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Gitarren-Blog

Gitarren-Blog: Testberichte zu Gitarren-Equipment, Interviews, Storys, Tipps u.v.m.

Gitarren-Mythen: teure Gitarren klingen besser

Mihai Curteanu

Obwohl teure Gitarren tatsächlich selten schlecht klingen, kann man diese Aussage guten Gewissens als Mythos einordnen. Um zu beweisen, dass der Klang einer Gitarre nicht wirklich vom Preis abhängig ist, müssen wir genauer analysieren, welche Faktoren den Gitarrensound eigentlich ausmachen.

Die Beatles sind dafür bekannt, Epiphone und Höfner-Gitarren gespielt zu haben. Diese waren damals zwar gute Instrumente, aber deutlich günstiger als z.B. Gibson-Gitarren.

Man muss sich zunächst unbedingt klar machen, dass eine Gitarre nicht von alleine „klingt”, d.h. ihre Klangeigenschaften sind relativ. Dieselbe Gitarre wird nämlich in den Händen verschiedener Gitarristen und natürlich über verschiedene Amps völlig unterschiedlich klingen. Ein guter Gitarrensound ist also eine sehr subjektive Geschmackssache, deshalb ist der Preis einer Gitarre überhaupt keine Garantie dafür, dass das Instrument auch das Richtige sein wird bzw. den eigenen Geschmack treffen wird.

Zugegeben: erfahrene Gitarristen spielen selten billige Instrumente, und das hat einen einfachen Grund: die Qualität. Die Qualität spiegelt sich teilweise im Sound und in der Bespielbarkeit wieder, und deshalb haben teure Gitarren oft auch klangliche Vorteile, aber eine Regel kann man daraus immer noch nicht machen. Zwischen einer Supermarkt-Gitarre für 100 Euro und einer vernünftigen Anfängergitarre für z.B. 250 Euro gibt es so gut wie immer einen klaren Sprung in jeglicher Hinsicht: Qualität, Bespielbarkeit, Klang usw. Dagegen gibt es in der Preisklasse von 250 bis 500 Euro und sogar über 500 Euro kaum Unterschiede, wenn man weiß, wie man eine gute Gitarre aussucht.

Jimmy Page hat am Anfang seiner Karriere auf mehreren Alben eine Fender Esquire benutzt (damals die günstigste Fender überhaupt) und später bei Led Zeppelin oft eine Danelectro.

Erst ab ungefähr 1000 Euro passiert wieder etwas, denn hier haben wir es langsam mit Profi-Gitarren zu tun. In diesem Bereich kann man wohl eine Gitarre fürs Leben finden, außer man sucht etwas ganz Besonderes. „Dank” gewinnorientierter Marketingstrategien sind mittlerweile besondere Features immer öfter mit einem sehr hohen Preis verbunden. Das Gleiche gilt für sehr teure Boutique-Gitarren: diese Instrumente sind so teuer, weil sie ganz besonders sind, in Handarbeit hergestellt werden und meistens nach genauen Kundenwünschen gebaut oder daran angepasst werden. Dadurch klingen diese Gitarren aber nicht unbedingt besser. Zwischen einer 1000 Euro- und einer 3000 Euro-Gitarre kann also oft von klanglichen Abstufungen keine Rede sein; für viele Gitarristen könnte sogar die erstere besser klingen.

Jack White spielt bis heute u.a. sehr günstige Airline-Gitarren.

