerdem gibt es hier und da (z.B. am Binding oder am Sattel) tatsächlich Stellen, die sich rau anfühlen und nicht für die allergrößte Sorgfalt bei der Herstellung sprechen.

Wenn man allerdings bedenkt, welche hervorragenden Features man für das Geld bekommt, dann wäre es einfach unfair, sich laut zu beschweren. Trotzdem muss ich das erwähnen: wer eine makellos verarbeitete Gitarre sucht, die schön glänzt und optisch begeistert, ist mit der Corsa wahrscheinlich weniger gut bedient. Allein beim Kopfplattendesign werden die Meinungen sowieso stark auseinander gehen.

Fazit

Schon wieder habe ich mit der Länge des Testberichtes überzogen. Zeit die Bilanz zu ziehen: was bleibt bei der Corsa hängen? Zum einen die inneren Werte (Hölzer und Konstruktion), die ohne Wenn und Aber mit denen einer Gibson Custom Shop vergleichbar sind. Dann der Sound. Nicht nur verblüffend authentische Klänge à la Peter Green sind vorhanden. Hier bekommt man einfach Vintage-orientierte Les Paul-Sounds erster Güte.

Ist die Corsa die bestklingende Gitarre, die ich je gehört habe? Wahrscheinlich nicht, aber definitiv eine der allerbesten. Und auf diese Frage wird sowieso jeder Gitarrist eine andere Antwort haben. Was jedoch fest steht: die LCPG bietet – trotz kleiner Abzüge beim Fit & Finish – unglaublich viel Gitarre für das Geld.