Contact Us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right. 

Staigerstr. 7
70499 Stuttgart
Germany

+49 172 6937722

Gitarrenunterricht und Ukulele-Unterricht in Stuttgart | Kurse, Workshops und Events für Anfänger und Fortgeschrittene | Lernen Sie Gitarre, Bass oder Ukulele!

Gitarren-Blog-Thumb.jpg

Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Filtering by Category: Gitarren-Mythen

Gitarren-Mythen: teure Gitarren klingen besser

Mihai Curteanu

Obwohl teure Gitarren tatsächlich selten schlecht klingen, kann man diese Aussage guten Gewissens als Mythos einordnen. Um zu beweisen, dass der Klang einer Gitarre nicht wirklich vom Preis abhängig ist, müssen wir genauer analysieren, welche Faktoren den Gitarrensound eigentlich ausmachen.

Die Beatles sind dafür bekannt, Epiphone und Höfner-Gitarren gespielt zu haben. Diese waren damals zwar gute Instrumente, aber deutlich günstiger als z.B. Gibson-Gitarren.

Man muss sich zunächst unbedingt klar machen, dass eine Gitarre nicht von alleine „klingt”, d.h. ihre Klangeigenschaften sind relativ. Dieselbe Gitarre wird nämlich in den Händen verschiedener Gitarristen und natürlich über verschiedene Amps völlig unterschiedlich klingen. Ein guter Gitarrensound ist also eine sehr subjektive Geschmackssache, deshalb ist der Preis einer Gitarre überhaupt keine Garantie dafür, dass das Instrument auch das Richtige sein wird bzw. den eigenen Geschmack treffen wird.

Zugegeben: erfahrene Gitarristen spielen selten billige Instrumente, und das hat einen einfachen Grund: die Qualität. Die Qualität spiegelt sich teilweise im Sound und in der Bespielbarkeit wieder, und deshalb haben teure Gitarren oft auch klangliche Vorteile, aber eine Regel kann man daraus immer noch nicht machen. Zwischen einer Supermarkt-Gitarre für 100 Euro und einer vernünftigen Anfängergitarre für z.B. 250 Euro gibt es so gut wie immer einen klaren Sprung in jeglicher Hinsicht: Qualität, Bespielbarkeit, Klang usw. Dagegen gibt es in der Preisklasse von 250 bis 500 Euro und sogar über 500 Euro kaum Unterschiede, wenn man weiß, wie man eine gute Gitarre aussucht.

Jimmy Page hat am Anfang seiner Karriere auf mehreren Alben eine Fender Esquire benutzt (damals die günstigste Fender überhaupt) und später bei Led Zeppelin oft eine Danelectro.

Erst ab ungefähr 1000 Euro passiert wieder etwas, denn hier haben wir es langsam mit Profi-Gitarren zu tun. In diesem Bereich kann man wohl eine Gitarre fürs Leben finden, außer man sucht etwas ganz Besonderes. „Dank” gewinnorientierter Marketingstrategien sind mittlerweile besondere Features immer öfter mit einem sehr hohen Preis verbunden. Das Gleiche gilt für sehr teure Boutique-Gitarren: diese Instrumente sind so teuer, weil sie ganz besonders sind, in Handarbeit hergestellt werden und meistens nach genauen Kundenwünschen gebaut oder daran angepasst werden. Dadurch klingen diese Gitarren aber nicht unbedingt besser. Zwischen einer 1000 Euro- und einer 3000 Euro-Gitarre kann also oft von klanglichen Abstufungen keine Rede sein; für viele Gitarristen könnte sogar die erstere besser klingen.

Jack White spielt bis heute u.a. sehr günstige Airline-Gitarren.

Warum gibt es dann trotzdem ganze Armeen von Gitarristen, die auf die teuersten Gitarren schwören und behaupten, nichts klänge so gut wie eine Gibson Custom Shop, Collector’s Choice, True Historic oder eine Fender Custom Shop Relic, Masterbuilt oder was auch immer? Nun, das hat wieder mit ganz persönlichen Vorlieben, aber auch mit Vorurteilen und Psychoakustik zu tun. Man sagt nicht umsonst, dass viele Menschen „mit den Augen” hören: wenn man etwas Tolles sieht und weiß, dass es sehr teuer ist, dann bildet man sich automatisch ein, es wird auch ganz toll klingen. Unser Gehirn beeinflusst unsere Wahrnehmung, und so denken wir plötzlich, dass wir ohne diese 5000 Euro Les Paul Custom Shop nicht mehr leben können… In einem Blindtest hätte man sich vielleicht gegen die ganz teure Gitarre entschieden und z.B. eine Les Paul Studio für 1200 Euro gekauft.

Elliott Smith wurde seine ganze Karriere hindurch von einer Yamaha-Akustikgitarre begleitet.