Warum gibt es dann trotzdem ganze Armeen von Gitarristen, die auf die teuersten Gitarren schwören und behaupten, nichts klänge so gut wie eine Gibson Custom Shop, Collector’s Choice, True Historic oder eine Fender Custom Shop Relic, Masterbuilt oder was auch immer? Nun, das hat wieder mit ganz persönlichen Vorlieben, aber auch mit Vorurteilen und Psychoakustik zu tun. Man sagt nicht umsonst, dass viele Menschen „mit den Augen” hören: wenn man etwas Tolles sieht und weiß, dass es sehr teuer ist, dann bildet man sich automatisch ein, es wird auch ganz toll klingen. Unser Gehirn beeinflusst unsere Wahrnehmung, und so denken wir plötzlich, dass wir ohne diese 5000 Euro Les Paul Custom Shop nicht mehr leben können… In einem Blindtest hätte man sich vielleicht gegen die ganz teure Gitarre entschieden und z.B. eine Les Paul Studio für 1200 Euro gekauft.

Elliott Smith wurde seine ganze Karriere hindurch von einer Yamaha-Akustikgitarre begleitet.

Wir kommen zurück zu unserem Mythos: nein, teure Gitarren klingen nicht wirklich besser, auch wenn sie oft mehr Qualität und besondere Features zu bieten haben. Sie machen auch niemanden zum besseren Musiker. Besser klingt das, was unserem Gehör gefällt, und das kann manchmal eine günstige oder einfach preiswerte Gitarre sein. Nicht selten in der Rockgeschickte wurden legendäre Platten mit ganz normalen oder sogar billigen Gitarren eingespielt, die in den Händen von sehr guten Gitarristen fantastisch klingen können. Am wichtigsten ist es also, mit den Ohren und nicht „mit den Augen” zu hören und ehrlich zu sich selbst zu sein bezüglich dessen, was man an einer Gitarre wirklich braucht.

Gitarren-Mythen: dicke Saiten klingen besser

Mihai Curteanu

„Je dicker die Saiten, umso besser der Sound” – dieser Mythos scheint seit mehreren Jahrzehnten unter Gitarristen immer noch recht verbreitet zu sein. Aber stimmt das wirklich? In diesem Fall ist die Antwort ziemlich offensichtlich: Nein, dicke Saiten klingen nicht besser, nur anders.

Warum steht das eigentlich gar nicht zur Debatte? Nun, man kann sicher davon ausgehen: klängen harte Saiten wirklich besser, hätten das im Laufe der Rockgeschichte solche Typen wie Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Jimmy Page bestimmt auch mitbekommen. Wir schauen uns einfach die Liste der 100 besten Gitarristen aller Zeiten (laut Rolling Stone Magazine) an und die Gitarrensaiten, die diese Musiker benutzt haben.

Jimi Hendrix

  • Jimi Hendrix hat meistens folgende Saitenstärken gespielt: .010, .013, .015, .026, .032 und .038. Das entspricht heute einer Mischung aus 8er- und 10er-Saiten. Außerdem wird oft berichtet, er habe auf unkonventionelle Art mit Einzelsaiten experimentiert (z.B. eine dünne E- an der Stelle der B-Saite aufgezogen), um die Bespielbarkeit seiner Stratocaster beim Bending zu erleichtern.
  • Eric Clapton: 10er-Saiten (10-46)
  • Jimmy Page: 9er-Saiten (9-42); früher 8er-Saiten (8-38)
  • Keith Richards: 10-46
  • Jeff Beck: 10-48; früher 9-46
  • B.B. King: 10-54
  • Chuck Berry: 8er-Saiten
  • Eddie Van Halen: 9-40
  • Duane Allman: 10-46
  • Pete Townshend: 10-52

Eric Clapton

Weitere Beispiele: Ritchie Blackmore (10-42); Carlos Santana (9,5-43); Brian May (9-42); David Gilmour (10-48); Billy Gibbons (8-40 oder 7-38(!)); Angus Young (9-42); Steve Lukather (9-42); Alex Lifeson (9-46) etc.

So langsam wird es klar: die Rockgeschichte wurde mit normalen und nicht mit harten Gitarrensaiten geschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen wie Stevie Ray Vaughan, Dick Dale oder Joe Bonamassa spielt fast kein berühmter Gitarrist stärkere als 10er-Saiten. Überraschend ist eigentlich, wie viele legendäre Rockplatten mit 8er-Saiten eingespielt wurden.

Jimmy Page

Und trotzdem: jeder darf natürlich seine eigene Wahl treffen, und 11er- oder 12er-Saiten müssen nicht unbedingt schlecht sein, aber sie sind keinesfalls besser als 9er- oder 10er. I.d.R. haben harte Saiten tatsächlich etwas mehr Output als die dünnen, aber gleichzeitig auch weniger Höhen und Obertöne. Der Hauptnachteil ist ganz klar die erschwerte Bespielbarkeit, insbesondere beim Solospiel mit viel Saiten-Bending. In aller Ehrlichkeit: kaum jemand kann wirklich wie Stevie Ray Vaughan mit Monster-Saiten umgehen. Sein intensives Gitarrenspiel ist legendär und seine Fingerkraft einzigartig.

Zwar haben dünnere Saiten ihre physikalisch unvermeidlichen Nachteile (z.B. geringere Stimmstabilität oder problematische Intonation), dafür lassen sie sich deutlich leichter bespielen und unterstützen das Bending und das Finger-Vibrato. Da die Gitarre – wie jedes andere Musikinstrument übrigens auch – sowieso nicht perfekt ist, zählt am Ende die Musik, die man damit kreieren kann, mehr als die Sound-technischen Details des kreativen Vorgangs. Es ist also eine „Geben und Nehmen”-Situation, bei der meistens das Song-dienliche Spielgefühl über die Saitenwahl entscheidet. Wer dicke Saiten für einen lauteren und „fetteren Sound” haben möchte, vergisst wohl, dass es zu solchen Zwecken schließlich auch noch entsprechende Regler am Gitarrenamp gibt.

Typische Fehler im Umgang mit Gitarren: Saitenstärke wechseln

Mihai Curteanu

Natürlich ist es nicht verboten, die Saitenstärke zu wechseln. Gitarristen experimentieren damit ja immer wieder gerne und vor allem Anfänger tun es öfter, bevor sie sich endgültig für ein Set entscheiden. Der eigentliche Fehler besteht darin, die Saitenstärke zu wechseln ohne die Halsspannung zu beachten und ggf. neu zu justieren.

Wir sprechen hier natürlich von Stahlsaiten und Gitarren mit einstellbarem Halsstab (truss rod). Der Halsstab einer elektrischen oder akustischen Gitarre erfüllt eine entscheidende Funktion: den Saitenzug ausbalancieren und den Hals möglichst gerade halten. Dieses Gleichgewicht ist allerdings sehr empfindlich, und die Halskrümmung verändert sich oft von selbst wegen Temperatur- oder Feuchtigkeitsschwankungen. Wechselt man die Saitenstärke und somit den Saitenzug, so ändert sich automatisch auch die Halskrümmung. Was passiert, wenn man das nicht entsprechend korrigiert?

Verschiedene Saitenstärken (string gauges) für Western-Gitarre

  • Beispiel 1. Man möchte dünnere Saiten auf seiner Western-Gitarre aufziehen, damit sie sich leichter spielen lässt. Obwohl die Gitarre ab Werk 11er-Saiten drauf hat, kauft man einen 10er-Satz und bespannt damit die Gitarre, ohne den Halsstab neu zu justieren. Durch die dünneren Saiten wird sich der Hals entspannen bzw. sich leicht nach hinten biegen. Zwar wird die Saitenlage tiefer und somit die Bespielbarkeit leichter, jedoch führt das oft auch zu starkem Saitenscheppern.
  • Beispiel 2. Man hört von anderen Gitarristen, dickere Saiten klängen besser. So reift schnell der Plan, sich einen 11er-Satz für die E-Gitarre zu besorgen, obwohl diese ab Werk mit 9er-Saiten bespannt wurde. Der zusätzliche Zug der 11er-Saiten wird den Hals deutlich mehr nach vorne biegen. Daraus resultieren in den meisten Fällen folgende Probleme: sehr hohe Saitenlage, recht schwere Bespielbarkeit und schlechte Intonation.