Wir kommen zurück zu unserem Mythos: nein, teure Gitarren klingen nicht wirklich besser, auch wenn sie oft mehr Qualität und besondere Features zu bieten haben. Sie machen auch niemanden zum besseren Musiker. Besser klingt das, was unserem Gehör gefällt, und das kann manchmal eine günstige oder einfach preiswerte Gitarre sein. Nicht selten in der Rockgeschickte wurden legendäre Platten mit ganz normalen oder sogar billigen Gitarren eingespielt, die in den Händen von sehr guten Gitarristen fantastisch klingen können. Am wichtigsten ist es also, mit den Ohren und nicht „mit den Augen” zu hören und ehrlich zu sich selbst zu sein bezüglich dessen, was man an einer Gitarre wirklich braucht.

Gitarren-Mythen: dicke Saiten klingen besser

Mihai Curteanu

„Je dicker die Saiten, umso besser der Sound” – dieser Mythos scheint seit mehreren Jahrzehnten unter Gitarristen immer noch recht verbreitet zu sein. Aber stimmt das wirklich? In diesem Fall ist die Antwort ziemlich offensichtlich: Nein, dicke Saiten klingen nicht besser, nur anders.

Warum steht das eigentlich gar nicht zur Debatte? Nun, man kann sicher davon ausgehen: klängen harte Saiten wirklich besser, hätten das im Laufe der Rockgeschichte solche Typen wie Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Jimmy Page bestimmt auch mitbekommen. Wir schauen uns einfach die Liste der 100 besten Gitarristen aller Zeiten (laut Rolling Stone Magazine) an und die Gitarrensaiten, die diese Musiker benutzt haben.

Jimi Hendrix

  • Jimi Hendrix hat meistens folgende Saitenstärken gespielt: .010, .013, .015, .026, .032 und .038. Das entspricht heute einer Mischung aus 8er- und 10er-Saiten. Außerdem wird oft berichtet, er habe auf unkonventionelle Art mit Einzelsaiten experimentiert (z.B. eine dünne E- an der Stelle der B-Saite aufgezogen), um die Bespielbarkeit seiner Stratocaster beim Bending zu erleichtern.
  • Eric Clapton: 10er-Saiten (10-46)
  • Jimmy Page: 9er-Saiten (9-42); früher 8er-Saiten (8-38)
  • Keith Richards: 10-46
  • Jeff Beck: 10-48; früher 9-46
  • B.B. King: 10-54
  • Chuck Berry: 8er-Saiten
  • Eddie Van Halen: 9-40
  • Duane Allman: 10-46
  • Pete Townshend: 10-52

Eric Clapton

Weitere Beispiele: Ritchie Blackmore (10-42); Carlos Santana (9,5-43); Brian May (9-42); David Gilmour (10-48); Billy Gibbons (8-40 oder 7-38(!)); Angus Young (9-42); Steve Lukather (9-42); Alex Lifeson (9-46) etc.

So langsam wird es klar: die Rockgeschichte wurde mit normalen und nicht mit harten Gitarrensaiten geschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen wie Stevie Ray Vaughan, Dick Dale oder Joe Bonamassa spielt fast kein berühmter Gitarrist stärkere als 10er-Saiten. Überraschend ist eigentlich, wie viele legendäre Rockplatten mit 8er-Saiten eingespielt wurden.

Jimmy Page

Und trotzdem: jeder darf natürlich seine eigene Wahl treffen, und 11er- oder 12er-Saiten müssen nicht unbedingt schlecht sein, aber sie sind keinesfalls besser als 9er- oder 10er. I.d.R. haben harte Saiten tatsächlich etwas mehr Output als die dünnen, aber gleichzeitig auch weniger Höhen und Obertöne. Der Hauptnachteil ist ganz klar die erschwerte Bespielbarkeit, insbesondere beim Solospiel mit viel Saiten-Bending. In aller Ehrlichkeit: kaum jemand kann wirklich wie Stevie Ray Vaughan mit Monster-Saiten umgehen. Sein intensives Gitarrenspiel ist legendär und seine Fingerkraft einzigartig.

Zwar haben dünnere Saiten ihre physikalisch unvermeidlichen Nachteile (z.B. geringere Stimmstabilität oder problematische Intonation), dafür lassen sie sich deutlich leichter bespielen und unterstützen das Bending und das Finger-Vibrato. Da die Gitarre – wie jedes andere Musikinstrument übrigens auch – sowieso nicht perfekt ist, zählt am Ende die Musik, die man damit kreieren kann, mehr als die Sound-technischen Details des kreativen Vorgangs. Es ist also eine „Geben und Nehmen”-Situation, bei der meistens das Song-dienliche Spielgefühl über die Saitenwahl entscheidet. Wer dicke Saiten für einen lauteren und „fetteren Sound” haben möchte, vergisst wohl, dass es zu solchen Zwecken schließlich auch noch entsprechende Regler am Gitarrenamp gibt.