Man darf allerdings nicht davon ausgehen, die Truss-Rod-Einstellung sei „ganz easy” und man könne das schnell im Youtube oder in seinem Lieblings-Gitarrenforum lernen. Damit kann man als Anfänger mehr falsch als richtig machen, und ein misslungenes Experiment kann mit einem unbespielbaren Hals enden. Ein solches Setup sollte man definitiv einem Fachmann überlassen. Ansonsten: am besten herausfinden, was für Saiten auf der Gitarre ab Werk waren und bei der gleichen Stärke bleiben.

Typische Fehler im Umgang mit Gitarren: Saiten zu selten wechseln

Mihai Curteanu

Dieses Problem betrifft vor allem Anfänger und ist eigentlich gut nachvollziehbar: die Saiten allein zu wechseln ist nicht einfach, wenn man es zum ersten Mal versucht oder nicht genau weiß, wie es geht. Um ganz ehrlich zu sein, die richtige Technik des Saitenwechselns beherrschen sogar manche fortgeschrittene Gitarristen nicht, denn auch hier gibt es einige Tricks (z.B. um die Stimmstabilität zu verbessern), die man nicht in Büchern oder Gitarrenforen findet. Und trotzdem: Saitenwechseln gehört zum Gitarrenspielen, und das sollte man möglichst früh lernen. Lasst es euch also von eurem Gitarrenlehrer oder einfach einem Gitarristen, dem ihr vertraut, beibringen. Üben muss man das sowieso selbst oft genug, bis man es richtig kann.

Sowohl bei Akustik- als auch bei E-Gitarren haben die Saiten einen maßgeblichen Einfluss nicht nur auf den Klang, sondern auch auf die Bespielbarkeit. Man kann durch die richtige Saitenwahl den klanglichen Charakter der Gitarre unterstützen oder leicht verändern. Je nach Spielweise können die Saiten auch das Spielgefühl verbessern bzw. manche Techniken erleichtern.

Um einen guten Gitarrensound zu behalten, müssen die Saiten regelmäßig gewechselt werden. Sie werden allein wegen der Luftfeuchtigkeit der Umgebung nach einiger Zeit ihre Klangeigenschaften verlieren. Natürlich ist vor allem das Gitarrenspiel mit einer unvermeidbaren Abnutzung der Saiten verbunden. Je nachdem, wie viel man spielt, bei welchem Klima die Gitarren gelagert werden und wie sehr man beim Spielen schwitzt, können die Saiten zwischen ein paar Wochen und mehreren Monaten halten. Manche Profis, die viel unterwegs spielen, wechseln ihre Saiten alle paar Tage oder sogar täglich. Das Gegenteil gibt es allerdings auch: gelegentliche Spieler, die z.B. beschichtete Saiten benutzen, haben manchmal nach mehreren Jahren immer noch brauchbare Saiten.

Schwarze Roststellen sind ein klares Zeichen: die Saiten müssen dringend gewechselt werden.

Spätestens, wenn schwarze Roststellen auf den Saiten auftauchen oder wenn sie zu „dumpf” klingen, ist es Zeit, sie zu wechseln. I.d.R. würde ich sagen, man sollte als Gitarrist, der regelmäßig spielt, spätestens nach einem halben Jahr die Saiten wechseln.

Dafür gibt es viele gute Gründe: auf alten Saiten kann man nicht gut spielen und noch weniger spielen lernen. Verrostete Saiten fühlen sich unangenehm an, erschweren die Spieltechnik, und man bekommt davon oft schwarze Fingerkuppen. Außerdem wird eine Gitarre mit abgespielten Saiten nie wirklich gut klingen und den Fortschritt belohnen. Gleichzeitig hört man die eigenen Fehler nicht mehr so deutlich und auf Dauer besteht die Gefahr, dadurch unsauberer zu spielen oder schlechte Gewohnheiten zu entwickeln.

Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt betrifft vor allem E-Gitarren und Western-Gitarren: verrostete Stahlsaiten sind wie kleine dünne Feilen. Spielt man zu lange damit, so werden die Bünde unnötig schnell abgenutzt (sie werden flacher und bekommen Kerben). Das verschlechtert die Bespielbarkeit, führt zu Saitenscheppern, und die Bünde müssen letztendlich von einem Gitarrenbauer abgerichtet oder sogar ersetzt werden.

Typische Fehler im Umgang mit Gitarren: falsche Saiten aufziehen

Mihai Curteanu

Beispiel: man möchte sich als Gitarrenanfänger eine Gitarre kaufen, und im Laden wird einem typischerweise eine Konzertgitarre empfohlen. Man kauft diese und legt fleißig los, allerdings klingt auch nach längerer Zeit Selbststudium weder „Nothing Else Matters” noch „Stairway To Heaven” annähernd wie das Original. Noch weniger authentisch hört es sich an, wenn man versucht „Knockin’ On Heaven’s Door” oder „Wonderwall” mit Plektrum auf Nylon-Saiten zu spielen. Das Problem wird bald gelöst, als ein gitarrenspielender Bekannter berichtet, man bräuchte dafür Stahlsaiten.

Der Steg einer Konzert-Gitarre: die Saiten werden mit einem speziellen Knoten daran befestigt.

Solche Szenarien sind wahre Geschichten, die öfter passieren, als man denkt. Wenn man im Unwissen oder auf eine nicht ganz kompetente Empfehlung hin Stahlsaiten auf eine Konzertgitarre aufzieht, dann werden ausnahmslos und manchmal nach sehr kurzer Zeit dauerhafte und teilweise irreparable Schäden entstehen. Um das nachvollziehen zu können, muss man zuerst die Unterschiede zwischen Western- und Konzertgitarren kennen.

Akustikgitarren haben zwei Hauptvertreter: die Western-Gitarre und die Konzertgitarre. Letztere wird auch als klassische Gitarre oder spanische Gitarre bezeichnet. Westerngitarren werden immer mit Stahlsaiten bespannt, Konzertgitarren dagegen nur mit Saiten aus Nylon.

Konzertgitarrensaiten

Da bei klassischen Gitarren die drei Bass-Saiten einen Nylonkern haben, der aber zusätzlich mit Draht umsponnen ist, wird manchmal fälschlicherweise angenommen, die Gitarre habe drei dicke Stahl- und drei dünnere Nylonsaiten. Der Versuch, eine klassische Gitarre mit Stahlsaiten zu bespannen, endet – wie bereits erwähnt – in einem Fiasko.

Es gibt unzählige Saitensätze für klassische Gitarren auf dem Markt, jedoch haben Nylonsaiten meistens drei mögliche Stärken:

Nylon-Saiten für Konzert-Gitarre (klassische Gitarre)

  • Weiche Spannung (low tension) lassen sich am leichtesten spielen und haben ein sehr angenehmes Spielgefühl. Sie sind für Anfänger gut geeignet, aber werden manchmal auch von erfahrenen Gitarristen bevorzugt. Der Klang ist eher leise, und sie verstimmen sich unter Umständen ziemlich schnell. Außerdem können Nylon-Saiten mit weicher Spannung oft Saitenscheppern an manchen Bünden (fret buzz) hervorrufen.
  • Normale Spannung (normal tension oder medium tension): mit Abstand die am weitesten verbreiteten Nylonsaiten und die Standard-Bespannung fast aller Konzertgitarren. Sie sind sowohl für Anfänger als auch Profis geeignet, spielen sich angenehm und klingen sehr ausgewogen.
  • Harte Spannung (hard tension) werden vor allem von Profis benutzt, um einen noch druckvolleren Klang zu erzeugen. Diese Saiten sind zwar laut und stimmstabil, jedoch relativ schwer zu spielen.

Der Steg einer Western-Gitarre: die Saiten werden hier mithilfe von Bridge-Pins befestigt.

Western-Gitarrensaiten

Im Gegensatz zu Nylonsaiten haben Stahlsaiten eine viel höhere Spannung und können – falls sie aus Unwissen auf eine Konzertgitarre aufgezogen werden – innerhalb kurzer Zeit den Hals und die Decke verbiegen oder sogar dazu führen, dass der Steg sich von der Decke ablöst. Dementsprechend werden Westerngitarren viel stabiler gebaut. Der Hals einer Westerngitarre wird z.B. zusätzlich mit einem einstellbaren Metallstab (truss rod) verstärkt, um den Saiten Gegenzug zu leisten.

Wegen der hohen Spannung ist die Wahl der Stahlsaiten entscheidend für die Bespielbarkeit und den Zustand der Gitarre. Der Wechsel auf eine andere Saitenstärke erfordert immer eine neue Justierung des Halsstabes, die nur von Gitarrenbauern oder erfahrenen Gitarristen vorgenommen werden sollte. Es ist also wichtig zu wissen, mit welcher Saitenstärke die Gitarre bespannt wurde und welche sie am besten verträgt, bevor man selbst versucht, die Saiten zu wechseln.

Die Auswahl an Stahlsaiten ist inzwischen so groß, dass es kaum noch typische Kategorien mehr gibt. Auch deren Bezeichnungen variieren oft. Hier sind trotzdem die am häufigsten verwendeten Saitenstärken für Western-Gitarre:

Stahlsaiten (steel strings) für Western-Gitarre

  • 10er-Saitensätze (meistens Extra Light genannt, mit Saitendurchmessern von .010-.047 oder .010-.048 inch) sind die weichsten Stahlsaiten und werden vor allem von Anfängern benutzt, die sich langsam an die Stahlsaiten gewöhnen möchten. Sie verstimmen sich relativ schnell und haben einen eher leisen Klang.
  • 11er-Saitensätze (meistens Custom Light genannt, mit Saitendurchmessern von .011-.050 oder .011-.052 inch) sind die erste Wahl der meisten Gitarristen, egal ob Anfänger oder Profis. Sie lassen sich angenehm spielen, halten gut die Stimmung und klingen voll und ausgewogen.
  • 12er-Saitensätze (meistens Light genannt, mit Saitendurchmessern von .012-.053 oder .012-.054 inch) haben trotz der Bezeichnung „Light” eine relativ hohe Spannung und lassen sich nur mit ordentlicher Fingerkraft sauber spielen. Sie werden von vielen Profis bevorzugt, weil sie einen lauten, druckvollen Klang erzeugen und eine sehr gute Stimmstabilität aufweisen.
  • 13er-Saitensätze (meistens Medium genannt, mit Saitendurchmessern von .013-.056 inch) gelten heutzutage als die härtesten Stahlsaiten, die eine Westerngitarre in Standard-Stimmung verträgt. Sie werden von Herstellern vor allem für die größten Bauweisen wie z.B. Dreadnought oder Jumbo empfohlen. Alle anderen Westerngitarren (z.B. Parlor oder sogenannte Folk-Gitarren, Orchestra Model, Grand Auditorium etc.) sollten höchstens mit 12er-Saiten bespannt werden. Die Mediums (13er) sind recht schwer zu spielen und werden hauptsächlich von Profi-Gitarristen mit starken Händen benutzt, die einen möglichst lauten und basslastigen Gitarrenklang erzielen. Diese Saiten können allerdings langfristig den Halswinkel und die Deckenwölbung verändern, sodass die Gitarre nach einigen Jahren aufwendige Reparaturen benötigt.